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03.04.2013

19:36 Uhr

Mangel an Tech-Experten

Silicon Valley kämpft um Auslandstalente

Nicht nur deutsche Unternehmen suchen nach Computer-Talenten, auch im High-Tech-Kernland USA sind Experten heiß begehrt. Doch wegen der strengen Einwanderungsgesetze müssen selbst manche Firmengründer das Land verlassen.

Gut qualifizierte Computerexperten werden auch im Silicon Valley rar. Reuters

Gut qualifizierte Computerexperten werden auch im Silicon Valley rar.

WashingtonSie sind jung, hochqualifiziert und die amerikanische Wirtschaft braucht sie dringend: Indische, chinesische oder osteuropäische Hightech-Experten, die ihren Abschluss an US-Universitäten gemacht haben. Doch rigide Einwanderungsgesetze zwingen immer wieder Absolventen und Unternehmensgründer aus dem Land. Amerikas IT-Industrie bündelt daher ihre Kräfte nun zu einem virtuellen „Protestmarsch für Innovation“. Die lautstarke Kampagne ruft Demokraten und Republikaner zu einer Gesetzesreform auf.

Zwei, die das Visums-System aus den USA gedrängt hat, sind die indischen Entwickler Indira und Rahul Chaturvedi (Namen geändert). Rahul studierte Informatik an einer großen US-Universität, Indira Biomedizintechnik. Als die Studenten sich 2007 kennenlernten, wurden sie nicht nur ein Paar, sondern auch Geschäftspartner. Gemeinsam entwickelten sie für das Online-Netzwerk Facebook das Spiel „Pillow Fight“, in dem die Nutzer eine virtuelle Kissenschlacht führen können. Von Indira stammte die Idee, ihr Mann programmierte den Code.

Die zweite Reihe hinter Facebook

Xing

Das Karriere-Netzwerk Xing gehört zu den Frühstartern im Social Web, schon 2003 ging es (damals noch unter dem Namen OpenBC) an den Start, seit 2006 ist es an der Börse notiert. Ende 2012 übernahm das Medienunternehmen Burda die Mehrheit an der Aktiengesellschaft. Zuletzt hatte Xing laut AGOF-Statistik in Deutschland rund 4,8 Millionen Besucher im Monat.

Google+

Das Soziale Netzwerk von Google zählt zu den Spätstartern, es ist erst seit dem Sommer 2011 online. Da der Internet-Riese es mit seinen anderen Diensten verknüpft, ist die Reichweite binnen kurzer Zeit aber schon deutlich gestiegen. Die AGOF erhebt keine Zahlen, laut Comscore waren es im Frühjahr 2013 aber beachtliche 6,7 Millionen Nutzer. Allerdings ist unklar, wie viele diesen Dienst ernsthaft nutzen.

Stayfriends

Mehr eine Datenbank als ein Soziales Netzwerk ist Stayfriends: Auf der Website können Nutzer ehemalige Mitschüler suchen, sortiert nach Schule und Jahrgang. Wer alle Funktionen nutzen will, muss eine kostenpflichtige Mitgliedschaft abschließen. Laut AGOF hat der Dienst monatlich rund 4,1 Millionen Besucher.

Wer-kennt-wen

Das Netzwerk Wer-kennt-wen will alte Bekannte wieder zusammenbringen. Mittlerweile gehört es vollständig zur RTL-Gruppe. Die Reichweite ist in den vergangenen Monaten deutlich gefallen, die AGOF zählte zuletzt nur noch 2,6 Millionen Besucher im Monat.

Twitter

Der Kurzmeldungsdienst Twitter hat in Deutschland deutlich an Popularität gewonnen. Im März 2013 hatte er laut Comscore 3,7 Millionen Nutzer. Mittlerweile dürften es noch einige mehr sein.

VZ-Netzwerke

Der Absturz ist dramatisch: Einst waren die VZ-Netzwerke das größte Social-Media-Angebot in Deutschland, mittlerweile redet kaum noch einer davon. Im Herbst 2012 verkaufte Eigentümer Holtzbrinck die Netzwerke an die Investment-Gesellschaft Vert Capital. SchülerVZ ist inzwischen geschlossen, StudiVZ und MeinVZ sind noch online, haben aber eine ungewisse Zukunft.

Die Chaturvedis gründeten in den USA ein kleines Unternehmen und waren so erfolgreich, dass sie mehrere Angestellte beschäftigten. In zwei Jahren zahlten sie rund 250 000 Dollar Steuern, heißt es in einem Bericht des Forschungszentrums für Globalisierungsstudien der Universität Yale.

Doch nach dem Ende ihres Studiums bekamen die Entwickler keine Arbeitsgenehmigung. 2010 mussten sie nach Indien zurückkehren, wo sie heute noch auf ein dauerhaftes US-Visum warten. „Wir versuchen, uns darum zu kümmern“, schrieb Rahul Chaturvedi per E-Mail.

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Auch in Deutschland wird darüber diskutiert, wie hochqualifizierte Zuwanderer angelockt werden können. Die Computerbranche sucht händeringend nach Fachkräften. Deutsche Politiker schauen neidisch auf die USA, wo das Silicon Valley die Internet-Unternehmen nährt. Eine ähnliche Gründungskultur mit Mut zum Risiko brauche es in Deutschland auch, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) auf der Computermesse CeBIT.

Dabei suchen auch die USA Einwanderer, um offene Stellen zu füllen. Im Jahr 2018 würden mindestens 200.000 Stellen im Hightech-Sektor unbesetzt bleiben, prognostiziert die Handelskammer. Denn selbst im berühmten Silicon Valley stoßen ausländische Jungunternehmer an bürokratische Hürden.

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