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05.07.2013

17:27 Uhr

Lisicki-Finale

Sky lässt ARD in Wimbledon abblitzen

Das Wimbledon-Finale mit der Beteiligung einer Deutschen wird nur beim Pay-TV-Sender Sky zu sehen sein. Die ARD hat sich vergeblich um Last-Minute-Rechte bemüht. Das schadet auch dem neuesten Tennisstar.

Sabine Lisicki: Nach ihrem Sieg gegen die Polin Agnieszka Radwanska tritt sie am Samstag gegen die Französin Marion Bartoli an - die meisten Tennisfans werden es nicht live verfolgen können. Reuters

Sabine Lisicki: Nach ihrem Sieg gegen die Polin Agnieszka Radwanska tritt sie am Samstag gegen die Französin Marion Bartoli an - die meisten Tennisfans werden es nicht live verfolgen können.

BerlinSabine Lisicki kniete auf dem Heiligen Rasen nieder, warf ihre Kusshand ins tobende Publikum und verneigte sich im Stile einer Wimbledon-Siegerin. Als der Eintrag in die Tennis-Geschichtsbücher perfekt war, vergrub die 23 Jahre alte Berlinerin ihr tränenüberströmtes Gesicht im Handtuch und schüttelte ungläubig den Kopf. Sie hatte nach einem 138-minütigen Tennis-Thriller mit ihrem 6:4, 2:6, 9:7-Erfolg gegen die Weltranglisten-Vierte Agnieszka Radwanska aus Polen den ersten Einzug einer deutschen Spielerin ins Finale von Wimbledon seit Steffi Graf vor 14 Jahren perfekt gemacht.

„Super Sabine! Unglaublicher Kampf, toll wie Sabine Lisicki gegen Agnieszka Radwanska ihre Ruhe und Nerven behalten hat und selbst nach einem Rueckstand von 0:3 im dritten Satz wieder zu ihrem Spiel gefunden hat“, schrieb Graf später auf Facebook.

Diese öffentliche Begeisterung rief auch die ARD auf den Plan. Mit einem Last-Minute-Angebot an den Pay-TV-Sender Sky sollte doch noch eine kostenlose Ausstrahlung möglich gemacht werden. Vergeblich. Am Abend erklärte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausk , dass man sich bis zum Nachmittag intensiv bemüht, die Free-TV-Rechte am Damen-Endspiel in Wimbledon bemüht habe. „Leider sind die Verhandlungen an den überzogenen Preisvorstellungen von Sky gescheitert“, so Balkausk. Damit dürfte das Finale nur im Pay-TV zu sehen sein.

Ihr Team, ihre Erfolge

Ihre Daten

Geboren am 22. September 1989 in Troisdorf. Wohnt in Bradenton/Florida und Berlin

Größe: 1,78 Meter, Rechtshänderin

Ihre Profi-Karriere

Profi seit: 2006 aktuelle Position Weltrangliste: 24 höchste Platzierung Weltrangliste: 12 (21. Mai 2012) Titel: 3 (2011 Birmingham/Rasen, Dallas/Hartplatz; 2009 Charleston/Sand) Finale: 4 (2013 Pattaya City/Hartplatz, Memphis/Hartplatz, 2009 Luxemburg/Hartplatz; 2008 Taschkent/Hartplatz)

Spiele in Wimbledon

Wimbledon-Teilnahmen: 2008 erste Runde, 2009 Viertelfinale, 2010 nicht dabei (verletzt), 2011 Halbfinale, 2012 Viertelfinale, 2013 Endspiel

Ihre Preisgelder

Preisgeld Karriere (vor Wimbledon): rund 2,2 Mio. Euro

Ihr Trainer

Wim Fissette, 33 Jahre alter Belgier, ist seit den French Open Coach von Sabine Lisicki. Er hat schon einmal eine Spielerin zum Grand-Slam-Titel geführt. 2009 trainierte der Belgier seine Jugendfreundin Kim Clijsters, die bei den US Open völlig überraschend den Titel gewann. Der Kontakt entstand über die Agentur IMG, bei der Lisicki unter Vertrag steht. Nach einem Treffen in Berlin haben beide erstmals in diesem Jahr bei den French Open zusammengearbeitet. Fissette teilt sich den Job mit Lisickis Vater. Dem Vernehmen nach klappt die Zusammenarbeit sehr gut. „Wir ergänzen uns völlig unkompliziert“, sagt Fissette, bekannt als scharfer Analytiker.


Ihr Vater

Richard Lisicki, Vater und Trainer: Der Sportwissenschaftler schrieb seine Doktorarbeit zum Thema „Trainingsmethoden für die Entwicklung der Schlaggeschwindigkeit unter Beibehaltung der Schlagpräzision.“ Nach dem Finaleinzug sagte Sabine Lisicki: „Mein Vater hat alles dafür gegeben, dass ich Tennis spielen kann.“

Ihre Mutter

Elisabeth Lisicki, Mutter: Hat in der Loge den Stammplatz direkt neben Bundestrainerin Barbara Rittner. Fallen sich nach Siegen (fast) immer um den Hals. In dem angemieteten Haus in Wimbledon hat Mutter Lisicki eine Schlüsselrolle inne. „Mutti kocht einfach am besten“, sagte Lisicki im Gespräch mit der „Berliner Morgenpost“.

Ihr Manager

Oliver van Lindonk, Manager: Angestellt beim Vermarktungs-Giganten IMG. Betreut auch den japanischen Shootingstar Kei Nishikori. Wacht in Pressekonferenzen und TV-Interviews immer sehr genau darüber, was Sabine Lisicki sagt. Internationaler Ansprechpartner für alle Medienanfragen.

Der Münchner Bezahlsender Sky mit mehr als 3,4 Millionen Abonnenten besitzt in Deutschland die exklusiven Fernseh-Rechte für das wichtigste Tennis-Turnier der Welt. Im Free-TV sind im Gegensatz zu den drei anderen Grand-Slam-Turnieren Australian-Open, French-Open und US-Open (alle bei Eurosport) keine Live-Bilder aus Wimbledon zu sehen. „Wir sind sehr happy, dass wir das Wimbledon-Turnier haben“, sagte Sky-Koordinator Grosse. Der bestehende Dreijahresvertrag ende am Sonntag mit dem Herren-Finale. Die Ausschreibung für einen neuen Dreijahresvertrag läuft.

Kommentare (27)

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Tom

05.07.2013, 06:54 Uhr

Skandalöse Zustände sind das! Was sich die Öffentlich hierbei leisten, ist schlichtweg eine bodenlose Frechheit. ARD & ZDF kommen schlichtweg ihrem Auftrag nicht nach: Sie gewährleisten nicht die allg. Daseinsfürsorge/Grundversorgung. Millionen Euro werden für die ständige Reanimation von "Wetten dass...." reingepumpt, zig Millionen für Fussball, Fussball, Fussball ausgegeben- das wichtigste Tennisturnier fällt dann eben unter den Tisch. Ist die jetzige GEZ-Zwangssteuer immer noch zu wenig?

lechinger

05.07.2013, 07:04 Uhr

ARD und ZDF haben sich bisher nicht um eine "Frau Lisicki" (wer is'n des) gekümmert. Warum sollten diese Versagerunternehmer jetzt Werberechete (äh Fernsehrechte) bekommen. Abschalten - Umschalten.

hg67

05.07.2013, 07:21 Uhr

Ich möchte es einmal so sagen: was zeichnet ARD/ZDF denn noch aus? Ausser diesen Zwangsgebühren - nichts! Bei sky kann ich mir überlegen ob ich es haben möchte oder nicht, man kann sogar über den Preis verhandeln.

Mit grosser Überraschung habe ich zuletzt Tennis auf Sky geschaut, Uli P, bekannt aus RTL Zeiten ist auch dabei. Warum sollte sich SKY, jetzt bei Erfolg einer Deutschen, die Butter nehmen lassen, während ARD/ZDF lieber in daily soaps oder Kurt Beck investieren?

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