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17.06.2011

16:07 Uhr

Kommentar

Bellut muss der Politik die Stirn bieten

VonHans-Peter Siebenhaar

Der neue ZDF-Chef Thomas Bellut muss den Kampf für mehr Unabhängigkeit aufnehmen: Übergriffe der auf den Sender wie in der Vergangenheit darf es nicht mehr geben.

Der neue ZDF-Intendant, Thomas Bellut. Quelle: dpa

Der neue ZDF-Intendant, Thomas Bellut.

DüsseldorfDas eindeutige Votum des Fernsehrates macht Thomas Bellut als künftigen ZDF-Intendanten bärenstark. Von 73 anwesenden Fernsehräten in Berlin stimmten 70 für den derzeitigen Programmdirektor als Nachfolger von Markus Schächter. Es gab nur eine Nein-Stimme und zwei Enthaltungen. Bellut wird sein Amt am 15. März 2012 übernehmen.

Die Rückendeckung aller im Fernsehrat vertretenen Parteien kann der 56-Jährige sehr gut gebrauchen: In der Vergangenheit haben die Parteien immer wieder brutal in die Geschicke des Mainzer Senders eingegriffen. Unvergessen ist der Vorstoß von Unionspolitikern um den früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, den damaligen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender abzulösen. Schächter war politisch zu schwach, um den dreisten Angriff auf seinen Chefredakteur abzuwehren. Am Ende einer peinlichen und schädlichen Diskussion musste Brender gehen, Schächter hingegen blieb im Amt, obwohl er eigentlich genügend Gründe für einen Rücktritt gehabt hätte.

Eine solche medienpolitische Blamage darf sich nicht mehr wiederholen. Für Thomas Bellut, einen politisch außerordentlich erfahrenen Journalisten und Medienmanager, geht es künftig darum, die beschädigte Unabhängigkeit des ZDF wiederherzustellen. Er muss den Sender energischer vor dem Zangengriff der Parteien verteidigen, als es seinem Vorgänger während seiner beiden Amtsperioden gelang. Vielleicht springt ihm das Bundesverfassungsgericht bei: Die Karlsruher Richter nehmen derzeit den ZDF-Staatsvertrag kritisch unter die Lupe. Sollten Sie mit einem Urteilsspruch im kommenden Jahr die Unabhängigkeit des Senders stärken, hätte Bellut die historische Chance auf einen Neuanfang.

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