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02.04.2013

14:23 Uhr

Kritisierte Garantien

Apple bittet chinesische Kunden um Verzeihung

In China stand der iPhone-Konzern zuletzt heftig in der Kritik. Der Grund: Die Garantieleistungen in der Volksrepublik sollen schlechter sein als in anderen Ländern. Nun entschuldigte sich Apple dort bei seinen Kunden.

Schaufenster eines Apple Stores in Shanghai: Der Konzern entschuldigte sich bei seinen Kunden. ap

Schaufenster eines Apple Stores in Shanghai: Der Konzern entschuldigte sich bei seinen Kunden.

Peking/San FranciscoApple hat sich bei den Kunden in China wegen der als unfair kritisierten Garantieleistungen entschuldigt und Änderungen angekündigt. In einem auf der chinesischen Internetseite des Technologie-Konzerns veröffentlichten Brief von Firmenchef Tim Cook hieß es, die Gewährleistungsansprüche würden überarbeitet. "Wegen mangelhafter Kommunikation nach außen empfinden einige Apples Haltung hinsichtlich des Kunden-Feedbacks als arrogant, nachlässig und gleichgültig."

Der iPhone- und iPad-Konzern steht seit zwei Wochen vor allem bei den staatlich kontrollierten Medien in China heftig in der Kritik. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, dass er Kunden in der Volksrepublik schlechtere Garantieleistungen bietet als Verbrauchern in anderen Ländern. Die Entschuldigung spiegelt das Gewicht wider, dass die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft für Apple mittlerweile hat. Allein im ersten Geschäftsquartal setzte der Smartphone- und Tablet-Anbieter dort 7,3 Milliarden Dollar um - ein Plus von 60 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Vor allem die wachsende Mittelklasse reißt den Amerikanern die Produkte aus den Händen.

Die wichtigsten Akteure bei Apple

Tim Cook

Apple-Gründer Steve Jobs holte den Computermanager Tim Cook 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs’ kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Ein revolutionäres Produkt wie das iPhone hat er bislang aber nicht vorstellen können.

Jony Ive

Der britische Designer Jonathan „Jony“ Ive stieß schon Anfang der 90er-Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. In seiner aktuellen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten wie auch der Software kommt er dieser Führungsrolle nahe.

Eddy Cue

Der Manager ist „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Er soll auch die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüsselbereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.

Phil Schiller

Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Firmenchef Tim Cook tritt bei Produktvorstellungen meist in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.

Die Medien, die den Konzern zuletzt besonders scharf kritisierten, zollten ihm nun Respekt. "Der Entschuldigungsbrief hat die Lage entschärft und lockert das Verhältnis zwischen Apple und dem chinesischen Markt auf", schrieb beispielsweise das Massenblatt "Global Times", das vom KP-Zentralorgan "People's Daily" veröffentlich wird, am Dienstag. "Die Reaktion verdient im Vergleich zu anderen amerikanischen Firmen Respekt." Auch das Außenministerium begrüßte das "gewissenhafte" Eingehen auf die Bedürfnisse der Verbraucher.

Es nicht das erste Mal, dass ein westliches Unternehmen in China medial in die Mangel genommen wurde. Erst im Januar hatte sich die KFC-Mutter Yum für verunreinigte Lebensmittel entschuldigt. Auch Wal-Mart und Gucci standen schon in der Kritik.

Ganz aus der Schusslinie wird Apple nach Ansicht von Analysten aber wohl nie geraten: je größer die Marke, desto größer ist in China auch die Angriffsfläche. Für Apple werde es in China nie ohne Reibereien ablaufen, sagte Michael Clendenin von der Technologieberatungsfirma RedTech. "Sie sind aus dem Gröbsten raus, aber noch nicht im Trockenen."

Von

rtr

Kommentare (1)

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Schwarzfahrer

02.04.2013, 18:16 Uhr

Nur die dummen Deutschen lassen sich mal wieder alles bieten.... Anderes Beispiel: Wie wahrscheinlich ist es, dass VW sich beim deutschen Verbraucher für zwei Jahre Garantie entschuldigt - in China gibt der Hersteller 10 (in Worten: zehn) Jahre.

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