Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.11.2016

11:52 Uhr

Lattice

Übernahme von US-Chipkonzern wird von China mitfinanziert

Die chinesische Regierung finanziert indirekt den geplanten Kauf des US-Chipherstellers Lattice durch eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft mit. Der angeschlagene Chip-Hersteller braucht eine rettende Übernahme.

Es gibt Verbindungen des Lattice-Käufers in die Volksrepublik, so dass die US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS) sich das Geschäft genauer ansehen könnte. Entscheidend für eine Genehmigung dürfte demzufolge sein, wie CFIUS die militärischen Nutzungsmöglichkeiten der Lattice-Produkte einschätzt. dpa

Militärtechnik

Es gibt Verbindungen des Lattice-Käufers in die Volksrepublik, so dass die US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS) sich das Geschäft genauer ansehen könnte. Entscheidend für eine Genehmigung dürfte demzufolge sein, wie CFIUS die militärischen Nutzungsmöglichkeiten der Lattice-Produkte einschätzt.

San Francisco/New York/HongkongDer geplante Kauf des US-Chipherstellers Lattice durch eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft wird indirekt von der chinesischen Regierung mitfinanziert. Wie Reuters-Recherchen ferner ergaben, steht der Käufer Canyon Bridge Capital Partners über mehrere Ecken auch in Verbindung mit dem Weltraum-Programm der Volksrepublik. Dies dürfte auch von den deutschen Behörden mit Interesse registriert werden – wegen des Falles Aixtron. Der angeschlagene Chip-Anlagenbauer strebt eine rettende Übernahme durch einen Investor aus China an. Wegen Sicherheitsbedenken wurde der Deal aber vom Bundeswirtschaftsministerium auf Eis gelegt, in den USA droht die Ablehnung.

Lattice Semiconductor soll für 1,3 Milliarden Dollar von Canyon Bridge geschluckt werden. Das Unternehmen produziert spezielle Halbleiter, die Abnehmer für ihre Zwecke selbst programmieren können. Lattice liefert nicht an die US-Armee, aber die beiden wichtigsten Konkurrenten Xilinx und Intel fertigen Chips, die in Militärtechnologie eingesetzt werden.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Canyon Bridge ist eine vor kurzem gegründete Beteiligungsgesellschaft mit Sitz im kalifornischen Palo Alto. Eine Auswertung verschiedener Firmenmitteilungen zeigt, dass das Private-Equity-Unternehmen Verbindungen nach China hat. Einziger Investor von Canyon Bridge ist demnach China Venture Capital Fund, der eine Tochter von China Reform Holdings ist. Diese wiederum gehörte zuletzt komplett dem chinesischen Staatsrat, wie aus Firmendokumenten aus dem Juni hervorging. China Reform Holdings ist indirekt an einer Investment-Gesellschaft beteiligt, die das chinesische Weltraumprogramm finanziert.

Analysten zufolge könnten die Verbindungen des Lattice-Käufers in die Volksrepublik dazu führen, dass die US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS) sich das Geschäft genauer ansieht. Entscheidend für eine Genehmigung dürfte demzufolge sein, wie CFIUS die militärischen Nutzungsmöglichkeiten der Lattice-Produkte einschätzt. Das Unternehmen und sein Käufer lehnten Stellungnahmen ab.

Chiphersteller in Europa: Wenn die Zukunft wegzieht

Chiphersteller in Europa

Premium Wenn die Zukunft wegzieht

Beim Bau von PCs und Handys haben europäische Firmen bereits kapituliert. Bald droht auch die Chipbranche weitgehend aus Europa zu verschwinden. Doch die verbliebenen Hersteller zeigen sich kampfbereit.

Im Falle von Aixtron hat die Behörde dem scheidenden US-Präsidenten Barack Obama bereits empfohlen, die Übernahme durch den chinesischen Investor FGC für 676 Millionen Euro abzulehnen. Denn auf den Aixtron-Maschinen können auch Chips für militärische Zwecke produziert werden. Die Entscheidung Obamas wird bis Samstag erwartet. Experten gehen davon aus, dass er der CFIUS folgen wird. Das wäre das Aus für den Deal, denn FGC hat die Zustimmung der USA zur Bedingung seiner Offerte gemacht. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte die Transaktion zunächst für unbedenklich erklärt, diese Entscheidung auf US-Drängen dann aber zurückgezogen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×