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11.11.2015

14:15 Uhr

Kooperation mit Telekom

Microsoft will die Cloud deutsch machen

VonChristof Kerkmann, Ina Karabasz

Microsoft und die Deutsche Telekom schließen sich zusammen, um das Cloud-Computing in Deutschland voranzutreiben. Die zwei Branchenriesen bilden damit ein Schwergewicht in einem umkämpften Wachstumsbereich.

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Düsseldorf/Berlin Vertrauen ist ein wichtiger Schmierstoff. Wenn es fehlt, stottern die Geschäfte. Das wissen große Technologieanbieter wie Microsoft nur zu gut - viele Kunden in Deutschland zögern beim Cloud Computing, weil sie angesichts der NSA-Affäre und zahlreicher Datenpannen um die Sicherheit wichtiger Informationen fürchten.

Deswegen holt der Windows-Konzern nun die Ölkanne heraus: Ab dem zweiten Halbjahr 2016 bietet er in Zusammenarbeit mit der Telekom eine „deutsche Cloud“ an, wie die Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilten. Die Dienste Azure, Office 365 und CRM Online werden künftig aus zwei deutschen Rechenzentren angeboten. Die Telekom-Tochter T-Systems wird dabei als Treuhänder den Zugang überwachen.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Kosten

Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch Kosteneinsparungen.

Skalierbarkeit

Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

Einfachheit

Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

Ortsunabhängigkeit

Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

Sicherheit

Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der große Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angreifer von Hackern. Auch Geheimdienste zeigen großes Interesse. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

Abhängigkeit

Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Diese Konstruktion gewährleiste, „dass die Kundendaten in Deutschland bleiben“, sagte Microsoft-Chef Satya Nadella - das Unternehmen habe keinen Zugriff darauf. Auch wenn der Manager es so nicht sagte: Microsoft schützt Kunden vor der eigenen Regierung samt Geheimdiensten, um auch Zweifler zu überzeugen. Dafür investiert der Konzern in den nächsten Jahren eine dreistellige Millionensumme. Zumindest ein Teil der Kosten wird auf die Kunden umgelegt: Für diese Absicherung werde ein Zuschlag von durchschnittlich 25 Prozent auf den Normalpreis fällig, erklärte das Unternehmen.

Microsoft reagiert auf verbreitete Bedenken in Deutschland. 44 Prozent der hiesigen Unternehmen setzen Cloud Computing ein, weitere 24 Prozent planen oder diskutieren zumindest den Einsatz. Nach wie vor sehen aber viele Datenschutz und -sicherheit als ein Problem, wie der Cloud-Monitor des Hightech-Branchenverbandes Bitkom zeigt. Daher erwarten 83 Prozent der befragten Verantwortlichen, dass der Cloud-Anbieter seine Rechenzentren ausschließlich in Deutschland betreibt.

Inzwischen könnte die Zahl noch größer sein - erst nach der Erhebung hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) sein Safe-Harbor-Urteil gefällt, das die Datenübertragung in die USA erschwert. Auf Grundlage der Entscheidung stellen Datenschützer auch lange genutzte rechtliche Instrumente wie die EU-Standardvertragsklauseln infrage.

Was den US-Unternehmen Probleme bereitet, ist für die Deutsche Telekom eine Chance. „Die Unsicherheit nach dem Wegfall des Safe-Harbor-Abkommens wirkt sich positiv für uns aus“, sagte Anette Bronder, Leiterin der Digital Division von T-Systems dem Handelsblatt. In ihrer Einheit ist seit einigen Wochen das Cloud-Geschäft aufgehängt. „Wir können internationalen Unternehmen die Möglichkeit bieten, ihren Kunden europäischen Datenschutz zu bieten.“

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Dazu hat der Konzern in der Magdeburger Börde ein Rechenzentrum gebaut, in dem die Unternehmen ihre eigenen Server aufstellen oder Geräte mieten können. Zugriff darauf haben danach nur noch Mitarbeiter der Deutschen Telekom. Diese Konstruktion soll verhindern, dass ausländische Behörden auf die Daten zugreifen - Kunden wie Salesforce oder Cisco können sich darauf berufen, dass sie keine Kontrolle darüber haben.

Marktbeobachter halten es allerdings für möglich, dass beispielsweise US-Behörden gerichtlich gegen die Konstruktion von Microsoft und Telekom vorgehen. Um sicher zu sein, dass der Schutz halte, müsse man auf das erste Verfahren warten, erklärte Forrester-Analyst Paul Miller.

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