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10.06.2016

08:18 Uhr

Lenovo präsentiert Phab 2 Pro

Mit Vollgas in die Snapchat-Zeit

VonAxel Postinett

Die Integration von Motorola hat Lenovo massive Probleme bereitet. Doch jetzt will der weltgrößte PC-Hersteller im Smartphone-Markt durchstarten. Mit dem Phab 2 Pro nehmen die Chinesen die Generation Snapchat ins Visier.

Der Lenovo-Chef präsentierte das neue Phab2 Pro am Donnerstag in San Francisco. AP

Yuanqing Yang

Der Lenovo-Chef präsentierte das neue Phab2 Pro am Donnerstag in San Francisco.

San FranciscoEs gibt keine Alternative, das ist Lenovo-Chef Yang Yuanqing völlig klar. Der PC-Markt schrumpft kontinuierlich. Im abgelaufenen Quartal konnten die Chinesen zwar wieder melden, dass sie weltweit Marktanteile gewonnen haben. Aber weil der Gesamtmarkt stärker geschrumpft ist, wurden unter dem Strich doch hunderttausende Computer weniger verkauft. Laut Gartner hatte Lenovo im ersten Quartal 2016 weltweit einen Marktanteil von 19,3 Prozent, nach 18,8 Prozent im Vorjahr. Die Zahl der verkauften Rechner fiel gleichzeitig um 7,2 Prozent.

Viele solcher „Erfolge“ kann sich Yang, seit 2004 an der Spitze des Konzerns, nicht mehr leisten. „Das Personal Computing wird überflüssig“, erklärte er am Donnerstag in San Francisco. Ersetzt werde es durch das „vernetzte Computing“. Und dort sieht er die neue Stärke des Giganten aus China.

30 Jahre Lenovo

1984: Gründung

Eine Gruppe von elf chinesischen Wissenschaftlern gründet die Firma unter dem Namen Legend. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften hilft mit einem Darlehen und Räumen. Anfangs verkauft die Firma die Geräte anderer Hersteller, 1990 baute sie eine eigene Fertigung auf.

1994: Börsengang in Hongkong

Im Februar 1994 geht Lenovo in Honkong zu einem Preis von 1,33 Hongkong-Dollar pro Aktie an die Börse, Börsenkürzel: LNVGY.

2003: Namensänderung

1997 ist Legend der größte PC-Hersteller in China. Doch das Unternehmen will international expandieren. Da der Name Legend in einigen Märkten bereits besetzt ist, benennt es sich um in Lenovo. Darin steckt noch etwas vom alten Namen, es deutet aber auch auf das Neue.

2004: Kauf der PC-Sparte von IBM

Das Thinkpad ist der Favorit der Manager, dennoch will sich IBM von seiner PC-Sparte mit dem legendären Laptop trennen. Lenovo übernimmt das Geschäft für 1,75 Milliarden Dollar.

2011: Übernahme von Medion

Auch in Deutschland suchte sich Lenovo Verstärkung: Der Konzern übernahm den Elektronikhersteller Medion, der sich vor allem durch den Verkauf beim Discounter einen Namen gemacht hat. Kaufpreis: 630 Millionen Euro.

2014: Übernahme von Motorola

Lenovo stellt bereits unter eigenem Namen Smartphone und Tablets her, mit Motorola kauft der Konzern einen Hersteller hinzu, der auch im Westen einen bekannten Namen hat – wenn auch nicht mehr viel Marktanteil. Zusammen sind sie drittgrößter Smartphone-Hersteller der Welt.

2014: Kauf der Serversparte von IBM

Und wieder übernimmt Lenovo ein schwieriges Geschäft von IBM: Das chinesische Unternehmen kauft die Serversparte. Die Mainframes behält IBM aber.

Auf der Hausmesse Techworld stellte er das Smartphone Phab 2 Pro vor. Mit seinem 6,4-Zoll-Bildschirm ist es nur wenig kleiner als ein Tablet. Es verfügt über vier Kameras und erstellt dreidimensionale Bilder seiner Umgebung. Es erkennt Elemente und vermisst diese auf den Millimeter genau, ihren Standort, ihre Abstände. Erstmals weiß ein Smartphone, wo es sich befindet.

Was für den Menschen selbstverständlich ist, ist für einen Computer revolutionär. Am Donnerstag definierten Lenovo und Google, wo die Technik mit dem Namen „Tango“ entwickelt wurde, die Grenzen neu, in denen gelebte und erlebte Realität mit Hilfe von Technologie verschmelzen.

Das eröffnet faszinierende Möglichkeiten. Der digitale Dinosaurier im Klassenzimmer erscheint genau so groß, als wenn er wirklich auf dem Schreibtisch stünde. Und der T-Rex muss sich halt bücken, damit er nicht durch die Zimmerdecke stößt. Möbelstücke fügen sich harmonisch in echter Größe im Zimmer auf dem Bildschirm ein, oder eben nicht. Das weiß man dann schon vor dem Kauf. Der Lieblingsstar sitzt in Lebensgröße digital auf der Bettkante und wartet geduldig auf das Selfie mit dem Teenie-Fan.

Das Phab 2 Pro ist das Smartphone für die Generation Snapchat. Möglich werden nun auch schrittgenaue Navigationssysteme innerhalb von großen Gebäuden, etwa den gigantischen Einkaufszentren in Stadtteilgröße in Japan oder China.

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