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22.03.2017

01:11 Uhr

Kooperation von Adobe und Microsoft

„Wer sich nicht wandelt, geht unter“

VonAxel Postinett

Unternehmen, die sich nicht rund um Kundenbedürfnisse neu erfinden, werden untergehen. Das ist die Botschaft von Adobe. Zusammen mit Microsoft will der US-Konzern Firmen beim Wandel helfen. Ein Angriff auf die Rivalen.

„Adobe Experience Cloud“ soll auf Microsofts Cloud-Plattform Azure laufen. Reuters, Sascha Rheker

Kooperation Adobe und Microsoft

„Adobe Experience Cloud“ soll auf Microsofts Cloud-Plattform Azure laufen.

San FranciscoWer sich nicht an die Kundenbedürfnisse anpasst, geht unter. Adobe-Chef Shantanu Narayen weiß genau, wovon er redet. „2008 haben wir an einem Scheideweg gestanden“, erklärte er freimütig am Dienstag vor mehreren tausend Zuhörern in Las Vegas beim Adobe Summit für digitales Marketing. Bei Kundenkonferenzen waren Adobe-Vertreter damals anwesend und die in der Werbeindustrie weit verbreiteten Produkte wie Creative Suite „liefen großartig“. Aber Adobe war „einfach nicht mehr auf dem Radar“ der großen Medienunternehmen. Die suchten immer mehr integrierte Lösungen statt getrennt gekaufte Softwarepakete für einzelne Bereiche wie Anzeigengestaltung, Fotobearbeitung oder Kampagnenbewertung.

Was folgte, so Narayen, war „eine der größten Umstrukturierungen in der Gesichte der Softwareindustrie.“ 2009 erreichte die Adobe-Aktie mit einem Preis von knapp 17 Dollar ein Zehnjahrestief. Heute ist der Konzern Marktführer bei digitaler Werbung und Marketing aus der Cloud.

Rekordumsatz: Adobe floriert dank Cloud-Geschäft

Rekordumsatz

Adobe floriert dank Cloud-Geschäft

Mehr als 20 Prozent legte Adobe im ersten Geschäftsquartal zu: Dank gut laufender Clouddienste konnte der amerikanischen Softwareriese einen Rekordumsatz verbuchen. Die Aktie stieg nachbörslich um drei Prozent.

Die Aktie steht mit 125 Dollar nahe einem Allzeithoch. Das Digitalgeschäft stellte im ersten Quartal 2017 mit 1,14 Milliarden Dollar die Mehrheit des Gesamtumsatzes von 1,68 Milliarden Dollar. Getragen wird das Geschäft von der „Creative Cloud“ für Medien- und Werbeunternehmen, der „Document Cloud“ (Datenverwaltung) sowie der neuen „Marketing Cloud“ mit 477 Millionen Dollar Quartalsumsatz.

Vor allem mit der Marketing-Sparte greift Adobe jetzt Gegner wie Salesforce, Oracle und auch Amazons Cloud-Tochter AWS an. Und dafür hat sich Narayen Verstärkung geholt. Die am Dienstag vorgestellte „Adobe Experience Cloud“, die jetzt als Schirm über die Marketing Cloud, die Datenanalyse-Cloud und die Werbe-Lösung gespannt wird, läuft auf Microsofts Cloud-Plattform Azure und wird mit den wichtigsten Microsoft-Diensten aus dem Business-Bereich wie Dynamics und Business Intelligence verbunden.

Damit wollen sich die Partner als Alternative zu AWS oder Oracles Marketing-Software in Position bringen. AWS ist das größte Zugpferd im Stall von Amazon-Gründer Jeff Bezos - mit einem Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2016. Ein Jahr zuvor waren es noch 2,4 Milliarden. Doch Microsoft hat mit Azure erfolgreich den Kampf um die großen Unternehmenskunden aufgenommen.

Cloud-Geschäft: Kampf um die Datenwolke

Cloud-Geschäft

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Das Cloud-Geschäft wächst, dieses Jahr auf über 200 Milliarden Dollar. Die großen Spieler sind US-Konzerne. Da kann nicht mal SAP mithalten. Die Walldorfer wollen dennoch zum Zug kommen – mit einer anderen Strategie.

Microsoft-CEO Satya Nadella will 2018 die Umsatzmarke von 20 Milliarden Dollar in der Cloud überschreiten. Es gilt heute die Kunden zu gewinnen, der Markt ist „red hot“, wächst dramatisch. Nach Berechnungen der Marktbeobachter von Canalys ist der globale Markt allein für Cloud-Infrastrukturen wie Rechenleistung und Basisdienste im vierten Quartal um 49 Prozent zum Vorjahresquartal auf 10,3 Milliarden Dollar angewachsen. AWS beherrscht 33,8 Prozent des Weltmarktes, die drei Nachzügler Microsoft, Google und IBM kommen zusammen auf 30 Prozent. Spätstarter Oracle kommt auf 1,7 Prozent.

Wie dramatisch die Auswirkungen der Neuorientierung eines gesamten Unternehmens auf die Kundenbedürfnisse sein können, sollte in Las Vegas die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile US, zeigen. Der lange erfolglose Mobilfunkanbieter steckte ab 2012 sein gesamtes Geld in den Netzausbau und den kompletten Umbau des Geschäftsmodells. „Wir haben uns vor vier Jahren eine dämliche, arrogante und völlig abgehobene Branche vorgenommen“, die „jegliche Verbindung zu ihren Kunden verloren hatte“, so Nicholas Drake, Vizepräsident für Digitalentwicklung bei T-Mobile US. Wichtige Schritte, um diese Industrie bis ins Mark zu erschüttern, seien eine Neuorganisation der Betriebsstruktur rund um die Bedürfnisse der Kunden herum und der konsequente Einsatz digitaler Techniken gewesen.

Trends der Cebit: Die Computer heben ab

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Wie sieht die Wirtschaft der Zukunft aus? Die Cebit soll einen Blick in die Kristallkugel erlauben: Die Technologiemesse will die Digitalisierung anfassbar machen – beispielsweise in Form von Robotern und Drohnen.

Ein absoluter Renner sei dabei der „T-Mobile-Tuesday“, der T-Mobile-Dienstag, gewesen. „Keine komplizierten Loyalitätsprogramme, Sammelpunkte, Einlösevorschriften, Wartezeiten, Beschränkungen“, so Drake. Jeden Dienstag gibt es ganz einfach über die T-Mobile-App einen freien Kaffee von Dunkin‘ Donuts oder eine Pizza oder Kinokarten oder ähnliches. Die Webseite T-Mobile.com wurde komplett überarbeitet und die Zahl der Klicks bis zu einem Kauf um 60 Prozent reduziert. Statt bis zu 200 undurchschaubaren Mobilfunkplänen gibt es nur noch einen einzigen: unbegrenztes Telefonieren, SMS-Service und Datenvolumen fürs Internet (in den USA).

Der Einsatz der Adobe-Cloud, der Software im Internet, sei ein zentraler Punkt für die Kundenorientierung gewesen. Was sonst „Tage oder Wochen“ gedauert hätte, passiert jetzt in Minuten. Die Kunden sehen auf ihrem Smartphone eine völlig auf sie zugeschnittene Web-App. Der Lohn: eine Steigerung von 32 Millionen Kunden im Jahr 2012 auf 73 Millionen 2016.

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