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13.08.2013

14:52 Uhr

Kriselnder Fernsehbauer

Seehofer sichert Loewe Staatshilfe zu

Dem angeschlagenen Multimedia-Hersteller Loewe sagt Bayerns Ministerpräsident finanzielle Unterstützung zu. Die Landesregierung hofft auf ein zukunftsfähiges Konzept – und auf den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Kurz vor Schluss: Der Multimedia-Hersteller Loewe hat im Juli Gläubigerschutz beantragt. dpa

Kurz vor Schluss: Der Multimedia-Hersteller Loewe hat im Juli Gläubigerschutz beantragt.

MünchenBayern hat dem schwer angeschlagenen Fernseherbauer Loewe Finanzhilfen in Aussicht gestellt. „Die bayerische Staatsregierung ist bereit, ein zukunftsfähiges Konzept mit einem neuen Investor über eine Staatsbürgschaft zu unterstützen“, sagte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Dienstag in Kronach. Dort waren zuvor Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und Finanzminister Markus Söder (CSU) mit dem Loewe-Vorstand zusammengekommen. Die Bewältigung von Altlasten soll allerdings allein Sache des Unternehmens bleiben.

Loewe hat im Juli Gläubigerschutz beantragt und sucht in seinem Überlebenskampf händeringend nach einem Geldgeber. Kürzlich präsentierten die Frankenwälder die chinesische Hisense als neuen Partner. Geld wollen die Asiaten aber nicht lockermachen. Sollte sich bis Mitte Oktober kein Investor gefunden haben, ist das Traditionsunternehmen ruiniert. Ein Firmensprecher begrüßte das Signal der Politik. Gemeinsam mit Regierung und Banken werde Loewe eine Lösung für seine Existenzprobleme finden. Das Unternehmen sei zuversichtlich, die Finanzierung bis zum Einstieg eines Investors zu stemmen.

Welche deutschen TV-Traditionsmarken verschwunden sind

Loewe

Das Traditionsunternehmen aus dem oberfränkischen Kronach positioniert sich im Premiumsegment. Doch die Nachfrage ist eingebrochen, auch wenn die Marke stark ist. Im Juli 2013 beantragte die Firma Gläubigerschutz.

Metz

Seit über 70 Jahren entwickelt und fertigt das Unternehmen Flachbildfernseher und Fotoblitzgeräte am Standort Zirndorf bei Nürnberg. Die Produkte werden über Fachhändler vertrieben. Um nicht nur von der Unterhaltungselektronik abhängig zu sein, ist Metz auch in der Kunststofftechnik tätig.

Grundig

Die Fernseher von Grundig galten lange als Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. Doch das Familienunternehmen unterschätzte die Konkurrenz. Nach starken Umsatzeinbußen gepaart mit Verlusten musste die Traditionsfirma 2003 Insolvenz anmelden. Grundig ging später an ausländische Käufer.

Nordmende

Bereits in den 30er-Jahren stieg das Bremer Unternehmen zu einem der führenden deutschen Rundfunkgerätehersteller auf. Später produzierte Nordmende auch Fernseher, Tonbandgeräte und Plattenspieler. Einige Zeit nach dem Verkauf des Unternehmens an den französischen Thomson-Brandt-Konzern wurde die Marke Nordmende aufgegeben.

Telefunken

Der Spezialist für Funk- und Nachrichtentechnik hat in den Jahren seiner Geschäftstätigkeit viele wichtige Patente angemeldet. Gleichwohl hat das Unternehmen in den 80er-Jahren wichtige internationale Entwicklungen verpasst, sodass von dem Unternehmen nur noch die Verwaltung des Markennamens übrig blieb.

Saba

Die Schwarzwälder-Apparate-Bau-Anstalt, kurz Saba, war ein Rundfunkgerätehersteller mit langer Tradition. Zuletzt war das Unternehmen Bestandteil eines chinesisch-französischen Joint Ventures. 2007 meldete Saba Insolvenz an.

Schneider Rundfunkwerke

Der schwäbische Hersteller von Unterhaltungselektronik fertigte einst Musik-Kompaktanlagen, TV-Geräte und sogar Computer. 2002 rutschte Schneider aber in die Insolvenz. Im Zuge dessen wurden die Markenrechte und Produktionsanlagen an den chinesischen TCL-Konzern veräußert.

Für die strukturschwache Region im Nordosten Frankens wäre ein Loewe-Kollaps ein harter Schlag. Loewe beschäftigt dort noch knapp 800 Mitarbeiter und ist einer der wenigen großen Arbeitgeber in der Gegend. Das Verschwinden der Textil- und Porzellanindustrie hat Oberfranken seit der Wende bereits schwer zugesetzt. Während der Großraum München ungebrochen boomt, sind die Landstriche zwischen Coburg, Hof und Wunsiedel von Abwanderung und Überalterung geplagt. Wenige Wochen vor den Land- und Bundestagswahlen gibt sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer fürsorglich. „In Bayern wird keine Region im Stich gelassen“, erklärte er.

Kommentare (11)

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Wahlkampfhasser

13.08.2013, 14:46 Uhr

Mir tun Mitarbeiter wirklich leid, wenn ein Unternehmen insolvent wird. Aber eine Branche mit der hierzulande
kein Geld verdient werden kann auch noch mit Steuergeldern zu unterstützen...Naja, ist Wahlkampf.

Frankje

13.08.2013, 14:55 Uhr

Hallo...........?! METZ ist noch nicht verschwunden
Wir bitten um richtigen INFO !

Republikaner

13.08.2013, 15:12 Uhr

Normalerweise bin ich auch für Marktwirtschaft und gegen staatliche Eingriffe. Nachdem es sich hier um den letzten Bildschirm- und Fernsehhersteller handelt, bin ich für Subvention. Man darf nicht alles Chinesen und Südkoreanern opfern. Wir haben schon zuviele Industrien verloren! Wenn wir nicht auf das Niveau einer Blechbiegernation zurückfallen wollen, ist Unterstützung angesagt. Hinterher so etwas wieder anzusiedeln kostet wesentlich mehr Geld.
Was macht eigentlich der französische Staat mit seiner Automobilindustrie? Genau das Gleiche!

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