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13.02.2014

14:03 Uhr

Konfliktfreie Metalle

Das iPhone wird ein bisschen sauberer

VonChristof Kerkmann

Kein Geld für Warlords: Apple verzichtet künftig auf Metalle aus Konfliktregionen wie Ostkongo. Der iPhone-Hersteller legt außerdem offen, wer ihn beliefert. Ein wichtiges Signal – aber noch keine endgültige Lösung.

Apple will beim iPhone und anderen Geräten auf Metalle aus Konfliktregionen verzichten. dpa

Apple will beim iPhone und anderen Geräten auf Metalle aus Konfliktregionen verzichten.

DüsseldorfWer feierlich sein neues Smartphone auspackt, denkt vermutlich nicht daran: Die Metalle im Inneren des Gerätes stammen teilweise aus Konfliktregionen wie dem Kongo – und der Käufer trägt womöglich indirekt zur Finanzierung blutiger Bürgerkriege bei. Elektronikhersteller wie Apple, Sony und Intel stehen deswegen immer wieder in der Kritik.

Darauf reagiert der iPhone-Hersteller jetzt mit einer umfangreichen Initiative: Er will künftig bei der Herstellung von Smartphones, Tablets und Computern auf Materialien aus Konfliktregionen verzichten. Das für die Produktion der Apple-Produkte wichtige Mineral Tantal stamme inzwischen nachweisbar vollständig aus konfliktfreien Quellen, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Zudem legte er sämtliche bekannte Hütten offen, die Metalle für die Produktion liefern, ähnlich wie es der PC-Hersteller Hewlett-Packard seit 2013 bereits tut.

Ein Schritt mit Signalwirkung: „Apple könnte die Dynamik auf dem Markt verstärken hin zu einer nachhaltigeren Produktion“, sagt Friedel Hütz-Adams, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim kirchennahen Forschungsinstitut Südwind. Allerdings sei auch der iPhone-Hersteller noch weit davon entfernt, ökologische und soziale Standards entlang der gesamten Produktionskette durchzusetzen. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, lautet daher sein Fazit – mehr aber noch nicht.

Die Herstellung fairer Elektronik ist so schwierig, weil die Produkte so komplex sind. In Smartphones sind beispielsweise allein bis zu 30 verschiedene Metalle verarbeitet. Gleichzeitig mangelt es bei Herstellern und Käufern am Problembewusstsein. Diverse Initiativen bemühen sich aber darum, die verschiedenen Teile der Lieferkette zu überprüfen. Hersteller wie das niederländische Unternehmen Fairphone lenken ebenfalls die Aufmerksamkeit auf die Bedingungen der Smartphone-Produktion.

Apple setzt auf Transparenz. Der US-Konzern hat eine siebenseitige Liste mit Metallhütten veröffentlicht, deren Rohstoffe in den Produkten des Konzerns zum Einsatz kommen. Demnach halten sich 59 Unternehmen an die Vorgaben des Conflict-Free Smelter Program (CFSP), weitere 23 haben zugesagt, sich einer Überprüfung zu unterziehen. Das betrifft Tantal, teils aber auch Gold und Zinn. Allerdings ist bei gut 100 Hütten noch nicht klar, ob sie die Regeln einhalten. Sie liefern Zinn, Wolfram und Gold, von denen der Hersteller nur geringe Mengen benötigt. Der iPhone-Hersteller will die Lieferanten „ermutigen“, sich an dem Programm zu beteiligen.

Kommentare (1)

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nettie

13.02.2014, 17:12 Uhr

Immerhin ein Anfang. Wurde auch höchste Zeit.
Erst durch Thematisierung der engen Verbindung von High-Tech-Geräten mit Bürgerkriegen und Gewalt - und die gleichzeitige Transparenzpflicht (also Offenlegung der gesamte Lieferkette) rückt diese ganze komplexe Problematik ins Bewusstsein, und erst damit wird eine nachhaltige und umfassende Verbesserung der Lage in den Herkunftsländern Afrikas überhaupt möglich.
Von einem wirklichen Besserung der Lebenssituation der Menschen dort kann man allerdings erst dann reden, wenn der Anteil der Produzenten und Käufer, die sich mit diesen Zusammenhängen auseinandergesetzt haben (und entsprechend handeln) eine kritische Größe erreicht hat, ab der gewährleistet ist, dass schon die Marktmechanismen (Nachfrage/Angebot) und eine geschickte Politik dafür sorgen, dass diese Anpassung an geltende Standards nicht mit einem Verlust von Arbeitsplätzen einhergehen kann.

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