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25.02.2014

16:55 Uhr

Kriselnder Smartphone-Hersteller

Erste von Foxconn gefertigte Blackberry-Smartphones vorgestellt

Smartphone-Hersteller Blackberry hat auf der Mobilfunkmesse in Barcelona seine beiden ersten vom taiwanischen Hersteller Foxconn gefertigten Geräte präsentiert. Chef John Chen verkündete: „Wir sind hier, um zu kämpfen.“

Trotz Krisenzeiten für das Unternehmen sei Blackberry immer noch die Nummer eins in Sachen Sicherheit. dpa

Trotz Krisenzeiten für das Unternehmen sei Blackberry immer noch die Nummer eins in Sachen Sicherheit.

BarcelonaDer kriselnde Smartphone-Hersteller Blackberry aus Kanada hat auf der Mobilfunkmesse in Barcelona seine beiden ersten vom taiwanischen Hersteller Foxconn gefertigten Geräte präsentiert. Das Q20, wie seine Vorgänger mit Tastatur, werde vor Ende des Jahres zu kaufen sein, sagte Blackberry-Chef John Chen am Dienstag. Das Z3 mit Touchscreen werde ab April zunächst in Indonesien verkauft, der Preis werde unter 200 Dollar (146 Euro) liegen.

„Wir sind hier, um zu kämpfen und verlorenes Terrain zurückzuerobern“, sagte Chen in Barcelona. „Unsere Strategie ist, sich auf die Unternehmen als Kunden zu konzentrieren.“ Blackberry sei noch immer als die Nummer eins in Sachen Sicherheit bekannt.

Blackberry hatte Ende Dezember einen Rekordverlust von umgerechnet 3,2 Milliarden Euro für das dritte Quartal vermelden müssen. Das Minus war viermal so hoch wie im Vorquartal. Bei Bekanntgabe dieser Zahlen hatte der kanadische Konzern die fünfjährige Zusammenarbeit mit Foxconn angekündigt, das auch im Auftrag von Apple Smartphones baut.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Früher waren die Geräte von Blackberry tatsächlich vor allem bei Geschäftsleuten beliebt. Seit dem Start des iPhones von Apple und des Google-Betriebssystems Android liefen dem Smartphone-Pionier aber die Kunden davon. Das Unternehmen verpasste vor allem den Siegeszug der neuen Handygeneration mit Touchscreens. Die neuen Geräte mit berührungsempfindlichem Bildschirm und dem neuen eigenen Betriebssystem Blackberry 10 verkaufen sich allerdings nicht sonderlich gut.

Von

afp

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