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30.09.2015

17:35 Uhr

Markenstreit

Wem gehört Winnetou?

VonCatrin Bialek

Um die Marke „Winnetou“ ist ein skurriler Markenstreit entbrannt. Sowohl der Karl-May-Verlag als auch Constantin Film beanspruchen das Erbe des fiktiven Indianerhäuptlings. Vor Gericht rauchten erneut die Colts.

Knapp 50 Jahre nach dem Kinoabenteuer gibt es Streit um die Marke. dpa

Pierre Brice als Winnetou

Knapp 50 Jahre nach dem Kinoabenteuer gibt es Streit um die Marke.

DüsseldorfAm Ende musste Winnetou sterben. In einem letzten Schusswechsel warf er sich schützend vor seinen besten Freund Old Shatterhand – und bezahlte die Heldentat mit seinem Indianerleben. So muss wahre Männerfreundschaft sein.

Knapp 50 Jahre nach dem letzten Kinoabenteuer tobt ein heftiger Markenstreit um die Romanfigur, die einst der 1842 in Sachsen geborene Schriftsteller Karl May erfand. Der Karl-May-Verlag in Bamberg steht auf der einen Seite der juristischen Prärie, Constantin Film aus München auf der anderen. Wem gehört Winnetou wirklich? Diese Frage verhandelte am Mittwoch das Gericht der Europäischen Union, das beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg angesiedelt ist. Das Urteil wird allerdings erst in ein paar Monaten erwartet.

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Der Streit um die Marke „Winnetou“ ist jahrzehntealt. 2002 entschied der Bundesgerichtshof, dass der Karl-May-Verlag die Rechte am Namen des Rotblutes nicht für sich monopolisieren kann. Die Richter wiesen eine Beschwerde ab, mit der sich ein mit dem Verlag verbundenes Unternehmen den exklusiven Markenschutz an der Bezeichnung „Winnetou" sichern wollte.

Doch nur ein Jahr später erwirkte das Unternehmen einen EU-weiten Schutz der Marke: Der Karl-May-Verlag hatte 2003 das Wortzeichen „Winnetou“ gesichert – als Gemeinschaftsmarke für Waren und Dienstleistungen fast jeder erdenklichen Art: Filme, Spielwaren und Textilien, aber auch Körperpflegemittel, Schmuck, Konfitüren, Tee, Veranstaltungen, Beherbergungen.  

Da Winnetou aber nicht nur literarisch, sondern auch kommerziell gesehen eine interessante Figur ist, beantragte Constantin Film 2010 die Nichtigerklärung dieser Marke – und hatte damit weitgehend Erfolg. Das Markenamt hob den Markenschutz für fast alle Kategorien wieder auf. Der deutsche Verbraucher denke bei Winnetou an „einen fiktiven, edlen und guten Indianerhäuptling“, deshalb sei die Marke wenig aussagekräftig, befand das Amt damals.

Doch dagegen wehrt sich zurzeit der Bamberger Verlag, der das literarische Erbe Karl Mays pflegt und schon mehr als 80 Millionen Karl-May-Bände verkauft hat. Berühmtheit hatte die kämpferische Romanfigur auch durch die Verfilmungen mit dem kürzlich verstorbenen Pierre Brice erlangt. Vor dem EU-Gericht lieferten sich am Mittwoch Juristen von Constantin Film und vom Karl-May-Verlag einen Schlagabtausch.

Dass Constantin Film so großes Interesse an der Indianerfigur hat, liegt an einem aktuellen Filmprojekt seines Tochterunternehmens Rat-Pack-Filmproduktion: In diesem Sommer starteten die Dreharbeiten für eine Winnetou-Neuverfilmung für den TV-Sender RTL. In der Hauptrolle der weitgehend unbekannte Schauspieler Nik Xhelilaj.

Bernhard Schmid, Geschäftsführer des Karl-May-Verlags, sagte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, er habe das Drehbuch der RTL-Produktion gelesen – es sei nicht „frei nach Karl May“, sondern „frei von Karl May“.

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