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10.07.2014

13:26 Uhr

Markt wächst wieder leicht

PC-Hersteller hoffen auf Ende der Krise

Es waren schwierige Zeiten für Hewlett-Packard, Lenovo, Dell und Co: Der PC-Markt schrumpfte zuletzt rasant, weil die Käufer Smartphones und Tablets vorzogen. Doch nun stabilisiert sich der Markt – auch dank Windows XP.

Noch sind die PCs gegenüber Laptops und Tablets nicht ganz verloren. dpa

Noch sind die PCs gegenüber Laptops und Tablets nicht ganz verloren.

DüsseldorfDer PC-Markt zeigt nach zwei schwachen Jahren erste Anzeichen einer Erholung. Nach Erhebungen des Marktforschers Gartner stagnierte der Absatz im zweiten Quartal praktisch (+0,1 Prozent), die Analysten von IDC gehen von einem moderaten Rückgang von 1,7 Prozent aus. „Es ist aber noch ein langer Weg zur Stabilisierung“, sagte Gartner-Analyst Ranjit Atwal im Gespräch mit Handelsblatt Online. Der Markt war zuletzt deutlich geschrumpft, vor allem weil die Kunden lieber Smartphones und Tablets kauften.

75,8 Millionen Geräte setzten Lenovo, Hewlett-Packard, Dell und Co laut Gartner insgesamt ab, IDC kommt auf 74,4 Millionen Geräte. Das chinesische Unternehmen Lenovo hat seinen Vorsprung ausgebaut und kommt weltweit auf einen Marktanteil von 19,2 Prozent vor Hewlett-Packard mit 17,7 Prozent. In Europa liegen die Amerikaner mit 20,5 Prozent vorn.

Alles rund um Windows XP

System mit langem Leben

Windows XP ist langlebig: Microsoft brachte es im Herbst 2001 auf den Markt. Den Verkauf stoppte der Hersteller erst 2008, billige Notebooks mit dem System gab es sogar noch länger. Weltweit läuft es noch auf 14 Prozent der Computer, in Deutschland liegt der Marktanteil im einstelligen Bereich.

Stabiler und einfacher

Microsoft gelang mit Windows XP ein großer Schritt nach vorne: Der Software-Riese gestaltete sein wichtigstes Produkt stabiler und benutzerfreundlicher. Im Nachhinein führte er außerdem mit Hilfe von Service Packs wichtige neue Funktionen wie eine Firewall ein, die das System verbesserten.

Ende nach fast 13 Jahren

Am 8. April 2014 stellt Microsoft endgültig den Support ein. Das bedeutet, dass der Hersteller keinen Kundendienst mehr bietet, aber auch Sicherheitslücken nicht mehr schließt. Gerade das ist für Anwender gefährlich. Gewerbliche Kunden können gegen Aufpreis einen Zusatzvertrag abschließen, um Schwachstellen noch zu schließen.

Einsatz in Fabriken und Geldautomaten

Windows XP und eine modifizierte Variante des Betriebssystems kommen nicht nur auf Computern zum Einsatz, sondern etwa auch in Fabriken und Geldautomaten. Die Umstellung betrifft also weit mehr Firmen, als man auf den ersten Blick denken mag.

Zeit für die Umstellung

Microsoft rät zur Umstellung von Windows XP auf eine moderne Variante seines Betriebssystems – natürlich nicht ganz uneigennützig. Doch auch unabhängige Experten raten dringend von XP ab, etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Als Alternativen empfiehlt die Behörde entweder ein aktuelles Windows oder Linux; wer auf Apple aufsteigen will, kann auch einen Rechner mit Mac OS kaufen.

Nicht alle Bundesländer sind fertig

Auch Behörden müssen ihre Rechner umrüsten – und sind damit teilweise überfordert. Die meisten Bundesländer haben ihre Verwaltungen und Landtage bereits umgerüstet: Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland beispielsweise. Andere Länder wollen die Migration zum 8. April abgeschlossen haben, etwa Thüringen. Niedersachsen und Berlin brauchen dagegen noch mehrere Monate.

Vor allem in den Industrieländern lief das Geschäft der PC-Hersteller wieder besser. Viele Unternehmen müssen das veraltete Betriebssystem Windows XP ersetzen, das Microsoft nicht mehr unterstützt, und schaffen gleich neue Hardware an. Das sei nicht nur ein Strohfeuer, die Firmen wollten auch weiterhin nicht auf PCs verzichten.

Die Verbraucher greifen immer häufiger zu dünnen und leichten Notebooks, sogenannten ultramobilen Geräten: Der Verkauf steigt nach Einschätzung von Gartner auf 32,25 Millionen Geräte in diesem Jahr. „Die Hersteller brauchten zwei bis zweieinhalb Jahre, um sich auf diese Produktkategorie umzustellen“, sagte Analyst Atwal. Gleichzeitig habe Microsoft Verbesserungen an seinem Betriebssystem Windows 8 vorgenommen. Deswegen sei mit einem weiterem Wachstum zu rechnen.

„Gerade in Westeuropa erlebt der PC-Markt ein Revival“, so Atwal. Auch der wichtige US-Markt legte kräftig zu. Dagegen tun sich Lenovo und Co in den Schwellenländern weiter schwer. Dort macht sich der Preiskrieg bei billigen Tablets bemerkbar, für die viele Nutzer Geld ausgeben, statt sich einen neuen PC zu kaufen. Dieser Trend wird nach Einschätzung von Gartner in den nächsten Monaten anhalten, so dass die Geschäfte in China oder Indien auch weiterhin schwach laufen werden.

Für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika errechnete Gartner ein kräftiges Plus von 8,6 Prozent auf 22,5 Millionen verkaufte Geräte. Konkrete Zahlen für Europa gebe es noch nicht, aber es könnte auch ein Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich gewesen sein, sagte Atwal. In Asien hingegen fiel der PC-Absatz um 9,5 Prozent auf 24,6 Millionen Geräte. Zum einen sei die Region erst später in die PC-Absatzkrise gekommen, erklärte Atwal. Zugleich verzichteten gerade dort viele Menschen ganz auf einen PC zu Gunsten von Smartphones mit großen Bildschirmen und Tablets. Dieser Trend sei auch in vielen Schwellenländern zu beobachten.

Von

chk

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