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06.03.2014

09:31 Uhr

Medien

Axel Springer verstärkt Umbau zum Digitalkonzern

Online statt Print: Der Medienkonzern Axel Springer baut kräftig um – und nimmt dafür viel Geld in die Hand. Wegen der Investitionen fiel der Gewinn 2013 niedriger aus als im Vorjahr. Dennoch steigt die Dividende.

Der Axel-Springer-Verlag profitiert vom Geschäft rund um das Internet. dpa

Der Axel-Springer-Verlag profitiert vom Geschäft rund um das Internet.

BerlinDas Medienhaus Axel Springer („Bild“, „Die Welt“) nimmt für den Umbau zum Digitalkonzern auch rückläufige Ergebnisse in Kauf. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging 2013 wegen der Investitionen in den Ausbau des Digitalgeschäfts um 8,9 Prozent auf 454,3 Millionen Euro zurück, wie Springer am Donnerstag in Berlin mitteilte. Vor allem Ausgaben für neue Online-Bezahlmodelle bei den Tageszeitungen „Welt“ und „Bild“ schlugen zu Buche. Der Konzernumsatz legte um 2,3 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu.

Der bereinigte Konzernüberschuss aus fortgeführten Aktivitäten lag bei 229,8 (Vorjahr: 258,6) Millionen Euro. In den Zahlen sind nicht mehr die Aktivitäten der „Berliner Morgenpost“ sowie des „Hamburger Abendblatts“ sowie von Frauen- und TV-Zeitschriften enthalten. Sie sollen von der Funke Gruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“) übernommen werden.

„2013 war für Axel Springer ein Jahr des Wandels, des Umbruchs und des Aufbruchs. Soviel Veränderung war nie“, sagte Konzernchef Matthias Döpfner am Donnerstag und verwies auf Investitionen von über 90 Millionen Euro in den Umbau des Printgeschäfts und die beschleunigte Digitalisierung. In diesem Jahr peilt der Konzern wieder steigende Gewinne an. Dabei könnten die voraussichtlich sinkenden Vertriebserlöse unter anderem durch den geplanten Anstieg der Werbeerlöse mehr als ausgeglichen werden, teilte Springer weiter mit. Die Dividende soll um 10 Cent auf 1,80 Euro steigen.

Springers digitales Geschäft

Ehrgeizige Ziele

2012 verdiente der Springer-Konzern erstmals mehr mit seinem Digital-Geschäft als mit Print. In den ersten drei Quartal des laufenden Geschäftsjahres erreichten die digitalen Erlöse knapp 40 Prozent. Unter dem Dach des Medienkonzerns gibt es nicht nur die Online-Ableger der klassischen Printprodukte. Ein Überblick.

Zeitungen und Magazine im Netz

Die digitalen Ableger von Springers Printprodukten sind stark. Bild.de ist die meistgeklickte Nachrichtenseite Deutschlands, rund 12 Millionen Nutzer rufen die Seite pro Monat auf. Auch Computerbild.de und Welt Online zählen zu den beliebtesten journalistischen Angeboten im Netz.

Blog für Gründerszene

Im Juni 2014 übernahm Springer die Firma Vertical Media, die vor allem für das Blog Gründerszene.de bekannt ist. Zu ihr gehören auch die englischsprachige Webseite Venture Village, eine Jobbörse und mehrere Veranstaltungsreihen.

Vergleichs- und Rubrikenportale

Springer verfügt über zahlreiche Serviceportale zu unterschiedlichen Themen – etwa den Preisvergleich Idealo oder den Online-Prospektedienst Kaufda, der die Angebote regionaler Geschäfte zusammenfasst. Auch Autokäufer hat das Berliner Verlagshaus mit seiner 50-prozentigen Beteiligung an autohaus24.de auf dem Radar.

Schwerpunkt Immobilien und Karriere

Springers digitales Geschäft beschränkt sich nicht nur auf Deutschland. Mit Seloger besitzen die Berliner Frankreichs führendes Immobilienportal, in Deutschland betreibt Springer das Immobilienportal Immonet. Im vergangenen Jahr übernahm Recruiting-Portal und Springer-Tochter Stepstone den britischen Konkurrenten Totaljobs.

Marketing-Unternehmen im Portfolio

Das Verlagshaus ist mehrheitlich an Zanox beteiligt. Das Unternehmen ist auf erfolgsbasiertes Online-Marketing spezialisiert. Der Werbekunde zahlt hierbei nur, wenn der Verbraucher tatsächlich etwas kauft. 2012 setzte Zanox 457 Millionen Euro um.

Springer verlagert seit Jahren sein Geschäft immer stärker ins Netz. Zum Konzern gehören Anzeigen-Portale wie Immonet, Seloger und Stepstone genauso wie Online-Vermarktungsdienste und der Printbereich. Diese Sparte schrumpft allerdings deutlich mit dem Verkauf eines Großteils der Zeitungen und Magazine wie „Hamburger Abendblatt“, „Berliner Morgenpost“ und „Hörzu“ an die Essener Funke-Gruppe.

Für Teile des Deals im Gesamtvolumen von 920 Millionen Euro fordert das Bundeskartellamt allerdings noch mehr Zugeständnisse von Springer und Funke, damit es nicht zu einer marktbeherrschenden Position kommt. Mit dem Kauf des Nachrichtensenders N24 steigt Springer zudem ins Fernsehgeschäft ein, um sein Internet-Angebot mit TV-Bildern zu ergänzen.

Denn die digitalen Medien werden für den Konzern immer wichtiger: Ihr Anteil am Umsatz kletterte 2013 auf 47,9 (Vorjahr: 44,6) Prozent, zum Gewinn (Ebitda) steuern sie 61,8 (Vorjahr: 49,4) Prozent bei. Im Printgeschäft gab es Einbußen bei Umsatz, Ergebnis und Gewinnmarge.

„Das traditionelle Printgeschäft ist wie erwartet unter Druck gekommen“, sagte Analyst Harald Heider von der DZ Bank. Er sieht Springer konsequent auf Kurs, das klassische Mediengeschäft ins Internet zu verlagern.

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