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27.09.2016

17:44 Uhr

Kommentar zu Twitter

Gefallener Star mit Identitätskrise

VonChristof Kerkmann

Die Interessenten stehen bei Twitter Schlange: Unternehmen von Microsoft bis Disney denken über einen Kauf des Zwitscherdienstes nach. Am sinnvollsten wäre so ein Milliardendeal aber wohl nur für ein einziges Unternehmen.

Die guten, alten Zeiten: Twitter ging 2013 an die Börse – heute gilt das Unternehmen als Übernahmekandidat. AFP; Files; Francois Guillot

Twitter an der Börse

Die guten, alten Zeiten: Twitter ging 2013 an die Börse – heute gilt das Unternehmen als Übernahmekandidat.

DüsseldorfWas das größte Problem von Twitter ist, lässt sich an den Schlagzeilen der vergangenen Tage festmachen. Während der Präsidentschaftsdebatte in den USA zwitschert es im Online-Dienst wie selten zuvor, aus dem Nachrichtengeschehen ist er nicht wegzudenken. Trotzdem spricht der Verwaltungsrat offenbar mit mehreren Interessenten über einen Verkauf, darunter Google-Mutter Alphabet und Disney. Das zeigt: Dem Unternehmen ist es nicht gelungen, aus seiner öffentlichen Bedeutung ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln.

Das wäre aber auch für jeden neuen Eigentümer eine große Herausforderung. Denn das Management ist chaotisch – viele Führungskräfte haben sich in den vergangenen Monaten abgesetzt, wichtige Produkte sind nicht oder nur mit Verzögerung fertig geworden. Zudem ist die Strategie nicht klar – Twitter ist bekannt als Kanal für Promis und Medienmacher, soll aber zu einer Plattform für Live-Inhalte werden. Wer dieses Unternehmen kauft, übernimmt auch eine lange To-Do-Liste. Womöglich traut sich am Ende nur Google zu, diese abzuarbeiten.

Zehn Tipps für mehr IT-Sicherheit

Geschäftsleitung involvieren

Oft beschneidet das Management aus Renditegründen das Budget. Daher: Informieren und sicherstellen, dass die Firmenlenker die Tragweite des Sicherheitsprojekts erkennen.

Bestandsanalyse durchführen

Geräte und Lösungen sowie ihre Eignung für die Abwehr von Cyberattacken katalogisieren - ebenso Rechteverwaltung, Sicherheitsbewusstsein sowie interne und externe Gefahren.

Einsatzteam aufbauen

Eine zentrale Abteilung stimmt alle sicherheitsrelevanten Punkte aufeinander ab. Silos sind wenig effizient und übersehen Sicherheitslücken. Ratsam: einen Chief Information Security Officers ernennen.

Sicherheitsstrategie entwickeln

Wie viel darf welche Sicherheitsmaßnahme kosten, welche Risiken werden in Kauf genommen? Anschließend Budget- und Personal-Szenarien entwerfen.

Budgets verhandeln

Je früher Führungskräfte in das IT-Sicherheitsprojekt eingebunden sind, desto besser können sie nötige Ausgaben nachvollziehen - und desto konstruktiver gestalten sich Verhandlungen.

Sicherheitsrichtlinien ausarbeiten

Und zwar unternehmensweit: Diese sollten auch alle notwendigen Compliance- und sonstigen gesetzgeberischen Aspekte berücksichtigen.

Systeme und Updates installieren

Nicht nur moderne Systeme und Lösungen, die es mit fortschrittlichen Attacken aufnehmen, sind essenziell - aktuelle Updates sind es ebenfalls.

Schulungen vorsehen

Auf Basis eines mittelfristigen Schulungsplans festlegen: Wer wird wie oft zu welchen Themen aus- beziehungsweise fortgebildet?

Der Geschäftsleitung berichten

Dann bleibt sie dem Sicherheitsprojekt gewogen. Eine grafische Aufbereitung der Sicherheitslogs sensibilisiert nachhaltig.

Kontrollschleife einbeziehen

Regelmäßig die Effizienz neuer Maßnahmen und Strukturen durchleuchten. Dabei neue Gefahren, Lösungen am Markt sowie Organisationsveränderungen berücksichtigen.

Quelle

Schluss mit dem Silodenken: Geht es nach den Experten von Dell, sollten Mittelständler ihre Sicherheitsstrategie im Rahmen eines abteilungsübergreifenden Projekts auf einheitliche Füße stellen - und zwar mit folgenden zehn Schritten (erschienen im Magazin creditreform 06/2016):

Twitter befindet sich in einer dauerhaften Identitätskrise. Schon in den ersten Jahren stritten die Gründer darüber, was der Zwitscherdienst sein soll, auch heute grübelt das Management über die Ausrichtung. Er ist derzeit irgendetwas zwischen Nachrichtenticker und Befindlichkeitsbarometer, Konzernchef Jack Dorsey will ihn zu einem Medium für Live-Inhalte ausbauen. Einige Matches aus Wimbledon und Spiele der Football-Liga NFL waren dort bereits zu sehen.

Es ist eine Wette, dass Twitter doch zu einem Massenmedium werden kann, wie es die Anleger nach dem Börsengang 2013 hofften. Denn während Medienmacher, Prominente und Geeks nicht auf den schnellen Nachrichtenkanal verzichten wollen, werden viele Gelegenheitsnutzer von der immer noch umständlichen Bedienung abgeschreckt. Beide Seiten zufriedenzustellen, ist schwierig: Als Dorsey darüber nachdachte, die Tweets nicht einer chronologischen Liste anzuzeigen, sondern sortiert nach Popularität, protestierten viele Intensivnutzer vehement.

Kurz gesagt: Der Konzern hat ein fundamentales Problem mit seinem Kernprodukt. Er braucht viel zu lange, um es anzugehen. Und fast jede Maßnahme droht einige der treuesten Nutzer zu vergraulen.

Kommentare (1)

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Herr carlos santos

27.09.2016, 17:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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