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06.07.2011

22:31 Uhr

Kurznachrichtendienst

Twitter meidet die Börse

VonAxel Postinett

Während viele Start ups schnellstmöglich an die Börse drängen, gibt sich der Kurznachrichtendienst Twitter auffällig verhalten. Der CEO setzt vorerst auf Privatanleger - noch scheint es zu viele Baustellen zu geben.

Der Kurznachrichtendienst Twitter setzt immer noch auf Privatanleger. Quelle: Reuters

Der Kurznachrichtendienst Twitter setzt immer noch auf Privatanleger.

San FranciscoTwitter meidet die Börse. Während andere Start ups aus Kalifornien gar nicht schnell genug ihren Börsengang anmelden können, setzt Dick Costolo, CEO des Kurznachrichtendienstes aus San Francisco, weiter auf Privatanleger. Das hat einen Grund: Costolo muss Zeit gewinnen. Ein tragfähiges Geschäftsmodell fehlt und Versäumnisse der Vergangenheit müssen ausgebügelt werden, nachdem die beiden Gründer Twitter verlassen haben und Google+ das Twitter-Modell kopiert.

Nach Informationen des Wall Street Journal versucht Twitter eine neue Finanzierungsrunde bei Privatinvestoren zu platzieren. Während die Höhe der gewünschten Kapitalspritze noch unklar sei, werde als Grundlage aber eine Bewertung des Unternehmens von sieben Milliarden Dollar angestrebt. Vor rund sieben Monaten brachte eine Finanzierungsrunde unter Führung von Kleiner Perkins Caufield & Byers noch 200 Millionen Dollar bei einer Bewertung von knapp 3,7 Milliarden Dollar. Damit hätte sich der Wert des Unternehmens in kaum mehr als einem halben Jahr verdoppelt. Solche Bewertungssprünge sind krass, aber nicht unrealistisch. Das Klima für kapitalsuchende Unternehmen ist gut im Silicon Valley, das Geld sitzt wieder locker: „Die Käufer zahlen Aufpreise wie es sie seit zehn Jahren nicht mehr gegeben hat“, erklärte Andrew Trader, Ventura Capital-Investor beim Risikokapitalgeber Maveron in San Francisco im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Aber ob Twitter die gewünschte Bewertung erhalten wird, ist alles andere als sicher. Es gibt noch viele Baustellen und ungelöste Fragen. Zum einen ist Twitter noch zu kompliziert um, wie etwa Facebook, zum Massenphänomen zu werden. Da gibt es Tweets und Retweets ein “@mention“ und direkte Mitteilungen. Kleine Fehler können große Auswirkungen haben: Wer auf eine Direktmitteilung, die er per SMS bekommen hat, falsch antwortet, findet seine privat gedachte Nachricht plötzlich im Twitternetz wieder. Der US-Abgeordnete Anthony Weiner erlebte hautnah was das bedeutet. Er verschickte irrtümlich ein kompromittierendes Foto von sich an eine breite Empfängerliste und musste später zurücktreten. All das lässt viele Interessenten zurückschrecken. Die Masse der rund 2200 Tweets pro Sekunde wird von einer Minderheit der rund 200 Millionen Nutzer erzeugt. Der Rest liest nur mit – wenn überhaupt.

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