Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.11.2011

06:31 Uhr

Massive Einwände

Telekom und AT&T können Teilerfolg nur kurz genießen

Die US-Regulierungsbehörde gönnt der Deutschen Telekom einen Teilerfolg in den USA. Doch nun gibt es beim Verkauf der US-Tochter an AT&T den nächsten Schock: Die Einwände der Aufseher gehen weiter als gedacht.

Die guten Nachrichten für AT&T und die Telekom hielten nicht lange an. dpa

Die guten Nachrichten für AT&T und die Telekom hielten nicht lange an.

New York/WashingtonIm Ringen um den Verkauf von T-Mobile USA an AT&T hat die US-Telekommunikationsaufsicht FCC den Rückzug des Zulassungsantrags genehmigt. Die Unternehmen könnten ohne weiteres einen neuen Antrag einreichen, sagte ein FCC-Sprecher am Dienstag.

Die Deutsche Telekom und AT&T hatten angekündigt, sie wollten an dem Geschäft festhalten und sich zunächst auf das vom US-Justizministerium angestrengte kartellrechtliche Gerichtsverfahren konzentrieren. Damit setzen die Unternehmen alles auf eine Karte: Wenn die zuständige Richterin Ellen Huvelle im Prozess gegen das Justizministerium ein günstiges Urteil fällt, muss auch die FCC einlenken, so die Kalkulation von Telekom und AT&T.

Doch kurz nach dieser positiven Nachricht kam der nächste Hammer: Die Einwände der US-Regulierer gegen einen Verkauf der Telekom-Tochter T-Mobile USA an AT&T gehen noch viel weiter als bisher bekannt. Die Telekommunikations-Behörde FCC veröffentlichte in der Nacht zum Mittwoch einen mehr als 100-seitigen Bericht, der das volle Ausmaß der Bedenken offenlegt. So kamen die FCC-Experten zu dem Schluss, dass der Milliarden-Deal in so gut wie allen wichtigen US-Regionen den Wettbewerb verringern und damit höhere Preise für Verbraucher bedeuten könnte. Außerdem fand die Behörde keine Belege dafür, dass mit der T-Mobile-Übernahme neue Jobs entstehen würden und Kunden ein besseres Netz bekämen.

AT&T und die Deutsche Telekom hatten die 39 Milliarden Dollar schwere Übernahme im März eingefädelt. Für beide geht es um viel: Die Telekom würde ein chronisches Problem loswerden, AT&T dringend benötigte neue Frequenzen bekommen. Der Deal stieß jedoch von Beginn an auf Zweifel der Kartellwächter. Das US-Justizministerium klagte wegen einer Verletzung von Wettbewerbsregeln. Als auch der massive Widerstand der FCC offensichtlich wurde, zogen die Unternehmen den Genehmigungsantrag bei dem Telekom-Regulierer vergangene Woche vorerst zurück.

T-Mobile ist der drittgrößte Mobilfunk-Anbieter in den USA, AT&T würde mit dem Deal zur klaren Nummer eins vor Verizon Wireless. Ein Scheitern der Übernahme, das jetzt immer wahrscheinlicher erscheint, könnte für AT&T richtig teuer werden: Der US-Konzern müsste der Deutschen Telekom dann sechs Milliarden Dollar zahlen, in Form von Bargeld und Mobilfunk-Frequenzen. AT&T stellt jetzt bereits vier Milliarden Dollar dafür zurück.

Die FCC hat auch Zweifel, dass heutige kleinere Mobilfunk-Anbieter erfolgreich den Platz von T-Mobile USA als Nummer drei im Markt einnehmen können. Marktbeobachtern zufolge könnten AT&T und T-Mobile gezwungen sein, in großem Stil Kunden an Mini-Konkurrenten wie Leap Wireless abzugeben, um den Deal noch zu retten.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

herman

30.11.2011, 07:52 Uhr

In den USA können im Gegensatz zu Deutschland Kartelle bzw. Oligopole auch von den Kartellbehörden schadenersatzfrei aufgelöst werden. Eine Erfahrung, die die Dt. Telekom wohl noch machen und finanziell als Verlust bereinigen muss

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×