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28.11.2013

12:33 Uhr

Koalitionsvertrag

IT-Branche klagt über Politik ohne Visionen

Schüler bekommen keine mobilen Geräte für die Schulaufgaben, von schnellem Netzausbau ist keine Rede: Die IT-Branche ist enttäuscht über die Pläne der potenziellen künftigen großen Koalition. Doch Start-Ups freuen sich.

Er ist nicht begeistert: Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, sieht die digitale Agenda und die Interessen der IT-Branche mit der potenziellen neuen Regierung im Hintertreffen. dpa

Er ist nicht begeistert: Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, sieht die digitale Agenda und die Interessen der IT-Branche mit der potenziellen neuen Regierung im Hintertreffen.

BerlinDie etablierten Unternehmen der Internetbranche sind von den Vereinbarungen zwischen SPD und Union nicht begeistert. Der Bundesverband IT-Mittelstand sprach von einer verpassten Chance. „Der Koalitionsvertrag ist für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft nicht der große Wurf“, erklärte auch der Präsident des Bitkom, Dieter Kempf. Einige positive Vorschläge hätten es nicht in den Koalitionsvertrag geschafft. Junge Internetunternehmen freuen sich allerdings, dass Gründungen stärker gefördert werden sollen.

So war ursprünglich überlegt worden, jedem Schüler ein mobiles Gerät wie etwa ein Tablet zur Verfügung zu stellen. Das hätte allerdings viel Geld gekostet. Auch die konkrete Zusage, eine Milliarde Euro zusätzlich in den Ausbau schneller Internetverbindungen über Breitband zu stecken, wurde gestrichen.

Deutsche Startups

Neue Gründerzeit

Manch einer spricht von einer neuen Gründerzeit: Immer mehr Start-ups versuchen in Berlin ihr Glück. Aber auch in anderen Teilen des Landes gibt es erfolgreiche IT-Unternehmen. Einige sind bereits über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt geworden. Ein Überblick.

Researchgate

Researchgate ist ein Online-Netzwerk für Wissenschaftler. Dort tummeln sich Biologen, Chemiker aber auch Philosophen. Die Idee: Forscher sollen sich inhaltlich austauschen und Kontakte knüpfen können. Der studierte Virologie Ijad Madisch gründete die Firme mit zwei Freunden. Längst sind Investoren aus den USA aufmerksam geworden – darunter Microsoft-Gründer Bill Gates: Er steckte im Juni 2013 gemeinsam mit Tenaya Capital 35 Millionen Euro in Researchgate.

Wooga

Der Spiele-Anbieter Wooga profitierte in seinen Anfangsjahren vom Boom der Sozialen Netzwerke: Immer mehr Nutzer verbrachten immer mehr Zeit bei StudiVZ, Facebook und Co – und begeisterten sich für Spiele wie „Monster World“, die das Berliner Start-up dort anbot. Inzwischen steckt Wooga mehr Anstrengungen in die Apps für mobile Geräte. Weltweit verzeichnet die Firma monatlich 50 Millionen Nutzer.

Bigpoint

Kein klassisches Start-up mehr ist Bigpoint: Heiko Hubertz gründete die Firma bereits 2002. Sie bietet Spiele wie „Drakensang Online“ und „Farmerana“ an, sowohl eigene Entwicklungen wie auch die anderer Hersteller. Die mehr als 300 Millionen registrierten Nutzer können grundsätzlich kostenlos spielen, zahlen aber für Extras. 2012 war allerdings ein schwieriges Jahr: Weil sich das Geschäft schlechter entwickelte als erwartet, strich das Unternehmen 120 Stellen und schloss das Studio in San Francisco. Dieses Jahr will Bigpoint wieder wachsen.

Soundcloud

Der schwedische Unternehmer Alexander Ljung hat sich bewusst für den Standort Deutschland entschieden: Er gründete seine Firma Soundcloud in der Hauptstadt. Sie bietet eine Plattform an, auf die Nutzer eigene Audioproduktionen hochladen können und mit anderen teilen können. Monatlich nutzen 250 Millionen Menschen den Dienst.

6Wunderkinder

Das Start-up 6Wunderkinder entwickelt eine Anwendung, mit der Nutzer ihren Alltag wie auch ihre Arbeit organisieren können sollen. Die Basisversion ist kostenlos, die Team-Version kostet eine monatliche Gebühr. Bislang hat das Unternehmen nur sechs Millionen Nutzer, aber eine Partnerschaft mit dem bekannten Kapitalgeber Sequoia Capital rückt das junge Unternehmen ins Rampenlicht.

Zalando

Hinter dem Online-Modehändler Zalando stehen die Samwer-Brüder, die sich als Seriengründer von Internet-Unternehmen einen Namen gemacht haben. Der Umsatz ist seit der Gründung 2008 rasant auf 1,15 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gewachsen, allerdings arbeitet der Händler nicht profitabel. Internationale Investoren, darunter die deutsche Tengelmann-Gruppe und ein kanadischer Rentenfonds, finanzieren die internationale Expansion.

Der Präsident des IT-Mittelstandsverbands, Oliver Grün, warnte zudem „keine rein symbolischen und technisch nutzlosen Konsequenzen aus dem NSA-Skandal“ zu ziehen. Darunter fällt für ihn die Idee eines „nationalen Routings“, also Internetverkehr künftig nur innerhalb Deutschlands oder Europas zu verschicken. Beide Verbände forderten erneut einen Internetausschuss im Bundestag.

„Wir sind durchaus zufrieden“, sagte hingegen Florian Nöll vom Bundesverband Deutsche Startups. „Dass die digitale Wirtschaft an so vielen Stellen vorkommt, ist völlig neu.“ Das betonten auch die IT-Mittelständler. Nöll freut, dass der Gründungszuschuss erhalten bleiben soll und Investitionen von Risikokapital vereinfacht werden sollen. Außerdem sollen Unternehmensgründungen weniger bürokratisch werden.

Sorgen macht ihm eine mögliche Besteuerung von Veräußerungsgewinnen. Das könnte Startups treffen, wenn frühere Investoren ihren Anteil verkaufen. Im Koalitionsvertrag heißt es, die Frage soll „ergebnisoffen“ geprüft werden.

Von

dpa

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