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16.08.2011

06:23 Uhr

Kommentar

Motorola ist für Google ein riskanter Deal

VonAxel Postinett

Der Preis, den Google für Motorola zahlt, ist hoch. Noch beeindruckender ist die Risikoprämie, die vereinbart wurde, falls der Deal platzt - dann könnten 20 Prozent der Kaufsumme in Motorolas Kasse landen. 

Motorola-CEO Sanjay Jha gehört zu den Gewinnern des Google-Deals. Quelle: Reuters

Motorola-CEO Sanjay Jha gehört zu den Gewinnern des Google-Deals.

San FranciscoMotorola und Google sind international operierende Unternehmen. Kartell- und Wettbewerbsbehörden weltweit werden sich die geplante Übernahme des Mobilfunkherstellers durch den Webriesen genau anschauen, das steht außer Frage. Auf einer gemeinsamen Telefonkonferenz zeigten sich sowohl Googles CEO Larry Page als auch Motorolas Sanjay Jha sehr optimistisch. Warum haben aber dann die Aktionäre auf die massive Ausfalloption gedrängt?

Nach Informationen der Agentur Bloomberg, die sich auf einen ungenannten Informanten mit Detailkenntnissen bezieht, werden 2,5 Milliarden Dollar fällig, wenn Google abspringt. Zum Vergleich: Bei dem enorm umstrittenen Merger von T-Mobile USA und AT&T hat die Deutsche Telekom eine Ausgleichszahlung in bar von drei Milliarden Dollar und Sonderbehandlungen bei künftigen Geschäftsbeziehungen ausgehandelt – aber bei einer mehr als dreimal so hohen Übernahmesumme von 39 Milliarden Dollar.
 Da ist zum einen der kartell- und wettbewerbsrechtliche Aspekt des Motorola-Deals. Aus der Übernahme des Hardwareherstellers alleine ist derzeit kaum eine marktbeherrschende Stellung herauszulesen. Motorola hat im vergangenen Quartal gerade einmal 4,4 Millionen Smartphones abgesetzt und 440 000 Tablet-PC. Das ist nichts, verglichen mit Apples 19 Millionen iPhones in einem Quartal. Die Sichtweise könnte sich dramatisch ändern, wenn Googles marktbeherrschende Stellung bei Suchmaschinen hinzugenommen wird.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Die amerikanische Handelsbehörde FTC hat nach Medienberichten bereits ihre Untersuchungen hinsichtlich eines Machtmissbrauchs bei Suchmaschinen auf Mobiltelefone ausgeweitet. Google soll andere Mobiltelefon-Hersteller dazu gedrängt haben, auf Konkurrenzsoftware zu verzichten und Googles Produkte zu bevorzugen. Die Akquisition von Motorola könnte als Anfangsverdacht gewertet werden, diese Praxis ausweiten zu wollen. 2010 hat Motorola bereits den Google-WLAN-Ortungsdienst durch das Konkurrenzprodukt Skyhook ersetzt.

Auf zahlreichen chinesischen Geräten läuft Bing als Suche, nicht Google. Das wird ein Ende haben. Von Websuche über Google Maps bis zum Google-App-Market und dem Facebook-Clone Google+ wird sich alles auf den künftigen Motorola-Telefonen wiederfinden. Vor wenigen Tagen hatte Motorola Mobility-Chef Sanjay Jha bereits angekündigt, die eigene Android-Oberfläche „Motoblur“ nicht mehr als eigene Marke weiterverfolgen zu wollen. Sie war Kernelement der Motorola-Strategie. Jetzt braucht sie niemand mehr. Stattdessen reicht auf einmal die Google-Standardoberfläche mit Google-Diensten. Heute wissen wir, warum.

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