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30.10.2014

15:26 Uhr

Markenrecht

Warum Apple Watch nicht iWatch heißt

Noch bevor Apple seine Smartwatch vorstellte, hatten die Fans bereits einen Namen dafür auserkoren: iWatch. Als das Gerät als „Apple Watch“ vorgestellt wurde, waren viele überrascht – nur einer nicht.

Apples Smartwatch wurde ein unerwarteter Name verpasst: die „Apple Watch“. Reuters

Apples Smartwatch wurde ein unerwarteter Name verpasst: die „Apple Watch“.

Der Name für Apples Smartwatch überraschte viele. Warum wurde das Gerät nicht iWatch genannt, sondern „Apple Watch“? Daniele Di Salvo weiß warum. Sein kleines in Dublin beheimatetes Studio für Softwareentwicklungen besitzt nämlich die Markenrechte für iWatch in der Europäischen Union – und er hatte Apple und andere Firmen davor gewarnt, den Namen zu benutzen.

Di Salvo, ein 50-jähriger italienischer Unternehmer, hat Probendi im Jahr 2007 mitgegründet. Sein Unternehmen entwickelt eine Anwendung, die iWatch genannt wird und die verschiedenen Geräten dabei hilft, miteinander zu kommunizieren. Die Polizei in Vercelli, einer kleinen Stadt im Norden Italiens, nutzt diese Anwendung beispielsweise auf ihren Smartphones, um Fahndungsfotos ans Hauptquartier zu senden.

Probendi hat einen Markenantrag für iWatch eingereicht, der sowohl EDV-Geräte als auch Software umfasst und am 3. August 2008 in Kraft getreten ist, wie Di Salvo telefonisch in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärte.

„Probendi ist die einzige Gesellschaft, die zur Nutzung des Namens 'iWatch' für Produkte wie die 'Apple Watch' in der Europäischen Union berechtigt ist“, erklärt Di Salvo. Das Unternehmen werde „unverzüglich alle angemessenen rechtlichen Schritte einleiten, um gegen eine unbefugte Nutzung vorzugehen“.

Patentkriege haben Tech-Giganten wie den iPhone-Hersteller Apple schon öfter in langwierige Gerichtsverfahren verwickelt; doch sich im globalen Markenrechtssystem zurechtzufinden kann ebenso anstrengend sein. So verklagte Apple Amazon.com Inc. wegen der Nutzung des Begriffs „Appstore“ für seinen Kindle-Software-Marktplatz, was einen zwei Jahre langen Rechtsstreit nach sich zog, der letztlich beigelegt wurde. Amazon nutzt den Namen noch heute. Ein Vertreter von Apple reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme von Bloomberg.

Im Jahr 2012 zahlte Apple 60 Mio. Dollar, um eine markenrechtliche Auseinandersetzung in China wegen der Nutzung des Begriffs „iPad“ beizulegen. 2006 stellte der damalige Konzernchef Steve Jobs ein Produkt mit dem Namen „iTV“ vor. Als das Gerät schließlich auf den Markt kam, hieß es jedoch „Apple TV“. Grund dafür waren damals Einwände des britischen Fernsehsendernetzwerks ITV gegen die Namensgebung der Set-Top- Box.

Apple gegen Samsung – die Chronologie

Weltweite Auseinandersetzung

Der 2011 verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs hatte einen Patentkrieg mit Samsung losgetreten – er warf dem Konkurrenten vor, das iPhone zu kopieren. Gut zwei Jahre nach dem Start der Auseinandersetzung ist trotz Etappensiegen beider Seiten keine Ende der weltweiten Auseinandersetzung in Sicht. Eine Chronik der wichtigen Meilensteine.

Herbst 2010: Warnschuss von Apple

Apple warnt Samsung, dass es in Design und Bedienung neuer Smartphone-Modelle der Südkoreaner eine zu große Ähnlichkeit zu seinem iPhone sieht. Gespräche über Patentlizenzen bleiben erfolglos.

April 2011: Klage in Kalifornien

Apple reicht eine Patentklage gegen Samsung in Kalifornien ein. Samsung kontert mit eigenen Vorwürfen. Es ist der Anfang eines Patentkriegs, der sich schließlich auf rund 50 Verfahren in fast einem Dutzend Länder auswächst.

August 2011: Deutschland im Mittelpunkt

Deutschland wird zu einem wichtigen Schauplatz des Konfliktes. Apple gelingt es über Monate, ein Samsung-Tablet unter Hinweis auf ein Design-Muster aus der Zeit der iPad-Entwicklung vom Markt fernzuhalten. Im Berufungsverfahren gewinn Samsung die Oberhand.

Oktober 2011: Tim Cook übernimmt

Jobs stirbt an den Folgen einer langwierigen Krebserkrankung. Der neue Apple-Chef Tim Cook führt den Patentkrieg fort, auch wenn er sich mehrfach von Jobs' harter Linie distanziert.

Mai 2012: Einigung scheitert

Apple und Samsung versuchen auf Anordnung des Gerichts, den Streit in Gesprächen auf höchster Ebene beizulegen – ohne Erfolg.

August 2012: Großer Sieg für Apple

Apple erzielt den bisher größten Sieg. Kalifornische Geschworene sprechen dem US-Konzern gut eine Milliarde Dollar Schadenersatz zu und schmettern alle Vorwürfe von Samsung ab. Apple konnte bisher aber kaum von dem Urteil profitieren: Verkaufsverbote lehnte das Gericht ab, zudem soll über 450 Millionen Dollar neu verhandelt werden, weil die Geschworenen Fehler gemacht hätten.

Juni 2013: Samsung schlägt zurück

Samsung gelingt ein Konter bei der Handelskommission ITC. Sie verfügt ein US-Importverbot für fünf ältere Modelle von iPhone und iPad. Davon ist zumindest das iPhone 4 noch wichtig. Präsident Barack Obama hat 60 Tage Zeit den Einfuhrstopp in Kraft zu setzen oder mit einem Veto zu kippen.

Probendi will von seinen Rechten vollumfänglich Gebrauch machen und plant die Entwicklung eines eigenen am Körper zu tragenden Geräts mit dem Namen iWatch. Di Salvo geht davon aus, dass es die Android-4.4-Software von Google Inc. benutzen wird und einen quadratischen Bildschirm mit Berührungseingabe besitzen wird. Auch GPS, ein Beschleunigungsmesser für Fitness- Programme und andere Anwendungen werden demnach ins Auge gefasst.

Di Salvo reist durch China, um einen Hersteller für seine iWatch zu finden, die Apple unterbieten soll. Denn der Preis seines Geräts soll niedriger sein als die 349 Dollar, die man für eine Apple Watch hinblättern muss.

Seit Apple seine Smartwatch am 9. September vorgestellt hat, sind die Aktien des im kalifornischen Cupertino ansässigen Unternehmens im New Yorker Handel um mehr als neun Prozent auf einen Schlusskurs am Mittwoch von 107,34 Dollar gestiegen.

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