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26.02.2016

14:18 Uhr

Mark Zuckerberg in Berlin

„Hasskommentare haben keinen Platz auf Facebook“

VonKai-Hinrich Renner, Lars Ophüls, Till Eckert

Datenschutz, Live-Videos, Hasskommentare – das sind einige der Punkte, zu denen Facebook-Nutzer Mark Zuckerberg in Berlin gelöchert haben. Aber auch Tochter Max und Hund Beast waren Thema. Das Liveblog zum Nachlesen.

Der Facebook-Chef beantwortete eine Stunde lang die Fragen der Nutzer. Screenshot

Mark Zuckerberg in Berlin

Der Facebook-Chef beantwortete eine Stunde lang die Fragen der Nutzer.

BerlinEs war für ausgewählte Facebook-Nutzer eine einmalige Gelegenheit: Mark Zuckerberg hat sich ihren Fragen bei einem Townhall-Meeting in Berlin gestellt. Ein wichtiges Thema war der Umgang des sozialen Netzwerks mit Hasskommentaren. Hier die Ereignisse zum Nachlesen.

+++Schluss+++
Nach gut 70 Minuten verlässt der Facebook-Chef die Bühne. Das Publikum wird für Facebook fotografiert. Anwalt Jun konnte seine Frage nicht stellen.

+++Zuckerberg zur Flüchtlingskrise+++
Zuckerberg lobt die Rolle Deutschlands in der Flüchtlingskrise. Er bezeichnet sie als „inspirierend und Vorbild für die ganze Welt“.

+++Zu zahme Fragen?+++
Einige Twitter-Nutzer halten die Fragen an den Facebook-Chef für zu lasch.

+++Die erste Stunde ist um+++

Die ersten Ermüdungserscheinungen zeigen sich im Auditorium. Kai-Hinrich Renner

Abgelenktes Publikum

Die ersten Ermüdungserscheinungen zeigen sich im Auditorium.

+++„Wie kann Facebook die Welt positiv beeinflussen?“+++
Es gebe Probleme auf der Welt, die sich nur lösen lassen, wenn man eine große Gemeinschaft bilde, sagt Zuckerberg. Nach dem Erdbeben in Nepal habe die Facebook-Gemeinde 15 Millionen Dollar gesammelt – die größte Spendenaktion dieser Art.

+++„Wird es jemals einen Dislike-Button geben?“+++
Zuckerberg verweist auf die neuen „Reactions“-Buttons, die das soziale Netzwerk in dieser Woche eingeführt hat. Mehr werde es auf absehbare Zeit wohl nicht geben. Der „Like“-Daumen sei eines der wichtigsten Merkmale des Produkts Facebook, deshalb habe habe man lange und sorgfältig daran gearbeitet, die neuen Buttons zu entwickeln.

+++Deutsche Pünktlichkeit+++
Gefragt nach seinem Zeitmanagement sagt Zuckerberg: „Ich habe großen Respekt vor der deutschen Pünktlichkeit. Wenn ich hier bin, gebe ich mir besonders Mühe, pünktlich zu sein.“

+++Kein Townhall ohne Hundefrage+++
Nun wundert sich schon Zuckerberg über die Qualität einiger Fragen: Erst ging es um seine Tochter, jetzt um seinen Hund „Beast“. Er beantwortet sie aber dennoch recht ausführlich …

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

+++„Wie wolle Sie verhindern, dass Nutzer in eine Filterblase geraten?“+++
Zuckerberg verteidigt soziale Netzwerke: „Die diversesten Medien, die es gibt.“ In einer Zeitung sei das Meinungsspektrum deutlich eingeschränkter. Die „Filterbubble“ auf sozialen Netzwerken hält er für einen Mythos.

+++„Wie fühlt es sich an, Vater zu sein?“+++
Die nächste persönliche Frage für Zuckerberg. „It's awesome“, sagt der Facebook-Chef. Ihn habe überrascht, wie schnell er die Bedürfnisse seiner Tochter Max erkannt habe. Sie gehöre zum Beispiel zu den Babys, die das Baden liebten. Er organisiere deswegen seine Arbeitstage, damit er dafür zuhause sein könne. Max habe ihn komplett um den Finger gewickelt.

+++Herr Zuckerberg, wann kommt denn das neue iPhone?+++

+++Wo Zuckerberg sprachlos wird+++
Große Heiterkeit im Publikum, als eine Frau Zuckerberg fragt, was er tun würde, wäre er Twitter-CEO. Der Facebook-Gründer ist erst einmal sprachlos. „Es gibt keine Möglichkeit, wie ich diese Frage richtig beantworten kann“, sagt er lachend. Dann erklärt er, wie er bei Facebook und Instagram die Verbindung zwischen Nutzern und Prominenten gestärkt hat. Auch deswegen habe Instagram mittlerweile mehr Nutzer als Twitter.

+++Standard-Antworten+++
„This is really important“, wird Zuckerbergs Standard-Antwort, wenn es ein klitzekleines bisschen heikel wird. Das sagte er einem Fragesteller, der etwas zum Thema Hasskommentare wissen wollte. Das bekommt jetzt auch ein junger Mann zu hören, der das Thema Datensicherheit anspricht. Einige im Publikum murren – aber nur ein ganz kleines bisschen. Es ist kaum vernehmbar…

+++Wann sollten Kinder mit Technologie anfangen?“+++
Die perfekte Frage für den frischgebackenen Vater. Er erzählt zunächst, welche Rolle Technologie in seiner Jugend gespielt habe. Er habe zunächst seine eigenen Computerspiele programmiert. Aber angesichts der rasanten Veränderungen müsse das immer wieder neu justiert werden. Seine Tochter Max dürfe sich aber nicht bei Facebook anmelden, bis sie 13 ist – wie in den Regeln vorgeschrieben.

+++Der Applaus nach Zuckerbergs Hatespeech-Ansprache+++

+++Klares Statement+++
„Hasskommentare haben keinen Platz auf Facebook“ sagt Zuckerberg zu dem Thema, dass wohl vielen im Publikum wichtig ist. Der Konzern habe dabei aber noch viel Arbeit vor sich. In Berlin arbeite ein Team von rund 200 Leuten daran, Hasskommentare herauszufiltern. „Wir haben die Botschaft gehört und verstanden.“

+++Live-Videos+++
Ein Fragesteller verwirrt Zuckerberg mit höchst seltsamen Denglisch. Die Halle lacht. Dann bringt er es doch noch heraus: „Werden Videos bald live über Facebook sendbar sein?", fragt der Nutzer. „Yes“ antwortet Zuckerberg und erntet großen Applaus. Jeder solle die Möglichkeit haben, Inhalte zu senden. Facebook arbeite derzeit an der enstprechenden Infrastruktur. Zuckerberg schwärmt von Live-Videos als „rohe, emotionale Mitteilungen aus dem Bauch“. Brave Fragen, braves Publikum, braver Applaus.

+++Zuckerberg über Berlin+++
Für Zuckerberg ist die deutsche Hauptstadt ein ganz besonderer Platz. „Ich fühle mich wirklich zu Hause in Berlin“, sagt er. Ähnlich wie Facebook befinde sich die Stadt in einem stetigen Entwicklungsprozess. „Berlin ist auch nur zu einem Prozent fertig, das ist sehr inspirierend für mich“.

+++Die Spielregeln+++
Zwei Moderatoren sagen auf der Bühne, welchen Themen man keine Fragen stellen darf: zu Firmenanteilen und Übernahmen. Im Übrigen darf, wer einmal draußen ist, nicht mehr raus. Trotzdem gibt es warmen Applaus.

+++Es geht los+++
Das Licht im Saal wird abgedimmt, gleich dürfte Zuckerberg auf die Bühne treten.

+++Noch fünf Minuten - der Saal ist brechend voll+++

+++Keine Frage für Anwalt Jun+++
Anwalt Jun berichtet, dass er, während er auf seinem Platz saß, von zwei Facebook-Mitarbeitern angesprochen worden sei. „Are you the lawyer?“, habe einer wissen wollen. „Yes, I am a lawyer“, habe er geantwortet. Ganz offensichtlich war Jun aber genau der Anwalt, den die beiden gesucht hatten. Jun hat bekanntlich Zuckerberg wegen Volksverhetzung verklagt. Die zwei Facebook-Mitarbeiter haben ihn gebeten, sich während der Veranstaltung ruhig zu verhalten. Offenbar fürchten sie einen Eklat. Jun verspricht keinen Ärger zu machen und darf auf seinem Platz bleiben. Zwei Facebook-Mitarbeiter rahmen ihn ein.

+++Die Bühne ist bereitet+++

So nah kommt die Presse da später nicht mehr ran. Kai-Hinrich Renner

Die Bühne, noch ohne Zuckerberg

So nah kommt die Presse da später nicht mehr ran.

+++Kritischer Anwalt ist dabei+++
Der Würzburger Anwalt Chan-jo Jun, der Zuckerberg wegen Volksverhetzung angezeigt hat, sitzt im Mittelblock in Reihe sieben. Er will Zuckerberg fragen: „Lieber Mark, deutsche und amerikanische Werte unterscheiden sich nicht groß. Es wäre einfach, beide zu respektieren. Würde Facebook sich an deutsches Recht halten, hätten sich alle Beschwerden und Anzeigen, die ich gegen Sie und Ihr Netzwerk angestrengt habe, augenblicklich erledigt. Wäre Facebook nicht ein noch viel großartigerer Ort, wenn dort neben den Gemeinschaftsrichtlinien auch deutsche Gesetze respektiert würden?“

+++Die Presse sitzt hinten+++

Die Presse sitzt bei der Veranstaltung ganz hinten. Alle Getränke wurden zudem am Eingang einkassiert. Kai-Hinrich Renner

Auf den billigen Plätzen

Die Presse sitzt bei der Veranstaltung ganz hinten. Alle Getränke wurden zudem am Eingang einkassiert.

Journalisten dürfen heute übrigens keine Fragen stellen.

+++Wovor hat Zuckerberg Angst?+++

Am Eingang der Berlin Arena, in der das Townhall-Meeting stattfindet, gibt es Sicherheitsvorkehrungen wie am Flughafen. Kai-Hinrich Renner

Sicherheitskontrolle

Am Eingang der Berlin Arena, in der das Townhall-Meeting stattfindet, gibt es Sicherheitsvorkehrungen wie am Flughafen.

+++Live-Übertragung im Stream+++
Um 13 Uhr soll es in der Berlin Arena losgehen. Hier geht es zum Livestream.

Facebook-Gründer in Berlin: Die Zuckerberg-Festspiele

Facebook-Gründer in Berlin

Die Zuckerberg-Festspiele

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat in Berlin den Axel Springer Award erhalten. Der sehr jugendlich wirkende Preisträger macht bei der Veranstaltung eine souveräne Figur – trotz ungewohntem Dress.

++Schulz mahnt zu mehr Datenschutz+++
Der Schutz der Privatsphäre und der Datenschutz werde sicher zentrale Themen der Fragerunde sein. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz forderte Zuckerberg am Donnerstag zum verantwortlichen Umgang mit Nutzerdaten auf. „Wir in Europa messen dem Datenschutz große Bedeutung bei“, sagte Schulz ei einer Preisverleihung für Zuckerberg beim Axel-Springer-Verlag . Wer persönliche Daten nutze, um einen siebenstelligen Gewinn zu erwirtschaften, müsse sicherstellen, dass die Eigentümer ausdrücklich zustimmten.

+++Ohne Hoodie oder T-Shirt+++
Gestern Abend hat Zuckerberg bereits den erstmals verliehenen Axel Springer Award entgegengenommen. Überraschenderweise kam der Facebook-Chef zu der Gala im anthrazitfarbenen Anzug. Für das Townhall-Meeting in Berlin dürfte der Facebook-Chef aber wohl wieder sein bewährtes graues T-Shirt wählen.

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