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12.01.2018

08:54 Uhr

Mark Zuckerberg baut um

Facebook entdeckt den Wert der Freundschaft

VonJohannes Steger

Weniger Falschmeldungen, Hass und Propaganda: Facebook will persönlicher werden und argumentiert mit dem seelischen Wohlbefinden der Nutzer. Doch auch die Werbekasse des Konzerns könnte von der Entscheidung profitieren.

Soziales Netzwerk

„Facebook soll wieder auf sein ursprüngliches Ziel ausgerichtet werden“

Soziales Netzwerk: „Facebook soll wieder auf sein ursprüngliches Ziel ausgerichtet werden“

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DüsseldorfDie Zeiten, in denen es bei Facebook um Freunde, Familie und Anstupser ging, sind gefühlt ewig her: Heute dominieren im Newsfeed Nachrichten, aufgeblasene Markenbotschaften und virale Videos. Dann kamen falsche Werbung, Hass und Propaganda, die dem Netzwerk im vergangenen Jahr massiv zusetzten.

In Deutschland zwingt das Netzwerkdurchsetzungsgesetz das soziale Netzwerk zum schnellen Handeln gegen Hass und Fake-News. Andernfalls können hohe Bußgelder drohen – vom weiteren Imageschaden abgesehen. Auch in den USA befindet sich das Unternehmen derzeit im Visier des US-Kongresses. Es geht um russische Einmischung in den US-Wahlkampf 2016. Beiträge von teils gefälschten Nutzerprofilen erreichten rund 126 Millionen Nutzer und damit etwa die Hälfte der US-Wahlberechtigten. Noch in diesem Monat sollen verschiedene Anhörungen im Kongress stattfinden, bei der es um die Rolle von Plattformen wie Facebook, Twitter und der Google-Tochter YouTube bei der Verbreitung von Propaganda gehen soll.

Damit ist laut Facebook-Chef Mark Zuckerberg Schluss. Am Donnerstagabend gab er in einem Facebook-Beitrag bekannt, dass die Plattform in Zukunft wieder persönlicher wird. Mehr Freunde und Familie, weniger Marken und Medien lautet das Credo. Dafür sollen nun schrittweise die zuständigen Algorithmen verändert werden. Das ist eine Abkehr vom bisherigen Modell, in dem Nutzer vor allem Beiträge angezeigt wurden, die zur Interaktion anregen sollten. Doch genau diese interaktiven Beiträge veranlassten

Zuckerberg bereits Anfang des Jahres ein deutliches Ziel für das Jahr 2018 zu formulieren: Die Reparatur von Facebook. Die Wiederentdeckung des Persönlichen könnte nicht nur das nachhaltig verändern, sondern die Unternehmenskassen sogar noch füllen.

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als „Gefällt mir”

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten – Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.

Facebook soll seinen Mitgliedern in Zukunft dabei helfen, bedeutsamere soziale Begegnungen zu haben. Denn das sei besser für die seelische Gesundheit. In einer Pressemitteilung des Unternehmens klingt das so: „Facebook nimmt in den kommenden Monaten Aktualisierungen im News Feed vor, die den Menschen noch mehr Möglichkeiten bieten, mit genau den Personen zu interagieren, die ihnen wichtig sind.“

Mit diesem Update werde man zukünftig die Beiträge priorisieren, was dazu führen soll, dass es mehr Unterhaltungen und bedeutungsvolle Interaktionen auf Facebook geben werde. Heißt auch: Wenn weniger Marken, Medien und politische Gruppen im Newsfeed angezeigt werden, dann dürften auch weniger Propaganda oder organisierte Fake-News möglich sein.

Die Rückkehr ins Private bedeutet für Medien und Marken, dass sie sich weniger auf organische Reichweite verlassen können: Wer auftauchen will, muss zahlen. Und das dürften Unternehmen weiterhin tun. Mit seinen zwei Milliarden Mitgliedern und dem wertvollen Wissen darüber, was denen gefällt und was nicht, bleibt das Netzwerk eine der interessantesten Plattformen für Werbung.

Außerdem seien Werbeanzeigen von den geplanten Modifizierungen nicht betroffen, erklärte Facebook-Vizepräsident John Hegeman. Der Umsatz mit ihnen lag im 3. Quartal 2017 bei mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Und so könnte am Ende die Entscheidung des Netzwerks nicht nur im Sinne die seelischen Gesundheit der Nutzer, sondern der Werbekasse erfolgt sein.

Vorsatz für 2018: Zuckerberg will Facebook reparieren

Vorsatz für 2018

Zuckerberg will Facebook reparieren

Jedes Jahr setzt sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein persönliches Ziel. Sein guter Vorsatz für 2018 ist anders als in den Jahren zuvor. Er zeigt, wie sehr das Netzwerk inzwischen unter politischer Beobachtung steht.

Auch wenn die Veränderungen kurzfristig dazu führen könnten, dass Nutzer weniger Zeit auf der Plattform verbringen: Auf lange Sicht zahlt sich die Rückbesinnung auf private Interaktion für die Mitglieder wie auch Firmen aus, meint der Facebook-Gründer. Da dürfte er recht haben: Denn auch die Werbekunden störten sich in der Vergangenheit an Fake und Hass. Wer will schon mit seinen Anzeigen neben Verschwörungstheorien und Fake-News auftauchen? Dann doch lieber im positiv besetzten Umfeld mit Urlaubserinnerungen und Familienfotos.

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