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19.02.2012

12:11 Uhr

Marketingcoup

Maserati als Nebendarsteller

VonCarsten Herz

Im Film „Ziemlich beste Freunde“ taucht immer wieder ein Gefährt der Luxusmarke Maserati auf. Gute Werbung - dabei hat der Hersteller nicht einmal dafür gezahlt.

Kiffen, Rasen, Frauen: Im Film „Ziemlich beste Freunde“ bringt Pfleger Driss (l) neue Energie in das langweilige Leben des Querschnittsgelähmten Philippe. Die Schauspieler: François Cluzet (m) und Omar Sy (l). dpa

Kiffen, Rasen, Frauen: Im Film „Ziemlich beste Freunde“ bringt Pfleger Driss (l) neue Energie in das langweilige Leben des Querschnittsgelähmten Philippe. Die Schauspieler: François Cluzet (m) und Omar Sy (l).

FrankfurtGiulio Pastore hat eine seltene Gabe. Der Manager des italienischen Nobelherstellers Maserati versteht offensichtlich nicht nur etwas von Autos – sondern auch von Filmen. Als die Filmfirma Splendido Anfang vorigen Jahres bei dem 39-Jährigen anfragte, ob sie für ihre Produktion einen Maserati bekommen könnte, tat Pastore etwas, um das ihn Wettbewerber später beneiden sollten.

Der für die Region Zentral- und Nordeuropa zuständige Manager las das Drehbuch und stellte dann für einen Monat den Regisseuren Eric Toledano und Olivier Nakache das viertürige Fünf-Meter-Auto Maserati Quattroporte bereit. Ein kleiner Product-Placement-Deal ohne weitere Kosten für die italienische Nobelmarke, mit dem Pastore jedoch einen Coup gelandet hat.

Denn der Film der französischen Produktionsfirma heißt „Ziemlich beste Freunde“ – und hat sich zum größten Überraschungserfolg des europäischen Kinos im laufenden Jahr entwickelt. Allein in Frankreich wollten 16 Millionen Menschen den Film sehen, in Deutschland sind es bislang vier Millionen.

Ein Maserati Quattroporte. Die Preisliste beginnt bei 114.000 Euro. Reuters

Ein Maserati Quattroporte. Die Preisliste beginnt bei 114.000 Euro.

Ausgerechnet ein italienisches Luxusauto ist so zum wichtigsten Nebendarsteller im erfolgreichsten französischen Film der vergangenen Jahre geworden. Denn schon eine der ersten Szenen gehört dem Auto. Bei Nacht in Paris sind die beiden Hauptdarsteller in einem schwarzen Quattroporte unterwegs, viel zu schnell – und rote Ampeln ignorierend.

Der Fahrer hat offenbar viel Spaß. Laut klingt die Musik der amerikanischen Popband Earth Wind & Fire aus dem Radio. Es dauert nicht lange, bis die Polizei mit Blaulicht hinter dem Wagen her ist. Doch die Ordnungshüter jagen keinen betrunkenen Investment-Banker, sondern einen querschnittsgelähmten Reichen – und seinen lebenslustigen Gehilfen aus dem Sozialhilfemilieu. Im Original heißt der Film „Intouchables“, die Unberührbaren, denn der Wagen und seine Insassen sind zugleich auch ein Abbild der Pariser Klassengesellschaft, wie es in einer Komödie so bislang noch nicht zu sehen war.

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