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08.03.2012

00:46 Uhr

Kommentar

Apples cleverer Schachzug

VonAxel Postinett

Mit seinem neuen Tablet setzt Apple der Konkurrenz nicht nur ein neues Produkt vor die Nase. Der Konzern definiert auch die Maßstäbe, an denen Innovation sich künftig messen lassen muss.

Apple-CEO Tim Cook bei der Vorstellung des neuen iPad. dapd

Apple-CEO Tim Cook bei der Vorstellung des neuen iPad.

San FranciscoiPad3? iPad 2S? iPad HD? Nichts dergleichen. Apple nennt seinen jüngsten Spross einfach das „neue iPad“. Der kalifornische Kultkonzern hat aus dem Öffentlichkeitsdesaster der Einführung des iPhone 4S – alle Apple-Fans und Kritiker wollte ein iPhone 5 sehen - überraschend schnell Konsequenzen gezogen.

Die Qualität und das Innovationsniveau der Produkte sollen nicht mehr an halben oder ganzen Zahlensprüngen festgemacht werden. Es ist halt die dritte Generation des iPads. Nennt, wie ihr es wollt. Wir konzentrieren uns auf die inneren Werte.

Im Endeffekt lenkt Apple damit das Interesse weg von reinen Hardware-Spezifikationen, dem immer gleichen Rennen nach schneller, schärfer, kleiner, hin zu dem Gesamtpaket. Vierkern-Prozessoren, scharfe Displays, schöne Gehäuse, das können auch andere. Und gar nicht mal schlechter. Das hat über Jahre der Kampfplatz PC gezeigt, wo lange die Schlagzahl des Prozessors in immer mehr Gigahertz den Wert bestimmt hat. „Der neue ist noch schneller“ reichte aus, um ein „neues“ Produkt einzuführen.

Aber dann liegen sie da, die Superspielzeuge, und der Kunde fragt sich, was er nun mit der geballten Power anfangen soll. „Das iPad“ ist hingegen ein Gesamtkunstwerk aus Hardware, Software und internet-basierten Diensten. Nicht von ungefähr kam der kleine, aber vernichtende Seitenhieb auf Google, als sich Cook auf offener Bühne über lausig und lieblos designte Android-Apps lustig gemacht hat. Vorgeführt natürlich auf einem Tablet des Haupkonkurrenten Samsung.

Wenn es um die Integration aller Komponenten geht, die Kontrolle der Einzelteile, das reibungslose Funktionieren, den Spaßfaktor ab Werk, da ist Apple derzeit ungeschlagen. Der iTunes-Store macht bereits über zwei Milliarden Dollar Umsatz – in einem Quartal.

Google hat längst eingesehen, das es so nicht weitergeht, aber es ist schwer, darauf zu antworten. Die Zusammenlegung der bislang getrennten Musik-, Buch- und Software-Läden im Web ist der erste Versuch, hier gleichzuziehen. Aber noch fehlt das Kernstück – das eigene Tablet. Kein Zweifel, es wird kommen.

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Bis dahin muss Google zusehen, wie Apple davoneilt. Selbst wenn das Kindle Fire von Amazon Erfolge feiert – es ist kein lupenreines Android-Gerät, Amazon hat es nach eigenem Geschmack umgebaut, hat seinen eigenen Softwareshop und Buchladen draufgesetzt. Solange diese Fragmentierung anhält, ist das keine Konkurrenz.

Das iPad der dritten Generation bietet die Verbesserungen an der richtigen Stelle, der Bildschirm ist das zentrale Kommunikationsmittel mit dem Kunden. Alle anderen Verbesserungen, wie der schnelle Prozessor, müssen dem Bildschirmerlebnis zuarbeiten. So etwa das neue iPhoto, ein Bildbearbeitungsprogramm der Sonderklasse, wie es auf dem Mac schon existiert. Doch auf dem iPad feiert es nicht einfach nur als einfache Portierung seine Wiedergeburt. Die gesamte Software ist auf die Berührungswelt ausgerichtet.

Apple verlässt sich nicht alleine auf die tausenden Apps-Programmierer. Die zentralen Bereiche – Fotos, Musik, Bücher und Film - nimmt man lieber selbst in die Hand. Das ist es, was der iPad-Käufer täglich nutzt.

Die einfache Bedienung über den Berührungsbildschirm bei iPhoto wird noch mehr Anwender unterhalb der Profiklasse vom PC wegbewegen. Das ist es, was Steve Jobs immer gewollt hat, und mit dem jüngsten iPad kommt sein Nachfolger Tim Cook diesem Ziel wieder einen Schritt näher.

Das iPad wird weiter die Premiumklasse der Tablets beherrschen. Daran besteht seit heute kein Zweifel mehr. Marktanteile werden verloren gehen, aber vor allem in hart umkämpften Einsteigerklassen und an subventionierte Spielzeuge wie das schmalbrüstige Amazon Kindle Fire. Hier will Apple ohnehin (noch) nicht mitspielen. Die hohen Gewinnmargen hingegen werden weiter in die prall gefüllten Taschen in Cupertino fließen.

Kommentare (7)

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Stephan

08.03.2012, 08:59 Uhr

@postinett
erklären sie ehrlich, wozu sie ein neues ipad brauchen. zum lesen? gestochen scharf und schnell und so tolles design vor allem zum lesen? dabei reden wir noch nicht mal vom preis oder das ein buch immernoch angenehmer ist. zum spielen? echt? wer spielt, wird sich eher eine ps3 kaufen -oder? aha, für prestige, für das coole gefühl schick und prestigehaft mobilität unterwegs zu beweisen. quasi mobil, wenn man mobil ist. das ist ein semantischer trick, denn diese internetmobilität, wie macht sie denn einen mobil? mit produktivität hat das ganze nur wenig zu tun und es liegt an solchen artikeln wie diesen, dass man das handelsblatt doch nicht immer ernst nehmen kann und dass solche tablets gekauft werden. am besten noch von leuten, die die grüne ideologie vertreten.
das nächste mal erklärt uns postinett, warum man permanent online sein muss, dass die ständige datenberieselung total kultur uns nützlich ist und dass apple sich eigentlich googles slogan nehmen sollte: You can make money without doing evil
und jetzt noch zum preis: nehmen wir an, dass teil kostet 600 euro. dafür bekommt man mindestens 25 sehr gut(übersetzt)er bücher marke weltliteratur/klassiker, eher 60. 600 € kostet ein riesiger bildschirm (zum spielen) oder ein passabler desktop oder eine ps3 mit schon 6 neueren spielen oder ein all-inclusive wochenende... 600 euro ist schon einiges an geld und man kann sich was gutes damit leisten. warum also nur etwas, was angeblich nur "nicht böse" ist? warum nur etwas, was vor allem auf prestige ausgelegt ist? darum, her postinett, ist ein vor allem teures tablet peinlich und sie vergessen mit ihrer "begeisterung", und ebenfalls "zufällig apple, eine ästhetische produktivität zu erwähnen/auszumachen. PRODUKTIVITÄT. deswegen ist es so "schön" designed. damit fängt das schick sein an. ich könnte den artikel in die luft jagen, aber postinett wird anfügen, dass das ipadX ordentlich verkauft werden wird, gewinn und daher doch gebraucht wird und sinn macht.

Stephan

08.03.2012, 09:21 Uhr

teil II
über die sinnhaftigkeit sich gedanken zu machen ist heutzutage eher selten anzufinden in der "berieselungs"gesellschaft. wie im artikel korrekt angemerkt wird, ist das ipad, welches auch ein tablet ist, ein spielzeug. jeder, der solch ein spielzeug gerne haben möchte, möchte ich es nicht madig sprechen. fakt ist nun mal, dass ich entweder auf einem flug, im zug oder in meiner freizeit z.b. ein buch konzentriert folgen kann oder mir gedanken machen kann, woran es noch an einer app mangelt oder dass der film so schön gestochen scharf ist. ich kann mir auch gedanken machen, welche bilder ich auf facebook hochladen muss für meine 400 socialnetwork-freunde oder welche bilanz/diagramm/meeting protocol ich nacharbeiten könnte und welche app sich dafür eignet. im prinzip mumpitz, verglichen mit der schönheit eines balzac romans oder den ausführungen von camus. allein die wochenendausgabe von hb richtig zu lesen kostet um die 8 h freizeit pro woche. das sind etwa 120 euro im jahr. solche nüchterne betrachtungen fehlen mir, die immer nur mit begeisterung (totaly gushy) auf apples produkte verweisen. jetzt noch ein vorteil von einer printausgabe: man kann sich was anstreichen, kaffeeflecken tun nicht weh und heidelberger druck verdient schön mit. wie, das sind komische argumente für printmedien? dann schauen sie sich, verehrter leser, doch mal die argumente etwas genauer an für den kauf eines teuren tablets!

Blend

08.03.2012, 09:45 Uhr

Ich frage mich manchmal, weshalb immer wieder Foristen von sich auf andere schließen.
Ich selbst bin Student und für mich sind 480€ viel Geld.
Allerdings ist das iPad wie für ich geschaffen.
Ich kann alle Bücher unterwegs lesen, und ich rede hier nicht von 50 Seiten pro Buch sondern von dicken Standardwerken und Atlanten. Ich habe die Möglichkeit, bequem fürs Staatsexamen zu "kreuzen" und mit einem Klick nen Screenshot anzufertigen. Nebenbei aufm Sofa mal schnell bei Wikipedia recherchieren, ohne 3 Minuten zu warten, bis das Notebook startklar ist. 10 h Laufzeit ist optimal. Für mein Studium gibt es viele geniale und vor allem günstige Apps, die perfekt an das Ökosystem angepasst sind. Zum chillen mal schnell eines der unendlichen Spiele zocken oder schnell ein Film schauen, kein Problem. Der Spiegel digital ist immer dabei, auch wenn das Printpaper zu Hause liegt.
Jeder hat aber Ansprüche, und für mich ist das iPad wie geschaffen, und nicht, um damit anzugeben. Würde Androide ein vergleichbares günstigeres Angebot haben (das Gesamtpaket entscheidet) hätte ich es mir gegönnt. Ach, das galaxy Tab kostet ja auch 499€.
Also nicht von sich auf andere schließen.

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