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26.03.2014

16:08 Uhr

Kritik am Oculus-Deal

„Mich gruselt es vor Facebook“

VonJonas Jansen

Für zwei Milliarden Dollar hat Facebook den Videobrillen-Hersteller Oculus gekauft. Finanziert wurde Oculus von vielen kleinen Investoren. Sie sind sauer über den Verkauf. Auch mögliche Geschäftspartner wenden sich ab.

Die Kickstarter-Kampagne für das Oculus Rift. Screenshot: Kickstarter.com

Die Kickstarter-Kampagne für das Oculus Rift. Screenshot: Kickstarter.com

DüsseldorfGrant Wilkinson fühlt sich betrogen. Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, wo viele Geldgeber gemeinsam Projekte finanzieren können, war er einer der Sponsoren für die virtuelle Brille „Oculus Rift“. Sein Geld hätte er nun am liebsten wieder. Denn Oculus, die Firma hinter der Videobrille, wird für mehr als zwei Milliarden Dollar an Facebook verkauft - ein Verrat an dem Versprechen einer „Spieleerfahrung der Zukunft“, findet Wilkinson.

Auch viele der anderen 9521 Investoren, mit deren Hilfe die Spielefirma insgesamt über zwei Millionen Dollar für ihr Produkt einsammelte, sind nicht erfreut über den Deal.

Zu groß ist die Angst davor, dass Mark Zuckerberg die Brille nicht für neuartige Spiele, sondern für Facebook-Marketing-Zwecke benutzt. Hinzu kommt die Frage, wie der plötzliche Verkauf zu der vorigen Strategie passt, sich über den Schwarm finanzieren zu lassen. Für den Entwickler Palmer Luckey war es auf jeden Fall ein lohnendes Geschäft. Facebook zahlt für Oculus VR 400 Millionen Dollar in bar und etwa 1,6 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Hinzu kommen später bis zu 300 Millionen Dollar, wenn bestimmte Ziele erreicht werden.

Facebook-Chef Zuckerberg begründet den Kauf auf seiner eigenen Facebook-Seite: „Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform aller Zeiten zu erschaffen und damit die Art und Weise zu verändern, wie wir arbeiten, spielen und kommunizieren.“ So richtig glauben wollen das aber nur wenige der Investoren und Fans der Videobrille. Und vermuten, dass ihr Lieblingsprojekt bald mit Werbung zugepflastert werden könnte.

Palmer Luckey rechtfertigt sich derweil auf einer vielgenutzten Oculus-Diskussionsseite der Internetplattform Reddit für seine Verkaufsentscheidung. Der Deal habe einige Vorteile, sagt Luckey: „Wir können jetzt jeden einstellen, den wir brauchen“, schreibt er dort. Und dank Facebook nun auch große Investitionen tätigen. Der Entwickler versucht, die Angst der Nutzer vor Facebooks Datensammelwut zu zerstreuen. Man werde nie einen Account bei dem sozialen Netzwerk brauchen, um die Brille zu benutzen, verspricht er. Außerdem habe er nun viel mehr Freiheit als vorher. Facebook plane nämlich langfristig und sei nicht auf schnellen Gewinn aus. Viele Kritiker im Netz finden das jedoch nur wenig glaubwürdig.

Selbst mögliche Geschäftspartner wenden sich jetzt von Oculus ab. So twitterte der Entwickler des populären Videospiels „Minecraft“, dass er die Verhandlungen über eine Oculus-Rift-Variante seines Spiels abbrechen werde. „Mich gruselt es vor Facebook.“

Ohnehin hat der Verkaufsdeal bei Twitter und Facebook für Erheiterung gesorgt. So zeigte sich, dass ein Reddit-Nutzer bereits vor einem Monat einen guten Riecher hatte. Er berichtete davon, dass Mark Zuckerberg im Aufzug bei Oculus gesichtet wurde. Damals nahm ihn keiner ernst. Jetzt wird der anonyme Nutzer für seinen Spürsinn bejubelt. Doch auch dort überwiegt der Ärger über den Verkauf. Als prophetisch zeigten sich auch die Macher des Cartoons „Die Simpsons“, die das Facebook-Spiel Farmville schon früh in einer „realistischen Variante“ zeigten:

Auch andere sahen ein „Facebook for your face“ bereits vor einiger Zeit kommen. Und machten sich über eine mögliche Nutzung lustig, wie dieser Cartoon von „The Oatmeal“ zeigt. Dass die kreativen Köpfe im Netz oft nur wenige Stunden brauchen, um große Wirtschaftsdeals auf eine Meta-Ebene zu heben, beweist dieser Nutzer. Er sieht schon kommen, dass Myspace jetzt einen Mitbewerber kauft, um im Kampf um die Social-Network-Hoheit nicht den Anschluss zu verlieren.

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