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05.02.2014

12:49 Uhr

Kompromiss in Sicht

Google macht Zugeständnisse an EU-Kommission

Im Streit zwischen Google und der EU zeichnet sich ein Kompromiss ab: Die Suchmaschine will Links zu alternativen Angeboten deutlich sichtbarer anzeigen. Wettbewerbskommissar Almunia zeigt sich einverstanden.

Der jahrelange Wettbewerbsstreit zwischen der EU-Kommission und dem Internet-Riesen Google steht offenbar vor einer Lösung. dpa

Der jahrelange Wettbewerbsstreit zwischen der EU-Kommission und dem Internet-Riesen Google steht offenbar vor einer Lösung.

BrüsselNach drei Jahren Streit um die Internetsuche von Google stellt die EU-Kommission eine Lösung in Aussicht. Er sei mit den neuen Zugeständnissen des US-Suchmaschinenbetreibers grundsätzlich einverstanden, teilte der zuständige EU-Kommissar Joaquín Almunia am Mittwoch in Brüssel mit. „Ich glaube, dass diese Vorschläge auf die Bedenken der EU-Kommission eingehen“, sagte Almunia. Bevor die EU-Kommission die Zusagen rechtsverbindlich machen könne, werde sie zunächst noch die Meinung von Konkurrenten einholen. Bei einer Einigung käme der Konzern um eine Strafe von bis zu fünf Milliarden Euro herum.

Die EU-Kommission wirft Google vor, bei den Suchanzeigen Wettbewerber wie Microsoft sowie Preis- oder Reisesuchmaschinen zu benachteiligen und eigene Dienste in den Vordergrund zu rücken. Google hatte auf Druck aus Brüssel mehrfach Änderungen in der Anzeige seiner Suchergebnisse angeboten.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Nun will der Konzern Links zu alternativen Angeboten künftig deutlich sichtbarer anzeigen. Den Nutzern soll unter anderem durch Beschriftung und graphische Elemente klar gemacht werden, wenn es sich bei den hervorgehobenen Spezial-Suchdiensten um Produkte von Google selbst handelt. Darüber hinaus sollen jeweils mehrere Konkurrenz-Dienste ebenfalls hervorgehoben angezeigt werden.

Google garantiert laut Almunia, beim Suchergebnis neben eigenen Spezialservices für Waren, Hotels oder Restaurants stets auch drei Konkurrenzangebote anzuzeigen. Europäische Zeitungsverleger und ihre Wirtschaftsverbände hatten den sich abzeichnenden Kompromiss bereits im Vorfeld kritisiert.

Von den Zusagen könnten Konkurrenten wie Microsoft und Yahoo profitieren, die im Geschäft mit Suchmaschinen ins Hintertreffen geraten sind. Mehrere Unternehmen hatten sich über Google beschwert, darunter die US-Online-Reiseanbieter Expedia und Trip-Advisor. Die EU hatte daraufhin Ende 2010 ein Verfahren wegen möglicher Wettbewerbsverzerrungen eröffnet.

Kommentare (3)

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bert

05.02.2014, 13:31 Uhr

Bei der aktuellen Schleichwerbung für Google koennen
die sich ein paar Zugeständnisse leisten:

Warum gibt es eine aus Zwangsgebühren finanzierte, kostenlose tagesschau App nur bei Google?
Warum gibt es die aus Steuergeldern finanziete BorisNRW App nur bei Google?
Warum gibt es die Handyticket App des MVV nur bei Google?

Die Liste läst beliebig fortsetzen.

Hat bekommt den Eindruck, nur wer Google seine Daten überlässt und die Google Nutzungsbedingungen kann noch am digitalen Leben teilnehmen.

Google_Sucks

05.02.2014, 14:04 Uhr

Wozu mit der Datenkrake Google einigen??

Besser 5 Mrd. EUR Strafe, die sollte die EU damit in die Regulierung der Datensicherheit investieren.

Bernd

05.02.2014, 18:05 Uhr

Anstatt gegen unlauteren Wettbewerb bei der Einspielung von Ergebnisse von Google in Google vorzugehen, ist die Eu-Kommission der Meinung das das gut ist und das man noch 2–3 weitere Seiten vor allen Anderen Ergebnissen bevorzugen muss und verstärkt damit auch noch den unlauteren Wettbewerb. Die Seitenbetreiber die sowieso künstlich in den Suchergebnissen abgewertet werden, haben jedoch nicht das Recht auf eine faire Gleichstellung in den Suchergebnissen – Ist das ein dummer Scherz?

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