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18.07.2014

07:02 Uhr

Massenentlassungen

Die Demontage von Nokia

VonAxel Postinett

Mit der größten Entlassungswelle der Unternehmensgeschichte beginnt Microsoft mit der Zerlegung von Nokia. Viele Zukunftspläne des einstigen Mobilriesen werden gleich mit beerdigt.

Nokia hat den Einstieg in das Smartphone-Geschäft verpasst - und braucht nun schnelle Erfolge. dpa

Nokia hat den Einstieg in das Smartphone-Geschäft verpasst - und braucht nun schnelle Erfolge.

San FranciscoBei Microsoft regiert wieder Windows alleine. Nokia wird zur ausgelagerten Entwicklungsabteilung. Von anfänglich 25.000 Nokia-Mitarbeitern bekommen in den kommenden Monaten erst einmal 12.500 die Papiere. Aber das wird nicht das Ende sein. CEO Satya Nadella hat ein Vorbild: Google. Nach der Akquisition von Motorola verloren dort zuerst knapp 20.000 Menschen ihren Job, bevor die Reste verkauft wurden. Wenn Windows-Smartphones nicht schnell Erfolge zeigen, ist der Weg vorgezeichnet.

„Unsere Plattform brennt“: Stephen Elop als neuer CEO sparte 2011 nicht mit martialischen Worten, als es darum ging seinen Nokia-Mitarbeitern klar zu machen, warum sie keine Wahl hatten als ins kalte Wasser zu springen und auf Microsoft zu setzen. Nokia sprang - und landete in einem brennenden Rettungsboot. Jetzt sinkt es. Die einfachen Nokia-Telefone mit Symbian und Asha-Software laufen aus, heißt es in einer internen E-Mail von Jo Harlow, die das Geschäft jetzt leitet.

Das ist nur konsequent und überrascht niemanden. Symbian ist in der Tat als Betriebssystem tot, und die darauf aufbauende Asha-Plattform hat keine Zukunft. Im ersten Quartal 2014 brach der Umsatz der Sparte um 30 Prozent ein, hauptsächlich, weil die Einfach-Telefone nicht mehr laufen. Schon Mitte 2013, so die Analysten von Gartner, wurden weltweit erstmals mehr Smartphones als einfache Handy, sogenannte „Feature Phones“, verkauft.

Aber die junge Android-Serie Nokia X wird ebenfalls eingestampft. Das überrascht bei einem Android-Marktanteil von knapp 80 Prozent in Schwellenländern. Diese gewaltigen Wachstumsmärkte gehören jetzt wieder alleine dem Android der Anderen. Die X-Hardware wird bleiben, bestätigte eine Sprecherin auf Anfrage, aber sie bekommt Windows-Software. Damit nimmt Microsoft zum zweiten Mal  seit „Kin“ in 2010 eine Smartphone-Plattform nach nur wenigen Monaten vom Markt. Schließt man Windows Phone 7 mit ein, ist es das dritte Mal. Das nennt man nicht gerade eine vertrauensbildende Maßnahme, auch wenn es als solche gedacht ist. Nadellas Botschaft:  Da ist kein „Plan B“. Microsofts Schicksal ist ohne Gnade mit Windows Phone verbunden.

Damit muss nun auch Nokia leben. Bei einem globalen Marktanteil für Windows-Phone von rund vier Prozent ist schwer erkennbar, wo für die verbliebenen 12.500-Nokia-Angestellten eine Zukunft ist. Es sei denn, es gelingt der schnelle Durchbruch.

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