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14.10.2016

10:26 Uhr

Lebensmittel von Amazon

Kein leichtes Spiel gegen deutsche Discounter

VonThomas Jahn, Christoph Kapalschinski

Erst Bücher, dann Computer – Amazon eroberte mit seinem Online-Angebot systematisch den Einzelhandel. Mit Lebensmitteln besetzt der Konzern eine neue und riesige Kategorie – wohl aber nicht in Deutschland.

Onlinehändler plant nächsten Schritt

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New York/DüsseldorfDie Außenwand ist schick mit Holz verkleidet. Davor steht eine Art Tankstellendach, unter dem sich die Kunden in wenigen Wochen Butter, Marmelade oder Zucker mit dem Auto abholen können. Noch nicht zu sehen sind die Kameras in den acht Parkbuchten, über die Amazon die Kennzeichen der Autos einliest, mit denen es die Bestellungen erkennen will. Die Sachen sollen dann Mitarbeiter in den Kofferraum des Kunden laden.

In Ballard, einem Stadtteil von Seattle soll der erste Lebensmittelladen von Amazon entstehen – einen Steinwurf entfernt von der Konzernzentrale. Schon vor Monaten reichte das Online-Kaufhaus bei der Stadt Blaupausen ein, auf denen die Struktur der Lebensmitteläden der Zukunft zu erahnen ist.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Es könnte der erste von vielen sein, denn Amazon reichte in San Francisco ähnliche Blaupausen ein. Das „Wall Street Journal“ berichtet vom „Projekt Como“, nach das Unternehmen einen Ausbau der Lebensmittelläden planen soll. Je nach Standort sollen es Tante Emma Läden, Abholstationen oder eine Mischung aus beiden sein.

Es lockt ein riesiger Markt. Noch kaufen nur wenige Amerikaner im Internet ihre Lebensmittel. Doch laut der Analysten der Bank Morgan Stanley soll sich der Umsatz in den USA in diesem Jahr auf 42 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro) verdoppeln. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es geht schneller, bequemer und Preisvergleiche sind besser anzustellen.

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Allerdings tun sich Onlinehändler bei Lebensmitteln bislang schwer. Das belegt auch eine Studie der Unternehmensberatung Bearing Point, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Demnach sind die Verbraucher in keiner Online-Handelskategorie so unzufrieden wie beim Lebensmittel-Handel. Am besten scheiden im Schnitt Elektronik-Händler ab; das beste Einzelergebnis verzeichnet der Mode-Händler Zalando für sich.

Dass gerade Unterhaltungselektronik so gut im Netz funktioniert, hat Gründe: Unterhaltselektronik ist eine Kategorie, die großes Interesse weckt. Kunden wollen aus einem breiten Sortiment auswählen, lesen gerne Nutzerbewertungen und beschäftigen sich mit den Details. Der Kauf erfolgt selten spontan oder aus einem akuten Bedürfnis heraus. Zudem sind die Preise je Produkt relativ hoch. Und die Produkte sind standardisiert.

Kommentare (2)

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Herr Nehal Devanowitch

14.10.2016, 11:20 Uhr

Amazon testet, mehr nicht. Es ist ja verständlich dass Amazon sich Märkte aussucht mit nur wenigen Mitbewerbern oder aber wo sie ihre potenzielle Marktmacht ausnutzen können. Da die recht viel Geld zum verbrennen haben können sie im moment solche spielchen spielen und schiffe und flugzeuge kaufen

Herr Helmut Metz

14.10.2016, 13:13 Uhr

Amazon bietet in der Tat nahezu alles an - und ich bin auch selber sehr oft Kunde dort (aber bewusst keine Prime-Kunde). Früher musste man dagegen oft viel Zeit investieren, um ein sehr spezielles Produkt zu bekommen, und oft sogar weitere Wege zurücklegen in die nächste große Stadt, wo man dann mit horrenden Parkgebühren abgezockt wurde. (Hallo, ihr oberschlauen Bürgermeister: Wieso soll ich mich als Autofahrer von Euch abzocken lassen, wenn ich meine Einkäufe auch von zu Hause erledigen kann?)
Amazon hat aber auch einen ganz entscheidenden Nachteil: man kann nicht ANONYM einkaufen. Wenn man Dauerkunde dort ist, kann Amazon anhand der Verkaufshistorie ein sehr detailliertes Profil - etwa auch was politische Einstellungen betrifft, was in unserer heutigen Gesinnungs- und Meinungsdikatatur nicht zu vernachlässigen ist - des Kunden erstellen. Natürlich lassen sich deren Algorithmen aber auch überlisten: so kann man sich etwa einmal den Spaß machen, Nietzsches "Antichrist", die Bibel, den Koran und Salman Rushdies "Satanische Verse" gleichzeitig zu bestellen. ;-)

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