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23.01.2003

17:20 Uhr

Lob von den Aktionären

Siemens-Chef Pierer kann ruhig schlafen

Für Unruhe haben auf der Siemens-Hauptversammlung nur die Proteste gekündigter Mitarbeiter gesorgt. Vor dem Eingang der Münchner Olympiahalle machten sie die Aktionäre mit Trillerpfeifen und Transparenten auf ihr Schicksal aufmerksam. Drinnen aber lief das Aktionärstreffen für Konzernchef Heinrich von Pierer am Donnerstag trotz der Hightech-Krise, der sich auch Siemens nicht voll entziehen kann, weitgehend harmonisch ab.

HB/dpa MÜNCHEN. Selbst kritische Aktionärsschützer fanden überwiegend lobende Worte. „Das Geschäftsjahr 2002 war für Siemens alles in allem ein gutes Jahr“, bilanzierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vor mehr als 10 000 Aktionären.

Auch der Start ins laufende Geschäftsjahr ist Siemens inmitten der Flaute recht gut gelungen. Die Zahlen für das erste Quartal gab Siemens unmittelbar vor der Hauptversammlung bekannt. Mit einem nahezu stabilen Gewinn von 521 Millionen Euro und verbesserten operativen Ergebnissen gelang es Pierer mal wieder, die Analysten zu überraschen. Seinen Auftritt vor den Aktionären spulte Pierer dann auch routiniert ab. Schon vor seiner Rede gab er sich betont gelassen. „Ich bin heute erst vom Wecker geweckt worden.“ Das passiere ihm nur ein paar Mal im Jahr und zeige, dass ihn eine Hauptversammlung in seinem elften Jahr als Vorstandschef nicht mehr so aufrege.

Siemens kommt in der derzeitigen Hightech-Krise vor allem durch seine breite Aufstellung vergleichsweise glimpflich davon. Auch in der Hightech-Euphorie hielt Pierer stur an traditionellen Geschäftsgebieten wie Medizintechnik und Energieerzeugung fest, die heute den Konzern mit ihren Gewinnen stabilisieren. „Die positive Ausrichtung des Konzerns ist Ihr Verdienst“, lobte Aktionärsschützerin Bergdolt den Vorstandsvorsitzenden.

In den Anfangsjahren war Pierer nicht unumstritten. Vor dem radikalen Konzernumbau forderte Aktionärsschützerin Bergdolt vor einigen Jahren auf einer Hauptversammlung, der Kapitän müsse die Brücke verlassen, falls er den Konzern nicht in den Griff bekomme. Mittlerweile bereitet eher die Zeit nach Pierer den Anlegern Sorge. „Es wäre gut zu wissen, wie lange Sie am Ruder bleiben“, sagte Bergdolt. Denn Pierers Vertrag läuft im Herbst 2004 aus. Einige spekulieren, er könne noch einmal ein oder zwei Jahre dranhängen.

Als Kronprinzen gelten derzeit insbesondere ICN-Chef Thomas Ganswindt und der US-Chef Klaus Kleinfeld. Bei Ganswindt hängt alles davon ab, ob er die Problemsparte ICN in den Griff bekommt. Der Netzwerkbereich vergrößerte seinen operativen Verlust im Jahresvergleich im ersten Quartal nochmals und Pierer deutete an, dass die Restrukturierung wegen der Diskussionen mit Betriebsrat und Gewerkschaften etwas langsamer vorankommt als geplant. Um Kosten zu sparen, streicht Siemens bei ICN insgesamt knapp 20 000 Stellen. Der Großteil ist bereits umgesetzt. Derzeit dreht sich der Streit vor allem um die jüngsten Kündigungen bei ICN in München. Insgesamt hatte Siemens in den vergangenen beiden Jahren den Abbau von rund 35 000 Stellen angekündigt.

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