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12.06.2012

07:20 Uhr

Kult-Konzern

Wie lange läuft der Apple-Motor noch?

VonStephan Dörner

Apple hält die Konkurrenz mit einem neuen Notebook mit Super-HD-Display auf Abstand – die Apple-Maschine läuft rund. Doch das Unternehmen zehrt noch immer von Steve Jobs' Ideen. Der Konzern hat eine Achillesferse.

Lisa Brack

"Apple lässt die Muskeln spielen"

Lisa Brack: "Apple lässt die Muskeln spielen"

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DüsseldorfIm Moscone Center in San Francisco wirkte Tim Cook, als seien ihm die großen Schuhe von Steve Jobs nicht zu groß. Souverän präsentierte der Apple-Chef am Montagmorgen (Ortszeit) lange erwartete Neuheiten. Das Highlight: Das erste Ultrabook mit einer Retina-Auflösung von 2880 mal 1800 Pixeln. Die Bildpunkte des Bildschirms rücken damit so dicht aneinander, dass das menschliche Auge sie bei einem üblichen Betrachtungsabstand nicht mehr unterscheiden kann.

Apple hält die Konkurrenz damit auch im Notebook-Bereich auf Abstand, die dem Konzern gerade mit der neuen Klasse der Ultrabooks nacheifert. Ein Notebook-Display in Retina-Auflösung ist derzeit einzigartig.

An diesem Morgen in San Francisco wird deutlich: Der Apple-Motor läuft – und zwar besser als je zuvor. Seit Steve Jobs Tod im Oktober 2011 hat der Aktienkurs rund 50 Prozent zugelegt – von einem schon damals historisch hohen Kursniveau. Und dabei ist Apple nicht einmal besonders optimistisch bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei etwa zwölf – für einen Technologiewert sehr konservativ.  Zum Vergleich: Amazon besitzt ein KGV von 177. Die Werte im Dax sind im Schnitt mit einem KGV von etwa zehn bewertet – also nur etwas konservativer als die Apple-Aktie.

Entwicklermesse: Apples Fernsehshow bleibt aus

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Die Hoffnungen auf einen Fernseher von Apple waren groß. Aber den hatte Konzernchef Tim Cook in San Francisco nicht dabei - stattdessen aber ein besonders dünnes MacBook und eine schlechte Nachricht für Google.

Der aktuelle Kurs ist also durch die enormen Gewinne von Apple gerechtfertigt, die der Konzern von Jahr zu Jahr weit über den Erwartungen der Analysten steigern konnte. Viel Luft nach oben sahen die Anleger selten – und wurden eins ums andere Mal überrascht. Entsprechend sank der Kurs meist mit der Präsentation von Produkten, um dann wieder sprunghaft anzusteigen, wenn die neuesten Quartalszahlen auf den Tisch kamen.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Offenbar hat das Unternehmen auch nach dem Tod von Apple-Übervater Steve Jobs nicht an Glanz verloren. Die Marke gehört zu den wertvollsten der Welt und das iPhone ist ein größerer Kassenschlager als je zuvor. Im Bereich der margenträchtigen Luxus-Smartphones kann derzeit überhaupt nur Samsung noch einigermaßen mithalten. Beide Konzerne teilen sich etwa 90 Prozent der Gewinne auf dem Smartphone-Markt.

Kommentare (9)

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12.06.2012, 07:52 Uhr

Die große Kunst sind nicht die Produkte Apples, sondern die Fähigkeit in den Medien immer kostenlose Poblisity für diese Produkte zu bekommen. Apple macht irgendwo in USA eine kleine Show und die ganze internationale Presse tagelang berichtet darüber. HB ist keine Ausnahme!

cs42

12.06.2012, 08:22 Uhr

Es stimmt übrigens nicht, dass im Handy-Bereich niemand an die "Retina"-Auflösung aufgeschlossen hätte. Die meisten anderen Smartphonehersteller haben bei ihren Top-Modellen zu Apple aufgeschlossen oder sogar überholt (für eine Übersicht siehe http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_displays_by_pixel_density). Apple hatten, wie so oft, zuerst ein Display mit einer solchen Pixeldichte, aber man muss nun nicht mehr die Fehlinformation streuen, dass das immer noch so wäre...

Account gelöscht!

12.06.2012, 08:25 Uhr

@ Neptun: Was ist denn Poblisity?

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