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11.08.2015

11:14 Uhr

Kommentar zum Konzernumbau

Die Trennung ist eine große Chance für Google

VonBritta Weddeling
Quelle:Handelsblatt Live

Googles Strukturreform steht für eine Zeitenwende im Silicon Valley. Der Internetgigant vermisst sich neu. Trotzdem sollten verrückte Ideen ein Teil des Geschäftsprinzip bleiben. Ein Kommentar.

Überraschender Konzern-Umbau

Aus Google wird Alphabet: Die Aktien schießen in die Höhe

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Seit in Palo Alto jene ersten Zeilen Code über die Rechner liefen, mit denen in den 70er Jahren der Kult um die Computer begann, treibt die Gründer in Silicon Valley eine paradoxe Angst um. Zwar gehört der „Elevator Pitch“, wie die berühmte Präsentation der eigenen Person und Idee innerhalb 60 Sekunden heißt, inzwischen zum Smalltalk. Aber eigentlich fürchtet sich die Szene vorm eigenen Erfolg.

Solange die Firma klein ist, herrscht Pioniergeist vor den Desktops und Innovation in der Entwicklerstube. Je mehr das Unternehmen wächst, desto unübersichtlicher wird die Lage. Möglicherweise erregt das eigene Treiben sogar die öffentliche Meinung.

Google kennt das Problem. Wie alle im Valley steht der Suchmaschinen-Anbieter deshalb vor der großen Frage, wie er jung und hungrig bleibt – bei einem Jahresumsatz von 66 Milliarden Dollar – und innovativ wie ein Start-up – mit mehr als 57.000 Mitarbeitern weltweit.

Britta Weddeling ist Handelsblatt-Korrespondentin im Silicon Valley PR

Die Autorin

Britta Weddeling ist Handelsblatt-Korrespondentin im Silicon Valley

Die Gründer Larry Page und Sergey Brin haben sich zu einem radikalen Schritt entschlossen. Google, für Millionen Menschen das Tor zur Online-Welt, vermisst sich neu. Die Strukturreform, die Trennung in zwei Bereiche, die größte in der 18-jährigen Konzerngeschichte, kommt genau im richtigen Moment. Sie ist ein Warnsignal an die ganze Technologiebranche. Too big to fail? Eben nicht. Die Gesetze der Old Economy lassen sich nur bedingt auf die Netzwirtschaft anwenden.

Immer wieder hat die digitale Revolution selbst die Schwergewichte einfach weg geboxt. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass IBM vor drei Jahrzehnten für den jungen Angreifer Steve Jobs von Apple geradezu unangreifbar erschien?

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Trennung als Chance – mit diesem Motto folgt Google dem Vorbild anderer Branchengrößen. Der Technologie-Konzern Hewlett-Packard will die eigene Aufspaltung bis Oktober abgeschlossen haben. Der Bezahldienst Paypal startete nach dem Abschied von Ebay mit Kursgewinnen an der Börse. Google trennt das Kerngeschäft mit Suchmaschine und Anzeigen von allem, was – überspitzt ausgedrückt – auf der „grünen Wiese“ spielt. In jüngster Zeit hatte sich Mountain View zunehmend verzettelt.

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