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07.04.2006

08:03 Uhr

Konzernumbau

Vodafone spielt „Quadruple Play“

VonDirk Heilmann

Der Mobilfunkanbieter Vodafone macht künftig das, was er bislang vernachlässigt hatte: Er lässt Festnetz, Mobilfunk, Fernsehen und Breitband-Internet zusammenwachsen. Denn nur mit einer Schiene, da sind sich Analysten einig, lässt sich keine Kunde mehr binden und kein Geld mehr verdienen.

Vodafones neue Struktur. Grafik: Handeslsblatt

Vodafones neue Struktur. Grafik: Handeslsblatt

LONDON. Im Zuge einer tief greifenden Umstrukturierung gab Vorstandschef Arun Sarin gestern dem Deutschen Thomas Geitner die Aufgabe, neue Produkte für das Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk zu entwickeln. Spekulationen um den Kauf von Festnetz-Telefonfirmen wies Vodafone zurück, aber die deutsche Tochter Arcor scheint wieder eine wichtige Rolle im Konzern zu spielen. Das Mobilfunkgeschäft teilte Sarin in zwei Segmente: das reife westeuropäische Geschäft und die Wachstumsmärkte.

Der Umbau gibt Hinweise auf die neue Strategie, die Sarin Ende Mai vorstellen will. Doch konkretere Angaben dazu lehnte ein Konzernsprecher gestern ab. Analysten werteten jedoch die Gründung des Konzernbereichs „Neue Geschäfte und Innovationen“ unter Geitners Leitung als klaren Hinweis darauf, dass Vodafone ernsthaft im so genannten „Quadruple Play“ mitmischen will, dem Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk, Fernsehen und Breitband auf Basis der Internet-Technik (IP).

Auf die Frage, wie Vodafone auf diesen wachsenden Trend reagiere, hatten Sarin und Geitner noch im vergangenen Herbst verwundert reagiert. Doch inzwischen haben unter anderem BT und die Deutsche Telekom Produkte vorgestellt, die das heimische Festnetztelefon und das Handy vereinen. Mit der Übernahme des Mobilfunk-Dienstleisters Virgin Mobile durch die Kabel-TV-Firma NTL Telewest entsteht in Großbritannien gerade der erste „Quadruple Play“-Anbieter. In Geitners Arbeitsbeschreibung heißt es noch etwas nebulös, er solle Vodafone neue Einnahmen erschließen, indem er das Angebot des Konzerns in Richtung Konvergenz- und IP-Dienstleistungen erweitert.

Vodafones Konzentration auf den hoch profitablen Mobilfunk war bisher der Trumpf des Konzerns. Doch Analysten wie Lars Godell von Forrester sehen heute Anbieter, die nur einen Kanal zum Kunden haben, im Nachteil gegenüber Unternehmen wie der Deutschen Telekom, die Breitband, Festnetz und Mobilfunk aus einer Hand bietet. „Vodafone braucht die Kombination mit dem Festnetz“, sagt auch Robin Hearn, Analyst der Beratungsfirma Ovum. Damit gewinnt die deutsche Festnetz-Tochter Arcor an Bedeutung. Sie findet sich in der neuen Struktur in Geitners Bereich.

Die Umstrukturierung des Konzerns ist die logische Folge der Zeitenwende, die Sarin mit dem überraschenden Verkauf der japanischen Tochter im Februar einläutete. Der Mobilfunk-Weltmarktführer gab mit dem Rückzug von seinem zweitgrößten Markt erkennbar den Anspruch auf, global vertreten zu sein.

Analysten bewerteten die Aufteilung weitgehend als sinnvoll. Die europäische Säule des Konzerns fasse die reifen Märkte zusammen, auf denen sich Vodafone vor allem auf Kostensenkungen und den Ausbau von Datendiensten konzentrieren müsse, um die gewohnten Margen zu verteidigen. Sie wird von Bill Morrow geleitet, der als Chef von Vodafone Japan die Tochter so weit saniert hat, bis sie für den Preis von zwölf Mrd. Euro zu verkaufen war.

Kaum zu erkennen ist dagegen ein grundlegender Gedanke in der zweiten Säule, in der neben dem Osteuropa-Geschäft so unterschiedliche Beteiligungen wie die 44,4 Prozent am führenden US-Mobilfunknetz Verizon Wireless und die 49 Prozent an Vodafone Fiji auf den Fidschi-Inseln gebündelt sind. „Deren Chef Paul Donovan beneide ich nicht, wenn er dies zum ersten Mal auf einer Analystenkonferenz präsentieren muss“, sagt Analyst Hearn.

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