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11.08.2015

02:59 Uhr

Konzern baut radikal um

Tschüss Google, hallo Alphabet

VonAxel Postinett, Britta Weddeling

Google erfindet sich neu. In einem Radikalumbau werden die riskanten Zukunftsgeschäfte ausgegliedert. Der Internetgigant selbst besinnt sich unter neuem Chef auf alte Stärken. Die Google-Gründer widmen sich ihren Ideen.

Googles neue Dachmarke

Alphabet: die Abc-Straße fürs Internet

Googles neue Dachmarke: Alphabet: die Abc-Straße fürs Internet

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San FranciscoDer Internet-Konzern, den man bisher als Google kannte, hat einen neuen Namen: Alphabet wie ABC. Dennoch darf weiter gegoogelt werden. Denn auch in der neuen Struktur bleibt Google das Kerngeschäft mit der Internet-Suchmaschine, der Videoplattform YouTube sowie dem Mobil-System Android – und der Teil, der das Geld verdient, das die anderen Buchstaben im Konzern-Alphabet ausgeben.

Die am Montag verkündete neue Struktur besteht nun aus einer Gesellschaft mit Namen Alphabet Inc. als Holding für die verschiedenen Aktivitäten Googles. Die sogenannten „Moonshots“, wie der Konzern Projekte mit hohem Investment und ungewissem Ausgang nennt, werden aus Google ausgegliedert und zu eigenständigen Unternehmen unter dem neuen Dach.

Das sind Experimente wie die Medizin-Datenbank „Calico“ oder Drohnen, aber auch das Geheimlabor „Google X“, wo an Projekten wie der Datenbrille „Google Glass“, dem selbstfahrenden Auto oder „Projekt Loon“, Internet per Ballons, geforscht wird. Die beiden Investmentarme Google Ventures und Google Capital werden ebenfalls zu unabhängigeren Häusern. Jeder Bereich soll eigene Vorstandschefs und Budgets bekommen.

Meilensteine der Google-Geschichte

1995

Mitgründer Larry Page und Sergey Brin lernen sich an der Stanford University kennen. Dort gibt der kurz vorm Abschluss stehende Brin dem Studienanfänger Page eine Campus-Tour.

1996

Das Duo beginnt mit der Arbeit an einer neuen Suchmaschine für das Internet. Die Idee zu Google wird geboren.

1998

Google wird offiziell gegründet. Erster Standort der Firma ist die Garage von Susan Wojcicki im kalifornischen Menlo Park.

1999

Page und Brin verlagern den Sitz nach Mountain View. Sie stellen den ersten firmeninternen Koch ein, der Mahlzeiten für die Mitarbeiter zubereiten soll.

2001

Eric Schmidt wird zum Geschäftsführer berufen, Page und Brin werden Präsidenten der Firmenzweige Produkte und Technologie.

2004

Wenige Monate nach Vorstellung des Email-Diensts Gmail geht Google erstmals an die Börse.

2006

Google kauft die Videoplattform YouTube für 1,6 Milliarden Dollar.

2011

Larry Page wird Geschäftsführer, Schmidt Aufsichtsratschef.

2014

Google schließt einen umstrittenen Aktien-Split ab, durch den eine neue Form von Aktien ohne Stimmrecht geschaffen wird. Damit wird Pages und Brins Einfluss als wichtigste Anteilseigner gefestigt.

2015

Page kündigt die Schaffung einer neuen Holding namens Alphabet an, in die Googles Kerngeschäft und getrennt geführte Unternehmen eingegliedert werden sollen.

Geleitet wird die neue Holding Alphabet von den Google-Gründern. Larry Page wird CEO und Sergey Brin Präsident. Ruth Porat, bislang Googles Finanzchefin, wird Finanzvorstand der Dachgesellschaft. Sundar Pichai, seit Oktober 2014 bereits der starke Mann bei Google, wird offiziell zum Vorstandschef des leicht verkleinerten Internet-Unternehmens befördert, das derzeit praktisch für den gesamten Umsatz der Holding von 66 Milliarden Dollar steht. „Es ist klar für uns und den Aufsichtsrat“, schreibt Larry Page im Unternehmensblog, „dass es Zeit für Sundar ist, CEO zu werden.“

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Selbst für Silicon-Valley-Verhältnisse ist sein Aufstieg spektakulär: Mit Ruhe und Freundlichkeit schaffte es Sundar Pichai im Rekordtempo ins Top-Management von Google. Nun wird er Chef des größten Internet-Konzerns.

Es ist ein Radikalumbau und er hat seine Berechtigung. Die Börse beobachtet die zahlreichen Investitionen Googles in Randbereiche seit Langem mit Argusaugen. Die Kosten stiegen weit stärker als der Umsatz, vor allem weil die Investitionen in Dinge wie selbstfahrende Autos oder Medizin-Start-ups sowie Roboter viel Geld verschlingen.

Erst im Mai kam die neue Finanzchefin an Bord. Sie versprach, die Kosten strikt im Auge zu behalten. Die Ankündigung führte zu einer Kursrally am Aktienmarkt, die an einem einzigen Tag ein Plus in der Börsenbewertung von 65 Milliarden Dollar brachte. Das war der größte Tageszuwachs in der Geschichte der Wall Street. Das Ereignis illustriert, wie sehr die Börse aus dem Ruder laufende Kosten fürchtet.

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