Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2017

09:54 Uhr

Kwon Oh Hyun tritt zurück

Samsung droht ein Führungsvakuum

Der Gewinn von Samsung erreicht ein Rekordhoch. Großen Anteil daran hat der Chef der Halbleiter- und Komponentensparte: Kwon Oh Hyun – auch als „Mr. Chip bekannt“. Doch vollkommen überraschend tritt Kwon jetzt zurück.

Kwon Oh-hyun legt Posten nieder

Samsung droht die Führungslosigkeit

Kwon Oh-hyun legt Posten nieder: Samsung droht die Führungslosigkeit

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

SeoulDer Chef von Samsung Electronics hat überraschend seinen Rücktritt erklärt. Für den von einem Korruptionsskandal erschütterten Konzern sei es Zeit, neu zu starten, mit neuem Elan und unter einer jüngeren Führung, erklärte der 64-jährige Kwon Oh-hyun am Freitag. Kwon Oh Hyun erklärte am Freitag in einer Stellungnahme, er werde als Chef der Halbleiter- und Komponentensparte im März 2018 zurücktreten und auch nicht mehr als Vorsitzender des Aufsichtsrats kandidieren. Samsung erlebe eine „beispiellose Krise“ und brauche mehr denn je eine neue Leitung, so Kwon. Der 65-Jährige war seit der Verurteilung des Samsung-Erben Lee Jae Yong im August der De-Facto-Chef des Konzerns.

Lee war im August wegen Bestechung, Unterschlagung von Gesellschaftsvermögen und Meineids zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Ermittler beschuldigten Samsung, hohe Summen an Unternehmen und Stiftungen der umstrittenen Park-Freundin Choi Soon Sil und ihrer Verwandten gezahlt und ihm Gegenzug politische Unterstützung für die Fusion zweier Konzerntöchter erhalten zu haben, um die Stellung der Gründerfamilie zu stärken. Lee bestritt die Bestechungsvorwürfe.

Mit Kwons Abgang droht Südkoreas Aushängeschild ein Führungsvakuum. Der Chef der Samsung-Gruppe, Jay Y. Lee, wurde wegen Korruption im August zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im Zuge des Skandals mussten diverse Spitzenmanager ihren Hut nehmen.

Samsung-Erbe: Lee Jae Yong erscheint im Korruptionsprozess vor Gericht

Samsung-Erbe

Lee Jae Yong erscheint im Korruptionsprozess vor Gericht

Der Untreue-Prozess um den Samsung-Erben Lee Jae Yong geht in die nächste Runde. Zwei Monate nach seiner Verurteilung erscheint der Angeklagte vor dem Berufungsgericht – und bestreit die Vorwürfe erneut.

Kwon als Chef von Samsung Electronics, dem Kronjuwel des Konglomerats, galt als Nummer zwei der Gruppe. Es wurde erwartet, dass er eine größere Rolle übernehmen würde. Wann genau Kwon seine Ämter abgibt, ist unklar. Auch zu möglichen Nachfolgern wollte sich eine Firmensprecherin nicht äußern. Kwon arbeitet seit 32 Jahren für Samsung und steht seit fünf Jahren an der Spitze von Samsung Electronics.

Erfreulicherweise erziele das Unternehmen derzeit Rekordgewinne, sagte der auch als „Mr. Chip“ bekannte Kwon. „Aber das ist das Ergebnis früherer Entscheidungen und Investitionen. Im Moment sind wir noch nicht einmal nahe dran, neue Wachstumstreiber und neue Trends auszumachen.“

Dank der starken weltweiten Nachfrage nach Speicherchips fuhr Samsung Electronics im dritten Quartal einen so hohen Betriebsgewinn ein wie nie zuvor. Das operative Ergebnis verdreifachte sich vorläufigen Zahlen zufolge auf umgerechnet knapp elf Milliarden Euro (14,5 Billionen Won). Dies ist mehr als von Analysten erwartet. Der Umsatz hat sich demnach um fast 30 Prozent auf 46,2 Milliarden Euro verbessert. Samsung veröffentlicht Ende Oktober genauere Angaben zum Quartal. Die Aktie fiel 1,5 Prozent.

Wie Samsungs Debakel mit dem Galaxy Note 7 immer größer wurde

2. August 2016

Samsung stellt das „Phablet“ mit der Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll vor. Das Vorzeigemodell soll im oberen Preissegment punkten, in dem Apple mit seinem iPhone stark ist. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet später, Samsung habe sich beeilt, es deutlich vor dem September-Marktstart des iPhone 7 auf den Markt zu bringen.

19. August

Das Galaxy Note 7 kommt in mehreren Ländern in den Handel. Nach und nach gibt es Berichte von Nutzern über brennende oder zumindest überhitzte Telefone. Ein Überblick über das Ausmaß des Problems fehlt zunächst.

2. September

An dem Tag, an dem das Note 7 unter anderem auch in Deutschland breit in den Handel kommen sollte, gibt Samsung eine weltweite Umtauschaktion bekannt. Zunächst ist von 35 bestätigten Zwischenfällen die Rede.

8. September

Die US-Flugaufsicht FAA und dann auch ihr europäisches Pendant EASA verbieten, Geräte des Modells in Flugzeugen zu nutzen oder aufzuladen. Sie dürfen auch ausgeschaltet nicht ins aufgegebene Gepäck.

16. September

In den USA gibt es auch einen offiziellen Rückruf über die Verbraucherschutz-Behörde CPSC. Dabei werden deutlich mehr Fälle bekannt. Allein in dem Land seien demnach 26 Verbrennungen und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet worden.

19. September

Samsung leitet den Austausch der Geräte ein. Zugleich wird der Verkauf von Beteiligungen an anderen Tech-Unternehmen im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Mio. Euro) bekannt. Die Kosten des Rückrufs für Samsung werden auf mindestens eine Milliarde Dollar (rund 900 Mio. Euro) geschätzt.

22. September

Die südkoreanische Behörde für Technologie und Standards (KATS) fordert von Samsung vor der Wiederaufnahme des Verkaufs zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Unter anderem solle jede Batterie für das Gerät einem Röntgentest unterzogen werden.

27. September

Samsung kündigt an, dass das Note 7 in Europa am 28. Oktober wieder regulär in den Handel kommen soll.

5. Oktober

Ein gerade ausgeschaltetes Note 7-Gerät in einem Flugzeug, das vor dem Abflug noch am Gate steht, gerät in Brand. Nach Darstellung des Besitzers ist es bereits ein Austauschgerät.

9. Oktober

Es werden vier weitere Fälle bekannt, in denen US-Verbraucher von Bränden mit Ersatzgeräten berichten. Zwei davon füllten demnach in der Nacht ein Schlafzimmer mit Rauch. Ein Telefon soll sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens in einer Schule entzündet haben. Die Mobilfunk-Anbieter AT&T, Verizon und T-Mobile US geben an ihre Kunden gar keine Note 7 mehr heraus.

11. Oktober

Innerhalb weniger Stunden stoppt Samsung erst den Verkauf der Geräte und gibt dann bekannt, dass die Produktion komplett eingestellt wird. Verbraucher werden aufgefordert, auch die Ersatzgeräte nicht mehr zu benutzen und zurückzugeben - oder gegen andere Modelle einzutauschen.

23. Januar 2017

Nach monatelangen Untersuchungen stellt Samsung seinen Bericht vor. Demnach gab es zwei verschiedene Fehler in den ersten Batterien und den Akkus der Austauschgeräte. Das Design des Smartphones selbst sei nicht das Problem gewesen.

Während Apple ausschließlich Unterhaltungselektronik im Angebot hat, kann Samsung auf ein breites Sortiment setzen, das auch aus Fernsehern, Hausgeräten, Halbleitern und Bildschirmen besteht. Dies kam den Südkoreanern nun zu Gute. Analysten zufolge konnte Samsung auch mit seinem neuen Smartphone-Flaggschiff Galaxy Note 8 punkten.

Laut Analysten kurbelten zum einen rege Verkäufe des neuen Smartphone-Flaggschiffs Galaxy Note 8 den Umsatz an, der vor einem Jahr noch unter der kostspieligen Rückrufaktion des Vorgängermodells litt. Zum anderen profitiert Samsung weiterhin vom Boom bei den Speicherchips. „Während sich die Ausweitung des Speicherchip-Angebots drastisch verlangsamt hat, übertrifft die Nachfrage alle Erwartungen, was die Preise in die Höhe schießen lässt“, sagte Analyst Kim Woon Hoo von der Investmentbank IBK. Neue Fabriken des Weltmarktführers Samsung und der Nummer zwei SK Hynix werden wohl erst 2019 an den Start gehen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×