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13.12.2011

16:38 Uhr

Kommentar

Glücksspiel in Washington

VonThomas Jahn

Heute beginnt eine neue Runde im Übernahmedrama von T-Mobile durch AT&T. Hinter allen juristischen Manövern steht der Widerstand von US-Präsident Barack Obama.

Ein AT&T-Geschäft in New York. dapd

Ein AT&T-Geschäft in New York.

Poker übt einen großen Reiz auf Amerikaner aus. Das Spiel ist eine Art Schule fürs amerikanische Leben: Wer klug und mutig auf die richtige Hand setzt, kann groß herauskommen. In Washington rollt derzeit eine Pokerrunde der besonderen Art. Am Tisch sitzen sich Wayne Watts, Chefanwalt vom Mobilfunkunternehmen AT&T, und Joe Wayland, Vertreter des US-Justizministeriums gegenüber. Richterin Ellen Huvelle verteilt die Karten.

Die Spannung ist groß. Immerhin liegen im Topf 39 Milliarden Dollar – so viel bietet AT&T für T-Mobile USA. Wayland klagt gegen die Übernahme, weil sie AT&T zu mächtig machen würde und die Verbraucher höhere Preise zahlen müssten.

Heute spielt Wayland vor Gericht eine neue Karte aus: In einem Antrag verlangt er eine Verschiebung der Pokerrunde. Das Argument von Wayland klingt überzeugend. Vor kurzem zogen AT&T und T-Mobile ihren Antrag auf Zusammenlegung vor der US-Regulierungsbehörde FCC zurück. Daher können die beiden Unternehmen nicht so in Eile sein.

Natürlich weiß Wayland genau, dass dem nicht so ist: AT&T und T-Mobile läuft die Zeit davon. AT&T will das US-Geschäft der Deutschen Telekom kaufen, um die Reichweite seines Netzes zu erweitern. Das wird vor allem in Städten wie New York, Chicago oder Los Angeles stark durch Kunden belastet, die mit ihren iPhones und anderen Smartphones munter Videos oder Fotos herunterladen. Auch steht im Übernahmevertrag eine Frist: Bis September 2012 muss die Akquisition durchgeführt sein, sonst kann T-Mobile sechs Milliarden Dollar an „break-up fee“ kassieren. Ob der Antrag durchgeht oder nicht, steht für Wayland nicht so sehr im Vordergrund. Er will Richterin Huvelle vor Augen führen, was für ein gewiefter Pokerspieler der Gegner ist. Sympathien spielen eine wichtige Rolle, schließlich fällt Huvelle das Urteil.

Warum zogen AT&T und T-Mobile den Antrag bei der FCC zurück? Es war ein taktisches Manöver: Der FCC-Chef Julius Genachowski sprach sich gegen den Kauf aus und drohte, die Sache vor einen Verwaltungsrichter zu bringen. Auch das war ein schlaues Manöver, denn das Verfahren dauert lange, und Zeit haben AT&T und T-Mobile eben nicht. Also zog Chefanwalt Watts den Antrag zurück, in der Hoffnung, nach einer günstigen Entscheidung von Richterin Huvelle mit einem neuen Antrag bessere Karten bei der FCC zu haben.

Wenn einem langsam der Kopf schwirrt, ist das angesichts der ganzen Finten mehr als verständlich. Auch Huvelle zeigte sich ungehalten, was ein böses Vorzeichen ist. Sie verstehe nicht, sagte sie am Freitag, warum man den Antrag zurückgezogen habe. Schließlich könnten die Unternehmen bei ihrem neuen FCC-Antrag bestimmte Rahmenbedingungen verändern und „jedermanns Zeit wäre verschwendet worden“.

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