Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.11.2014

14:44 Uhr

Kolumne „Off Screen“

ZDF und ARD müssen endlich handeln

VonHans-Peter Siebenhaar

Der deutsche Fernsehfilm ist in Männerhand. Nur bei jeder zehnten Produktion von ARD und ZDF wird eine Regisseurin verpflichtet. Das ist ein Skandal. Die Öffentlich-Rechtlichen Sender müssen die Diskriminierung stoppen.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Wenn Oscar-Preisträger einmal die Altersschwelle überschritten haben, werden sie von Gala zu Gala wie bedeutungsschwere Trophäen aus einer untergegangenen Zeit herum herumgereicht. Das ist auch beim 76-jährigen ungarischen Regisseur István Szabó, der vor mehr als drei Jahrzehnten für sein Meisterwerk „Mephisto“ - die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Thomas Mann - die begehrte Auszeichnung in Hollywood überreicht bekam, nicht anders.

Szabó, der als junger Student für den kommunistischen Geheimdienst brav Berichte schrieb und dem heute zur Zerstörung der Medien- und Meinungsfreiheit in Ungarn zu wenig einfällt, bekam nun den Regiepreis Metropolis in München überreicht. Da ist der Applaus so sicher wie das Amen in der Kirche. Eine schöne Gala, ein schönes Sümmchen von 20.000 Euro als Preisgeld für einen Altmeister, der seine großen Erfolge noch vor dem Fall der Berliner Mauer feierte.

Bei so viel Glamour für die Ehrung durch den Bundesverband Regie ging die einzige wirklich wichtige Neuigkeit zum Promi-Auftrieb in der weiß-blauen Landeshauptstadt unter: im deutschen Film spielen Frauen selbst im 21. Jahrhundert eine mehr als bescheidene Nebenrolle. Bei den Produktionen im Hauptprogramm von ARD und ZDF haben die männlichen Regisseure seit Jahrzehnten das Zepter fest in der Hand.

Nur bei elf Prozent der Filme und Serien führen Frauen die Regie. Das brachte eine Studie des Bundesverbandes Regie nun zutage. Bei den populären ARD-Krimis wie „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ am Sonntag beläuft sich der Anteil der Frauen hinter der Kamera auf klägliche neun Prozent. Am schlimmsten sieht es bei den ZDF-Krimis am Freitagabend aus. Dort ist eine weibliche Regisseurin seltener wie ein Sonnentag im November. Nur drei Prozent aller ZDF-Krimis auf diesen Sendeplatz werden von Frauen inszeniert. Bei der Untersuchung wurde der Zeitraum zwischen 2010 bis 2013 ausgewertet.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hans Kammerer

10.11.2014, 15:27 Uhr

Mit Verlaub, Menschen wie Sie sind schuld an unserer Männerdiskriminierungskultur. Sie können mir doch nicht erzählen, dass ein Intendant lieber einen männlichen Regisseur wegen seines Geschlechts statt wegen seines Produkts wählt ! Man möchte i.d.R. immer das beste für sein Geld haben. Wenn die beste Brezel für den Euro von einer Frau gebacken wird, dann kauft man eben dort.
Das Problem ist doch hier nicht Diskriminierung, das Problem ist, dass es eben viel weniger Regisseurinnen gibt und daher naturgemäß auch die Quote der Filme von einer Regisseurin entsprechend gering ausfällt. Der Verweis auf die Abschlussjahrgänge dieser Zeit hinkt völlig, auch deshalb, weil er die 40 vorhergehenden Abschlussjahrgänge ausblendet.
Bitte hören Sie mir auf mit der Quote. Denn wenn wir eine Frauenquote bekommen sollen, wäre es nur billig und gerecht auch eine Quote für Regisseure mit Migrationshintergrund, Behinderung, grünem Parteibuch, Kinnbart und Perücke zu fordern.
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass das Handelsblatt zu wenig weibliche Kolumnisten hat. Ich finde, das Handelsblatt sollte bei den Kolumnisten eine Frauenquote von 57,14 Prozent einführen. Wie fänden Sie das ?

Herr Chris Frank

10.11.2014, 17:52 Uhr

Was für ein Unfug. Sind wir jetzt im Sozialismus? Frauen und Männer sind gleichberechtigt. d.h. sie haben das Recht Regisseur zu werden und danach jemanden zu suchen, der sie beschäftigt. Und die einen bekommen eben einen Job, die anderen nicht. Die einen werden nachgefragt, die anderen nicht. Und das hat bitteschön nichts mit Geschlecht, Herkunft oder anderem Gendergedöns zu tun. Sondern vielleicht auch mit Können, Qualifikation, sich verkaufen können, Ideen haben die gesucht sind,... Und auch damit, wie man die eigene Karriere vorantreibt, wie man verfügbar auf dem Arbeitsmarkt ist, wie flexibel man ist, welche Abstriche man bereit ist an der weiteren Lebensplanung (oder auch den künstlerischen Ansprüchen) zu machen,... Vielleicht ist es einfach auch unsexy, irgend welche langweiligen Freitagabendkrimis für das ZDF zu produzieren? Bzw. man (bzw. Frau) möchte nicht Schwarzbrotarbeit mit Drehbüchern die einer auf Meilen vorhersehbare Handlung enthalten und verbotener Kreativität machen?

Sozialistisches Quotendenken hat noch niemandem geholfen. Außer den Pseudo"wissenschaftlern" der Gender- und Diversity"forschung". Denn wenn man einfach akzeptieren würde, dass nicht alle Menschen das selbe im Leben erreichen werden und bestimmte Verhaltensweise keine Diskriminierung sind, sonder ganz natürlich dann, ja dann.... wären diese ja arbeitslos...

Herr Klaus Emerott

14.11.2014, 15:15 Uhr

Also ist es ganz eindeutig die fehlende Frauenquote, die uns dauernd irgendwelche langweiligen Filme im 8-Mrd-Euro-pro-Jahr-GEZ beschert. Ich bin inzwischen so weit zu sagen, nehmt mein Geld, aber bitte hört einfach auf, zu senden. Bleibt daheim, macht krank, nehmt mein Geld, aber verschmutzt nicht den Äther mit euren Frequenzen. Alternativ könnten sich ja mal alle Frauen im GEZfernsehen zusammentun und mal ein paar gute Serien entwickeln. Aber Blacklist, Borgen oder Doctor Who gibts leider schon. Und da sind wir eigentlich beim Kernpunkt meiner Kritik an dieser un-handelsblättischen Forderung: Muss ich wissen, wie jemand pinkelt, oder will ich lieber ein gutes Programm? Und unterstützt Handelsblatt dann die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×