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16.09.2013

16:28 Uhr

Kolumne „Off Screen“

Buch entdeckt Börse

VonHans-Peter Siebenhaar

Nach 13 Jahren wagt mit Bastei-Lübbe ein Verlag wieder einen Börsengang. Seit Montag wirbt das Kölner Familienunternehmen um Investoren, um das Geschäft zu digitalisieren und zu internationalisieren.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Die Buchbranche ist langsam. Auf der Frankfurter Buchmesse schlendern die Besucher so bedächtig durch die Gänge. Der Langsamkeit der Branche ist es auch geschuldet, dass sich kaum ein Unternehmen mit modernen Finanzierungsmethoden beschäftigt hat. Vor allem kleine und mittlere Verlage werden heute noch wie eine Bäckerei geführt.

Bastei-Lübbe, groß geworden mit Groschenromane wie „Jerry Cotton“ und „John Sinclair“, geht nun einen neuen Weg. Der Kölner Verlag wagt einen Börsengang. Das ist eine Sensation für die betuliche Buchbranche, die die Börse scheut wie der Teufel das Weihwasser. Der letzte Börsengang eines Verlags ging im verrückten Jahr 2000 über die Bühne. Eichborn traute sich auf das glatte Parkett und scheiterte grandios. Die Ironie der Geschichte: Der aufmüpfige Verlag gehört seit Ende 2012 zum Portfolio von Bastei-Lübbe.

Die Buchbranche steht vor dramatischen Umwälzungen. Die Marktbereinigung läuft auf vollen Touren. Zuletzt hatten sich Random House, Buchtochter des Medienriesen Bertelsmann, und Penguin Books, ein Ableger des britischen Medienhauses Pearson, zur weltweiten Nummer eins zusammen geschlossen. Der Kampf um die Besten unter den Autoren wird immer erbarmungsloser.

Fusion abgeschlossen: Bertelsmann und Pearson gründen Buchgiganten

Fusion abgeschlossen

Bertelsmann und Pearson gründen Buchgiganten

Penguin Random House – so heißt der neue gemeinsame Buchverlag von Bertelsmann und Pearson. Alle behördlichen Genehmigungen zum großen Deal sind erteilt. Die Gründung ist eine Kampfansage an Amazon und Apple.

Hinzu kommt der Margendruck durch die Konzentration im Handel. Amazon ist längst Deutschlands größter Buchhändler. Die hiesige Konkurrenz hat es schwer. Der Buch- und Internethändler Weltbild ist in eine finanzielle Schieflage geraten. Das Augsburger Unternehmen, im Besitz der katholischen Kirche, kämpft ähnlich wie sein Konkurrent Thalia gegen schrumpfende Umsätze. Mit immer neuen und größeren Buchhandlungen haben sich die Betreiber ordentlich verspekuliert und zahlen nun die Zeche.

Verleger Stefan Lübbe will von der Krise profitieren. Er hofft mit dem Börsengang genügend Geld einzusammeln, um die Internationalisierung und Digitalisierung voranzutreiben. Über eine Kapitalerhöhung werden drei Millionen neue Aktien ausgegeben. Das Wertpapier soll zwischen neun und elf Euro Kosten. Derzeit tingelt die Führungstruppe durch die Welt, um dafür zu werden. Die Zeichnungsfrist wird zwischen 17. September und 1. Oktober sein, eine Erstnotierung im Prime Standard ist für den 8. Oktober geplant.

Lübbe hat mit der Börse bereits gute Erfahrungen gemacht. Vor knapp zwei Jahren begab der Verlag eine 30 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe. Die Chancen für einen erfolgreichen IPO stehen gut. Denn die Geschäfte laufen nicht zuletzt dank der Bestseller wie „Inferno“ von Dan Brown oder „Er ist wieder da“ von Timur Vernes ordentlich. Wie mir der designierte Vorstandschef Thomas Schierack berichtete, erwartet Lübbe im laufenden Geschäftsjahr 2013/14 Rekorderlöse von bis zu 114 Millionen Euro. Zuletzt betrug der Jahresüberschuss 7,9 Millionen Euro.

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