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07.02.2015

12:00 Uhr

Lichtspielhäuser

Luxus trotzt der Kinomüdigkeit

VonKai-Hinrich Renner
Quelle:Handelsblatt Online

Ein neues Konzept für Filmtheater soll den Rückgang der Besucherzahlen aufhalten. Es zielt auf Besucher jenseits der 30 – auch weil jüngere Zuschauer lieber auf Online-Portalen Filme ansehen, anstatt Karten zu bezahlen.

Der Cineast eröffnete den legendären Zoo-Palast in Berlin wieder. PR/ scheunemann-pr.de

Der Cineast eröffnete den legendären Zoo-Palast in Berlin wieder.

BerlinAm Montag wird die Filmförderungsanstalt FFA die aktuellen Marktdaten der Kinobranche bekanntgeben. So viel ist schon jetzt klar: Das Kinojahr 2014 war für die Betreiber mau. Die Zahl der Kinobesucher, die 2013 noch bei 129,7 Millionen lag, ist nach Angaben aus Branchenkreisen um fünf bis sechs Prozent zurückgegangen. Es ist der zweite Rückgang in Folge: 2012 lag die Zahl der Kinogänger noch bei 135,1 Millionen. Entsprechend unerfreulich haben sich die Erlöse entwickelt. Sie dürften erstmals seit 2011 wieder unter die Marke von einer Milliarde Euro gerutscht sein.

Hans-Joachim Flebbe, der in den 90er-Jahren mit der von ihm gegründeten Cinemaxx-Kette den Markt aufmischte, fühlt sich durch die schlechten Zahlen bestätigt. „Die Seele des Kinos geht verloren, wenn man es ausschließlich als Renditeobjekt betrachtet“, sagt er. Längst hat er sich von Cinemaxx zurückgezogen. Die Kette gehört nun zwei kanadischen Pensionsfonds.

Die großen Kinos würden zu wenig investieren, glaubt Flebbe. Wenn aber an Ausstattung und Personal gespart wird, blieben irgendwann die Kinobesucher jenseits der 30 aus. Nur auf die Jungen zu setzen, sei aber eine riskante Strategie. Junge Zielgruppen würden zunehmend neue Filme – auf legalen und illegalen Portalen – online anschauen. Das hat er auch bei seinen eigenen Kindern beobachtet. Sie gingen auch nur dann ins Kino, wenn dort Blockbuster wie „Der Hobbit“ liefen.

Neue Zielgruppe Ü 30

Folglich zielt Flebbe mit den Filmtheatern seiner Premium Entertainment GmbH auf Zielgruppen jenseits der 30. Unter der Marke Astor betreibt er Kinos in Berlin, Köln, München, Frankfurt und Hannover, in denen modernste Technik, geschmackvolles Design und Begrüßungscocktails ebenso selbstverständlich sind wie eine Garderobe, verstellbare Sitze mit viel Beinfreiheit sowie – zumindest in den Logen – eine Bedienung am Platz.

Flaggschiff der kleinen Kinokette ist der Berliner Zoo-Palast. Im Rahmen der laufenden Berlinale wird kommenden Mittwoch dort die Europa-Premiere der Verfilmung des Erotik-Bestsellers „50 Shades of Grey“ über die Bühne gehen. Es wird einen großen Empfang mit einem 300 Meter langen roten Teppich geben.

Ausverkaufte Astor-Kinos

Flebbe freut sich auf den Auftrieb. Von der Branchenkrise bekommt sein Unternehmen nichts mit. „Wir haben zweistellige Zuwachsraten“, sagt er. Zumindest hat er sie dort, wo solch ein Wachstum möglich ist. Am Standort Berlin dagegen sind seine Häuser ohnehin fast ständig ausverkauft. Da bleibt kaum Luft nach oben.

Um in den Genuss des Luxus von Flebbes Lichtspielhäusern zu kommen, greifen seine Besucher gern etwas tiefer in die Tasche. Im Schnitt kostet eine Eintrittskarte in seinen Kinos 15 Euro. Etwas günstiger ist sein Astor Grand Cinema in Hannover, einem Multiplexkino, das für den gehobenen Geschmack umgebaut wurde. Dort ist ein Ticket schon für zehn Euro zu haben.

Flebbes Rechnung scheint aufzugehen. Seine umfangreichen Investitionen – für den Umbau des Kinos in Hannover gab er zehn Millionen Euro aus – sollen nach spätestens fünf Jahren wieder hereinkommen. Bei der Berliner Astor Film Lounge, die bereits 2008 öffnete, gelang ihm das nach zweieinhalb Jahren.

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