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11.04.2013

18:21 Uhr

Markt-Übermacht

Google bietet im Kartellstreit mit EU Zugeständnisse an

Seit 2010 läuft ein Verfahren bei der EU-Kommission gegen den Suchmaschinenbetreiber. Offenbar will Google dies jetzt zu einem gütlichen Ende bringen, um Strafen zu vermeiden. Ein Markttest soll nun Gewissheit bringen.

Schild an der Google-Zentrale in Mountain View, Kalifornien: In den Kartellstreit mit der EU-Kommission kommt offenbar Bewegung. ap

Schild an der Google-Zentrale in Mountain View, Kalifornien: In den Kartellstreit mit der EU-Kommission kommt offenbar Bewegung.

BrüsselIn den seit zwei Jahren andauernden Kartellstreit zwischen der EU und Google kommt Bewegung. Der US-Konzern habe formale Zugeständnisse gemacht, teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit. Details wurden zunächst nicht genannt. Experten vermuteten, dass Google möglicherweise doch ohne Strafe das Verfahren beenden könnte.

Wettbewerber werfen dem weltgrößten Suchmaschinenanbieter vor, seine Marktmacht zu missbrauchen. Laut der Forschungsgruppe comScore hat Google allein in Europa einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent, vor Konkurrenten wie Microsofts Bing und Yahoo. Bereits im Januar soll Google erste Vorschläge vorgelegt haben, um das Verfahren zu einem gütlichen Ende zu bringen. Kreisen zufolge gehörte dazu das Angebot, Werbekunden weniger Auflagen zu erteilen und eigene Dienste bei den Suchmaschinen-Ergebnissen gesondert hervorzuheben.

Ein Markttest soll nun Aufschluss darüber bieten, ob die Zugeständnisse ausreichend sind. „Wir bereiten derzeit einen Markttest vor, um Feedback von anderen Akteuren, darunter auch den Beschwerdeführern, zu den Vorschlägen bekommen zu können“, sagte Kommissionssprecher Antoine Colombani. Von den Ergebnissen ist abhängig, ob die Zugeständnisse akzeptiert werden.

Die EU-Kommission eröffnete Ende 2010 ein Verfahren gegen den Suchmaschinenbetreiber. Mehrere Konkurrenten, darunter Microsoft, hatten sich über Geschäftspraktiken beschwert. Dazu gehörten auch die US-Online-Reiseanbieter Expedia und TripAdvisor sowie die britische Preis-Vergleichsseite Foundem. Demnach rückt Google bei seiner Suchmaschine auf unfaire Weise eigene Dienste in den Vordergrund. Auch schließe Google Knebelverträge mit Werbekunden ab, so dass diese keine Anzeigen mehr bei anderen Anbietern schalten könnten, hatte die Kommission moniert.

Google Glass

Prestigeprojekt des Gründers

Die Datenbrille ist für den Internet-Konzern ein Prestigeprojekt – Mitgründer Sergey Brin kümmert sich darum persönlich. Seine Vision: Mithilfe des kleinen Bildschirms soll das Internet noch nahtloser in den Alltag integriert werden, etwa indem dort Informationen wie Wegbeschreibungen, E-Mails oder das Wetter eingeblendet werden.

Erste Geräte für Tester

Google Glass war anfangs noch nicht reif für den Massenmarkt, Google versorgte einige Tausend Testnutzer mit Brillen. Sie mussten 1500 Dollar plus Steuern zahlen. Im April will der Konzern das Gerät in den freien Verkauf geben, allerdings nur in den USA und in begrenzter Stückzahl.

Olympus arbeitet an Datenbrille

Auch andere Unternehmen arbeiten an einer Datenbrille, etwa Olympus und Epson. Allerdings richten sich die Konkurrenzmodelle nicht unbedingt an Privatnutzer, sondern eher an Unternehmen, die eines Tages etwa Lagerarbeiter damit ausstatten könnten.

Andere tragbare Computer

Andere Anbieter arbeiten ebenfalls an tragbaren Geräten, die sich mit dem Computer verbinden können. So haben diverse Unternehmen, darunter Samsung, Sony und das Start-up Pebble, Smartwatch-Modelle im Angebot, die Nachrichten auf einem kleinen Monitor am Handgelenk anzeigen und ermöglichen, auf Anrufe zu reagieren.

Unternehmen können bei Verstößen gegen EU-Recht mit Strafen belegt werden, die maximal zehn Prozent des Jahresumsatzes betragen. Bei Google wären das rund vier Milliarden Dollar.

Von

rtr

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