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11.06.2013

19:10 Uhr

Lexika

Bertelsmann stellt den Brockhaus ein

Bertelsmann gibt seine Lexikonsparte auf – und damit auch die Brockhaus-Reihe. Viele Arbeitsplätze beim Wissenmedia Verlag fallen dadurch weg. Eine Chance für die Marke gibt es aber doch noch.

Überlebensgroße Brockhaus-Ausgaben. ap

Überlebensgroße Brockhaus-Ausgaben.

GüterslohDer traditionsreiche Brockhaus steht vor dem Aus. Der Medienriese Bertelsmann will das Geschäft mit Lexika aufgeben. Das teilte der Konzern am Dienstag mit. Zunächst soll der wichtige Direktvertrieb bis Mitte 2014 eingestellt werden. Die Online-Aktualisierungen und weitere Verpflichtungen sollen noch sechs Jahre fortgeführt werden. Der Vertrieb über den Buchhandel allein reiche aber nicht zum wirtschaftlichen Überleben aus, hieß es.

Die Marke Brockhaus gehört zum Wissenmedia Verlag. Der ist wiederum Teil des Direktvertriebsunternehmens InmediaOne. Das wird seine Arbeit in den kommenden zwölf Monaten schrittweise einstellen. Ein Großteil der 300 Arbeitsplätze an den Standorten Gütersloh und München fällt weg. Dazu kämen noch rund 300 selbstständige Handelsvertreter, sagte Fernando Carro, bei Bertelsmann verantwortlich für das Club- und das Direktkundengeschäft, der „Neuen Westfälischen“ in Bielefeld (Mittwoch). Ein Sozialplan soll erarbeitet werden.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

„Die Zukunft der Marke Brockhaus ist noch unklar“, sagte Pressesprecher Matthias Wulff. Denkbar sei, eine Lizenz für die Marke Brockhaus zu vergeben. „Denn Brockhaus ist ja eine gute Marke.“ Verlagsgründer Friedrich Arnold Brockhaus hatte das erste Conversationslexikon 1810 fertiggestellt. Bertelsmann hatte die Marke Brockhaus erst 2009 nach der Zerschlagung des Bibliographischen Instituts & F.A. Brockhaus AG gekauft.

Zuletzt seien die Lexika vor allem über den Direktvertrieb vermarktet worden, sagte der Sprecher. Damit werde nun der größere Teil des Geschäfts aufgegeben. Es sei nur ungenügend gelungen, neue Kunden zu gewinnen und den bestehenden Kunden neue Produkte zu verkaufen, räumte das Unternehmen ein.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Joker1

11.06.2013, 23:59 Uhr

Die Aus von Brockhaus ist eine Schande für Bertelsmann und
für Deutschland als Wissensstandort.
Pfui Teufel, Bertelsmann, keine Ideen, keine Weitsicht,nur Profitstreben; so wird Deutschland und Europa auf 3. Welt-
Niveau heruntergefahren.
Nur geldgeiles Gesockse, gewissenlos und arrogant.

leser

12.06.2013, 07:39 Uhr

schade, dass die Presseorgane nicht über die überaus unseriösen Vertriebswege des Bertelsmanns angehörigen InmediaOne aufklären oder sogar mal berichten.
300 Handelsvertreter, die zum Teil immer wieder neu akquiriert werden müssen, sind wie Drückerkolonnen unterwegs in Deutschland, um die überteuerten Bertelsmann-Produkte wie Vorwerkstaubsauger an den Mann zu bringen. Eine Einstellung dieses Vertriebskanals mit den dazugehörigen Lexikon ist durchaus eine Bereicherung für die Gesellschaft.

hansS234

12.06.2013, 21:58 Uhr

Na, das sind ja mal zwei Meinungen - sicherlich von Experten, die die Firma und die Umstände genauestens kennen - oder?
In jedem Fall sind es mal wieder die zahlreichen Mitarbeiter, welche darunter zu leiden haben. Sozialplan und "internes Arbeitsamt" hin und her - und sicher nur für die 400 Angestellten. Sehr schade aber auch um die 300 gut ausgebildeten und noch immer motivierten Handelsvertreter. Wer kümmert sich um die? (0157-75780868)

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