Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.10.2017

17:13 Uhr

Künstliche Intelligenz

Microsoft sieht Potenzial für Behinderte

Wie kann man den Menschen die Angst vor künstlicher Intelligenz nehmen? Für Microsoft scheint die Antwort klar: Konkrete Anwendungsgebiete aufzeigen. Zum Beispiel die Unterstützung von Menschen mit Behinderung.

Künstliche Intelligenz könnte einen maßgeblichen Beitrag für Menschen mit Behinderung beisteuern. AP

Microsoft

Künstliche Intelligenz könnte einen maßgeblichen Beitrag für Menschen mit Behinderung beisteuern.

BerlinFür die gesellschaftliche Akzeptanz von künstlicher Intelligenz (KI) sind nach Einschätzung von Microsoft vor allem konkrete Anwendungsszenarien und transparente Ziele von Bedeutung. Eine repräsentative Studie habe ergeben, dass nur gut ein Viertel der Menschen in Deutschland glauben, dass KI-Anwendungen sich positiv auf unsere Gesellschaft auswirken, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Dass sie einen maßgeblichen Beitrag für Menschen mit Behinderung beisteuern könnten, glauben hingegen 89 Prozent der Befragten.

„Das zeigt, wie wichtig es ist, künstliche Intelligenz nicht im stillen Kämmerlein zu entwickeln“, sagte Microsoft-Managerin Astrid Aupperle. In Berlin diskutierte das Software-Unternehmen am Donnerstag darüber, wie die Technologien zum Beispiel Menschen mit Behinderungen ganz erheblich die Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben erleichtern kann.

Von barrierefreier Technologie könnten weltweit mehr als eine Milliarde Menschen profitieren, sagte Thomas Langkabel von Microsoft Deutschland. Das Software-Unternehmen wolle künftig bei der Entwicklung von Produktivitätswerkzeugen generell die Barrierefreiheit von Beginn an mit berücksichtigen.

Lexikon der Künstlichen Intelligenz

Schwer definierbarer Begriff

Die wissenschaftliche Disziplin Künstliche Intelligenz (KI) begründete der Forscher John McCarthy. Er lud 1955 zu einer Konferenz an der Darthmouth-Universität in New Hampshire ein, um über Maschinen zu diskutieren, die „Ziele in der Welt erreichen können“. Die Definition ist allerdings bis heute umstritten – schon weil Intelligenz an sich schwer abgrenzbar ist.

Starke KI

Unser Bild von Künstlicher Intelligenz wird geprägt von Filmen wie „Terminator“ oder „Her“, in denen Elektronenhirne ein Bewusstsein haben und selbständig agieren – Experten sprechen von starker KI. Die Technik ist bislang weit von solchen Visionen entfernt, verbreitet aber Angst und Schrecken. Was, wenn die Maschinen schlauer werden als die Menschen und sich über sie erheben?

Schwache KI

In der Realität zu finden ist derzeit lediglich schwache KI. Dabei handelt es sich um Systeme, die einzelne Fähigkeiten des Menschen abbilden, etwa die Spracherkennung oder Herstellung von inhaltlichen Zusammenhängen. Sie wären jedoch nicht in der Lage, die Ergebnisse zu verstehen oder inhaltlich zu diskutieren.

Maschinelles Lernen

Die derzeit erfolgreichste Spezialdisziplin der KI ist das maschinelle Lernen. Dabei leitet der Computer aus Daten weitgehend selbständig Muster und Erkenntnisse ab. Zum Einsatz kommt die Technologie etwa bei der Sprach- und Objekterkennung – und damit an vielen Stellen, von digitalen Assistenten auf dem Smartphone bis zum autonomen Fahrzeug.

Neuronale Netze

Beim maschinellen Lernen verwenden Forscher und Entwickler häufig künstliche neuronale Netze, die das Gehirn als Vorbild nehmen. Die Methode ist davon inspiriert, dass es im Denkorgan viele Verbindungen und Schichten gibt, die Informationen verarbeiten. Der Computer simuliert diese Struktur. Mit dem menschlichen Denken hat das nur entfernt zu tun: Es handelt sich um komplexe statistische Modelle.

Deep Learning

Als Deep Learning bezeichnen Experten eine Methode des maschinellen Lernens. Dabei kommen neuronale Netze mit vielen Schichten zum Einsatz – so entsteht die namensgebende Tiefe. Die Technologie ist vielversprechend und kommt bereits auf breiter Basis zum Einsatz. Damit sie funktioniert, sind jedoch große Datenmengen nötig, sie dienen als Trainingsmaterial fürs künstliche Gehirn.

Als Beispiel, wie künstliche Intelligenz etwa Blinden helfen kann, sich frei an öffentlichen Orten zu bewegen, verwies das Unternehmen auf die Anwendung „Seeing AI“. Die App teilt dem Nutzer per Sprache mit, was konkret in der Umgebung zu sehen ist. Auch intelligente Lösungen wie die „Emma Watch“ könne vielen Menschen große Erleichterung im Alltag eröffnen. Das Armband wurde von Microsoft-Entwicklerin Haiyan Zhang für die Grafik-Designerin Emma Lawton entwickelt, die an Parkinson erkrankt ist. Es steuert dem durch die Krankheit ausgelösten Zittern der Hand so entgegen, dass die Trägerin wieder mit einem Stift zeichnen kann.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×