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25.08.2012

04:45 Uhr

Kommentar

Das Stigma des Diebes und die Freude des Dritten

VonAxel Postinett

Apple siegt im Patentstreit gegen Samsung, eine Milliarde müssen die Koreaner nach Kalifornien überweisen - doch zu den Siegern könnten auch Nokia, Microsoft und sogar Blackberry zählen.

Das Apple-Logo an einem Gebäude in San Francisco. AFP

Das Apple-Logo an einem Gebäude in San Francisco.

San FranciscoDie Rollen sind klar aufgeteilt. Apple ist der Gute, Samsung der Dieb, der rücksichtslos die Erfindungen anderer klaut und zu seinem Vorteil ausnutzt. Nicht gerade schmeichelhaft für einen Konzern aus Asien, wo der Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit so ziemlich das Schlimmste ist, was einem dort passieren kann.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

In ihrem Bemühen, schnell den Anschluss in einem boomenden Markt zu finden, sind die Koreaner weit über das Ziel hinausgeschossen und dafür müssen sie jetzt bezahlen. Nicht nur, dass Google sich bei Apple bedient hat und bei seinem Betriebssystem Android - das Samsung verwendet hat - abgekupfert hat. Samsung hat noch einen drauf gelegt und, zumindest zu Beginn, das Design von Apple noch gnadenlos imitiert. Das war einfach zu viel. So hat es die Jury im kalifornischen San Jose beschlossen und es bleibt abzuwarten, ob ein Berufungsverfahren noch einmal eine Wende zugunsten der Koreaner einleiten kann.

Die Auswirkungen auf den Smartphone- und Tabletmarkt können dramatische Ausmaße annehmen. Viele kleinere Hersteller von Android-Smartphones haben schlicht nicht das Geld, um sich mit dem weltgrößten IT-Konzern mit einem Vermögen von über 100 Milliarden Dollar anzulegen, dessen verstorbener Gründer Steve Jobs einen „thermonuklearen Krieg“ gegen Google und sein Android angekündigt hatte. Der erste Nuklearschlag ist jetzt erfolgt und der gigantische Rauchpilz ist weithin sichtbar in der Branche.

Die Betroffenen könnten schnell nach Alternativen zu Android suchen, bevor sie Apple ins Visier nimmt. Das könnte ungeahnte Gewinner des Verfahrens hervorbringen. Da wären zum Beispiel erst einmal Microsoft als Lieferant eines alternativen Betriebssystems und Nokia, die ausnahmsweise in den letzten Jahren tatsächlich einmal auf das richtige Pferd gesetzt haben könnten und bereits Erfahrung mit Windows gesammelt haben. Um so eher, wenn sich auch noch Samsung für einen echten Umstieg auf Windows entscheidet und dem Markt einen Schub verleiht. Das mächtige Konglomerat aus Korea ist viel mehr als ein Smartphone-Hersteller und in keiner Weise an Google gebunden.

Aber Google braucht Samsung. Selbst Blackberry könnte für manchen Hersteller wieder in einem anderen Licht erscheinen. Research in Motion steht mit dem Rücken zur Wand und ist mittlerweile bereit, seine Software an jeden zu lizensieren, der will und Geld hat. Samsungs Niederlage öffnet den Kanadiern noch einmal ein winzig kleines Fenster, um wieder ins Spiel zu kommen. Nur muss irgendwann auch einmal die Software fertig werden. Das ist halt doch irgendwie Voraussetzung.

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