Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2013

14:28 Uhr

Mantra

Investor stänkert gegen Übernahmeangebot für Gigaset

Der Goldin Funds aus Hong Kong würde den Telefonhersteller Gigaset gerne übernehmen – für einen Euro je Aktie. Der französische Investor Mantra ist indes nicht einverstanden: „Wir sind über die Absichten besorgt.“

Schnurlose Telefone und weitere Gigaset-Produkte: Mantra hält knapp fünf Prozent an dem Telefonhersteller. dapd

Schnurlose Telefone und weitere Gigaset-Produkte: Mantra hält knapp fünf Prozent an dem Telefonhersteller.

MünchenDer französische Investor Mantra macht gegen das asiatische Übernahmeangebot für den Telefonhersteller Gigaset Stimmung. Die Pariser nähmen die Offerte des Hongkonger Goldin Funds von einem Euro je Aktie nicht an und rieten auch den anderen Aktionären, ihrem Beispiel zu folgen, teilte Mantra am Montag mit. „Mantra ist der Auffassung, dass der Angebotspreis in Höhe von 1,00 Euro das zukünftige Potenzial der Gigaset nicht widerspiegelt“, hieß es. Der Vorstand der Münchner hatte den Eigentümern empfohlen, sich den Asiaten anzuschließen. Derzeit notiert die Gigaset-Aktie knapp unter einem Euro.

Die Franzosen, die fast fünf Prozent an dem Telefonhersteller halten, fürchten indes, dass die krisengeschüttelte Gigaset verramscht wird und der Fonds des Unternehmers Pan Sutong besser abschneidet als die Altaktionäre. „Es dürfte der richtige Moment für sie sein, aber wohl nicht für die Minderheitsaktionäre“, schimpfte Mantra-Chef Antoine Drean im Reuters-Gespräch. „Wir haben das Gefühl, dass etwas Seltsames vor sich geht“. Goldin solle besser erklären, was es mit Gigaset vorhabe. Drean argwöhnt, dass sich die Asiaten lediglich die Marke mit der Übernahme unter den Nagel reißen wollen. Die 1400 Arbeitsplätze in Deutschland stünden auf dem Spiel.

Deutsche Startups

Neue Gründerzeit

Manch einer spricht von einer neuen Gründerzeit: Immer mehr Start-ups versuchen in Berlin ihr Glück. Aber auch in anderen Teilen des Landes gibt es erfolgreiche IT-Unternehmen. Einige sind bereits über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt geworden. Ein Überblick.

Researchgate

Researchgate ist ein Online-Netzwerk für Wissenschaftler. Dort tummeln sich Biologen, Chemiker aber auch Philosophen. Die Idee: Forscher sollen sich inhaltlich austauschen und Kontakte knüpfen können. Der studierte Virologie Ijad Madisch gründete die Firme mit zwei Freunden. Längst sind Investoren aus den USA aufmerksam geworden – darunter Microsoft-Gründer Bill Gates: Er steckte im Juni 2013 gemeinsam mit Tenaya Capital 35 Millionen Euro in Researchgate.

Wooga

Der Spiele-Anbieter Wooga profitierte in seinen Anfangsjahren vom Boom der Sozialen Netzwerke: Immer mehr Nutzer verbrachten immer mehr Zeit bei StudiVZ, Facebook und Co – und begeisterten sich für Spiele wie „Monster World“, die das Berliner Start-up dort anbot. Inzwischen steckt Wooga mehr Anstrengungen in die Apps für mobile Geräte. Weltweit verzeichnet die Firma monatlich 50 Millionen Nutzer.

Bigpoint

Kein klassisches Start-up mehr ist Bigpoint: Heiko Hubertz gründete die Firma bereits 2002. Sie bietet Spiele wie „Drakensang Online“ und „Farmerana“ an, sowohl eigene Entwicklungen wie auch die anderer Hersteller. Die mehr als 300 Millionen registrierten Nutzer können grundsätzlich kostenlos spielen, zahlen aber für Extras. 2012 war allerdings ein schwieriges Jahr: Weil sich das Geschäft schlechter entwickelte als erwartet, strich das Unternehmen 120 Stellen und schloss das Studio in San Francisco. Dieses Jahr will Bigpoint wieder wachsen.

Soundcloud

Der schwedische Unternehmer Alexander Ljung hat sich bewusst für den Standort Deutschland entschieden: Er gründete seine Firma Soundcloud in der Hauptstadt. Sie bietet eine Plattform an, auf die Nutzer eigene Audioproduktionen hochladen können und mit anderen teilen können. Monatlich nutzen 250 Millionen Menschen den Dienst.

6Wunderkinder

Das Start-up 6Wunderkinder entwickelt eine Anwendung, mit der Nutzer ihren Alltag wie auch ihre Arbeit organisieren können sollen. Die Basisversion ist kostenlos, die Team-Version kostet eine monatliche Gebühr. Bislang hat das Unternehmen nur sechs Millionen Nutzer, aber eine Partnerschaft mit dem bekannten Kapitalgeber Sequoia Capital rückt das junge Unternehmen ins Rampenlicht.

Zalando

Hinter dem Online-Modehändler Zalando stehen die Samwer-Brüder, die sich als Seriengründer von Internet-Unternehmen einen Namen gemacht haben. Der Umsatz ist seit der Gründung 2008 rasant auf 1,15 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gewachsen, allerdings arbeitet der Händler nicht profitabel. Internationale Investoren, darunter die deutsche Tengelmann-Gruppe und ein kanadischer Rentenfonds, finanzieren die internationale Expansion.

Mantra gehe es nicht ums Geld. „Die Investition ist sowieso schon zum Großteil abgeschrieben“, sagte Drean. „Es geht darum, dass Gigaset bereits jetzt auf einem viel besseren Weg ist.“ Ein Gegenangebot will er allerdings nicht vorlegen. „Dass hätten wir gerne gemacht, aber dafür ist es jetzt zu spät.“ Auch die kurzfristige Suche nach einem anderen Bieter sei erfolglos gewesen. Daher konzentriere sich Mantra nun darauf, noch möglichst viele Fahrensleute unter den Aktionären um sich zu scharen, um Goldin einen Strich durch die Rechnung zu machen. "Die Schlacht ist noch nicht verloren. Es gibt uns noch und es stoßen immer mehr Freunde zu uns", zeigte sich Drean kämpferisch. Goldin war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Asiaten hatten der klammen Gigaset jüngst mittels Kapitalschritt aus der Patsche geholfen und wollen nun vollends die Kontrolle über den europäischen Marktführer erlangen. Im Gegenzug sollen bis zu 170 Millionen Euro fließen, um Gigaset auch als Marke für Tablet-Computer und Smartphones zu etablieren.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×