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01.08.2016

16:48 Uhr

Korruption

Chinesischer Zulieferer besticht Telekom-Mitarbeiter

VonIna Karabasz

Ein Mitarbeiter einer Telekom-Tochter hat Geschäftsgeheimnisse an den chinesischen Zulieferer ZTE verkauft. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall – doch die Verdächtigen sind längst weg.

Ein Mitarbeiter soll Geld eines Zulieferers angenommen haben. Reuters

Deutsche Telekom

Ein Mitarbeiter soll Geld eines Zulieferers angenommen haben.

DüsseldorfAnfang September vergangenen Jahres: Die Deutsche Telekom bekommt über ihr Hinweisgeberportal „Tell me!“ eine anonyme Nachricht. Darin wird ein Mitarbeiter von „Buyin“ beschuldigt, Geld eines Zulieferers angenommen zu haben. „Buyin“ ist eine Einkaufskooperation, die die Telekom gemeinsam mit dem französischen Telekommunikationsanbieter Orange betreibt. Zusammen verhandeln sie mit Technikzulieferern über Preise und Konditionen. Der Zulieferermarkt ist hart umkämpft, seit der chinesische Huawei-Konzern sich in kürzester Zeit als einer der gefragtesten Anbieter in Europa etabliert hat. Auch der Zusammenschluss von Alcatel-Lucent und Nokia ist Folge des harten Wettbewerbs.

Zwei Mitarbeiter des chinesischen Anbieters ZTE sollen nun versucht haben, sich einen Vorteil zu verschaffen, indem sie einem Mitarbeiter von Buyin mehr als 150.000 Euro für Geschäftsgeheimnisse bezahlt haben. Die Telekom bestätigte einen Artikel der „Rheinischen Post“, die zuerst über den Fall berichtet hatte. Buyin habe sich von dem Mitarbeiter getrennt und Anzeige erstattet, erklärte das Unternehmen.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Bis es soweit war, dauerte es allerdings: Erst im Februar dieses Jahres soll der Mitarbeiter zugegeben haben, Geld angenommen zu haben. Vorher sei die Sachlage zu unkonkret für eine Anklage gewesen, erklärte ein Telekom-Sprecher. Der Hinweisgeber habe unbedingt anonym bleiben wollen. Es habe Treffen in- und außerhalb Europas mit Rechtsanwälten gegeben, die zur Wahrung der Anonymität des Hinweisgebers verpflichtet seien.

Nun warten sie in Bonn auf das weitere Vorgehen der Staatsanwaltschaft - und eine Reaktion von ZTE. Laut „Rheinischer Post“ wurden Büros des Zulieferers in Bonn durchsucht. Da waren die Verdächtigen aber längst weg und ihre Arbeitsplätze angeblich auffällig gut aufgeräumt. Wo sie sich derzeit aufhalten, ist wohl unklar.

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Verizon kauft Yahoo – das ist kein gutes Zeichen für T-Mobile USA. Die originellen Aktionen des Chefs waren im Endeffekt nur Preissenkungen. Und nicht nachhaltig. Es ist Zeit für eine Trennung. Eine Analyse.

Bei der Telekom ist die Tonlage in dem Fall deutlich. ZTE sei für den Konzern „kein bedeutender Lieferant“, erklärte der Sprecher. „Von dem Zulieferer erwarten wir eine vollständige Aufklärung des Sachverhaltes sowie Transparenz gegenüber den Ermittlungsbehörden und uns als betroffenem Kunden – und das mit Hilfe einer qualifizierten internationalen Kanzlei.“

Wie die „Rheinische Post“ berichtet, ist die Konzernzentrale von ZTE erst durch den Bericht der Zeitung auf den Fall aufmerksam geworden und werde nun versuchen, ihn gemeinsam mit der Telekom zu klären. Derweil soll ZTE Deutschland erklärt haben, von den Durchsuchungen und den Vorwürfen gewusst zu haben.

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