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31.01.2007

14:46 Uhr

Markt für Produktionsfirmen in Bewegung

Madsack und ARD kaufen RTL-Lieferanten

VonH.-P. Siebenhaar und G. Lipinski

Die Verlagsgruppe Madsack und die ARD-Tochter Studio Hamburg haben überraschend das Medienunternehmen AZ Media gekauft. Die Kölner Firma ist einer der wichtigsten für den Privatsender RTL. Branchenkenner erwarten nun weitere Übernahmen.

DÜSSELDORF/HAMBURG. Überraschend haben die Verlagsgruppe Madsack („Hannoversche Allgemeine Zeitung“) und die ARD-Tochter Studio Hamburg das Medienunternehmen AZ Media gekauft. Die Kölner Firma ist einer der wichtigsten Lieferanten für den Privatsender RTL. „Mit dieser Akquisition unterstreichen wir unsere Wachstumsstrategie im TV-Bereich“, sagt Herbert Flecken, Vorsitzender der Madsack-Geschäftsführung. Wie viel Studio Hamburg und Madsack für das Unternehmen an den bisherigen Eigentümer André Zalbertus gezahlt haben, ist unklar. Der Übernahme müssen noch das Kartellamt und die Medienaufsicht KEK zustimmen.

Der bisherige AZ Media-Eigentümer Zalbertus will sich offenbar ganz auf den Lokalsender Center TV in Düsseldorf und in Köln zurückziehen, heißt es in RTL-Kreisen. Zalbertus war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Das Heimatfernsehen erreicht in Köln 750 000 Haushalte. „Center TV hat sich in Köln schnell eine außergewöhnliche Popularität aufgebaut“, sagte gestern ein örtlicher Filmexperte.

Der Einstieg bei AZ Media erfolgt über das Medienunternehmen TVN. Studio Hamburg, eine Tochter des ARD-Senders Norddeutscher Rundfunk (NDR) und der Zeitungsverlag Madsack betreiben diese Firma gemeinsam in Hannover. Madsack hält 70 Prozent der Anteile, 30 Prozent sind im Besitz der NDR-Tochter. Der Zukauf über die gemeinsame Tochter TVN stärkt die Marktposition des Dienstleisters. AZ Media ist bereits an den Fernsehstandorten Berlin, Köln und Hamburg präsent. Die Gesellschaft produziert seit 1995 für alle Sender Magazine, Reportagen, Dokumentationen und Soaps.

Ursprünglich wollte das Düsseldorfer Zeitungsunternehmen Rheinische Post AZ Media übernehmen. Warum das Geschäft doch noch gescheitert ist, blieb am Dienstag unklar. Die Geschäftsführung der Rheinischen Post war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Zeitungsverlag war erst im Sommer vergangenen Jahres beim Lokalsender Center TV in Düsseldorf eingestiegen. Die Rheinische Post erwarb 30 Prozent der Anteile. AZ Media hält 49 Prozent.

Das Technikgeschäft gewinnt angesichts der Digitalisierung an Bedeutung. AZ Media bietet nicht nur Beratung und Schulungen für Video-Reporter an, sondern betreibt auch die RTL-Studios in Hamburg und Berlin und entwickelt digitale Sendezentren. Derzeit ist der deutsche Markt für TV-Produktionsfirmen erheblich in Bewegung. So steht offenbar auch die börsennotierte Filmfirma MME Moviement vor einer Übernahme durch Investoren. Gründe für das Interesse sind die wachsende Nachfrage der TV-Sender nach Inhalten sowie die steigenden Werbeeinnahmen im Fernsehen.

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