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11.03.2013

15:05 Uhr

Kurioses Verbot

Die Google-Brille muss draußen bleiben

Die Datenbrille von Google stößt eine neue Datenschutz-Diskussion an – kann man damit doch seine Umwelt heimlich filmen und fotografieren. Ein Café hat das Hightech-Gerät bereits medienwirksam aus seinen Räumen verbannt.

Filmen, ohne dass es jemand mitbekommt: Die Datenbrille von Google wirft Fragen auf. dapd

Filmen, ohne dass es jemand mitbekommt: Die Datenbrille von Google wirft Fragen auf.

SeattleDie Google-Datenbrille ist noch Zukunftsmusik – doch im „The 5 Point Café“ in Seattle ist sie bereits verboten. Das Lokal, in dem man rund um die Uhr ein warmes Frühstück oder einen großen Burger bekommt, verkündete auf seiner Facebook-Seite vorausschauend, dass Gäste mit Mini-Computer auf der Nase ausdrücklich nicht willkommen seien.

Das Versprechen, Regelverletzern in den Hintern zu treten, machte das kleine Restaurant auf einen Schlag weltberühmt. Dabei könnte die erste Gelegenheit, das Verbot anzuwenden, noch weit entfernt sein. Der Internet-Konzern Google ist gerade erst dabei, erste Exemplare seiner Datenbrille „Google Glass“ unter Test-Nutzern zu verteilen. Die Auserwählten müssen dafür 1500 Dollar lockermachen.

Hinter dem durchsichtigen PR-Gag der „5 Point“-Betreiber steckt aber ein ernsthaftes Problem. Auf die Gesellschaft kommen mit Geräten wie Googles Wunderbrille neue Datenschutz-Fragen zu. Schon jetzt kann man dank weit verbreiteter Smartphones und Kamera-Handys überall auf einem Foto oder Video und damit binnen Sekunden im Internet landen. Neue tragbare Kamera-Computer wie Google Glass könnten dieses Phänomen noch verstärken.

Google Glass

Prestigeprojekt des Gründers

Die Datenbrille ist für den Internet-Konzern ein Prestigeprojekt – Mitgründer Sergey Brin kümmert sich darum persönlich. Seine Vision: Mithilfe des kleinen Bildschirms soll das Internet noch nahtloser in den Alltag integriert werden, etwa indem dort Informationen wie Wegbeschreibungen, E-Mails oder das Wetter eingeblendet werden.

Erste Geräte für Tester

Google Glass war anfangs noch nicht reif für den Massenmarkt, Google versorgte einige Tausend Testnutzer mit Brillen. Sie mussten 1500 Dollar plus Steuern zahlen. Im April will der Konzern das Gerät in den freien Verkauf geben, allerdings nur in den USA und in begrenzter Stückzahl.

Olympus arbeitet an Datenbrille

Auch andere Unternehmen arbeiten an einer Datenbrille, etwa Olympus und Epson. Allerdings richten sich die Konkurrenzmodelle nicht unbedingt an Privatnutzer, sondern eher an Unternehmen, die eines Tages etwa Lagerarbeiter damit ausstatten könnten.

Andere tragbare Computer

Andere Anbieter arbeiten ebenfalls an tragbaren Geräten, die sich mit dem Computer verbinden können. So haben diverse Unternehmen, darunter Samsung, Sony und das Start-up Pebble, Smartwatch-Modelle im Angebot, die Nachrichten auf einem kleinen Monitor am Handgelenk anzeigen und ermöglichen, auf Anrufe zu reagieren.

„Wenn ich ein Foto mit meinem Telefon aufnehme, wird die Person im Bild es wahrscheinlich merken“, umreißt Analystin Carolina Milanesi vom Marktforscher Gartner den Unterschied im „Guardian“. Mit Google Glass hingegen könne das ganz unauffällig geschehen. In ersten Vorstellungen zeigte Google, wie Träger der Datenbrille per Sprachsteuerung ein Bild mit der eingebauten Kamera knipsen. Letztlich könnte damit die Horror-Vorstellung von Datenschützern, dass jeder Mensch Bilder von Fremden auf der Straße durch eine Bilderkennungs-Software jagen kann, einen Schritt näher rücken.

Die Google-Brille, an der der Internet-Gigant schon seit Jahren arbeitet, ist ein Lieblingsprojekt des Mitgründers Sergey Brin. Ein kleiner Bildschirm vor dem rechten Auge soll Informationen aus dem Netz wie Routenanweisungen oder Antworten auf Suchanfragen anzeigen. Das Gerät soll sich nahtlos ins Leben der Träger einfügen - theoretisch zumindest, denn Erlebnisse aus dem Alltag sind noch rar.

Dank neuer technischer Möglichkeiten für immer kleinere Computerteile wird Googles Datenbrille erst der Vorreiter einer ganzen Generation winziger Geräte sein. So sammelt das schwedische Start-up Memoto gerade Geld für eine ansteckbare Mini-Kamera, die alle 30 Sekunden ein Foto schießen und damit das Leben ihrer Nutzer in Bildern festhalten soll.

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Von

dpa

Kommentare (1)

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Andy

14.03.2013, 10:36 Uhr

Warum immer so negativ? Für viele Menschen wäre die Google-Brille eine echte Erleichterung im Alltag.
Schade nur, dass sich die wenigsten Betroffenen US$ 1500,-- leisten können.
Ich würde gern an dem Test teilnehmen. Mich würde die Thematik Datenschutz auch interessieren. Da wird es sicherlich vernünftige Regeln geben können.
Mit einer Minikamera an der Jacke, einen Kugelschreiber, der Ton und Videoaufzeichnungen macht ist doch heute schon für alle verfügbar. Meint der Autor wirklich, dass die fotografierten / gefilmten das wirklich merken?

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