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23.09.2013

16:28 Uhr

Medien-Kommissar

Die Angst der Mohns

VonHans-Peter Siebenhaar

Der verworfene Wechsel von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe zum französischen Medien- und Telekomkonzern Vivendi verunsichert die Eigentümerfamilie in Gütersloh. Es waren bereits die dritten Wechselgerüchte um Rabe.

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Der Medien-Kommissar

Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar wirft wöchentlich einen Blick auf die Medienbranche.

Still ruht der See zwischen der Konzernzentrale und der Stiftung am Rande der ostwestfälischen Kleinstadt Gütersloh. Die aufgeräumte Architektur des weitläufigen Geländes von Bertelsmann täuscht. Hinter der gar so beschaulichen Kulisse wird hinter vorgehaltener Hand über das Tabuthema diskutiert und spekuliert – nämlich wie sehr der verworfene Wechsel des Vorstandschefs Thomas Rabe zum französischen Medien- und Telekomkonzern Vivendi das Vertrauen der Eigentümerfamilie Mohn in den Konzernlenker erschüttert hat.

„Die Mohn haben Angst“, sagt mir ein Vertrauter der Gütersloher Mediendynastie. Angst um die Zukunft ihres Unternehmens, Angst um Instabilität in der Führungsriege. Früher war die Loyalität zu den Mohns eine conditio sine qua non. Die der Besitzerfamilie treu ergebenen Vorstandschefs Gunter Thielen und seine Nachfolger Hartmut Ostrowski sind dafür Beispiele. Doch mit dem polyglotten Thomas Rabe an der Spitze von Europas größtem Medienkonzern hat sich das geändert.

Rabe schweigt zu seiner Wankelmüdigkeit. Denn jedes Wort wäre zuviel, das weiß der schlaue Stratege. Seinen Konzernsprecher lässt er nur schmallippig mitteilen: „Herr Rabe ist CEO von Bertelsmann und steht für andere Aufgaben nicht zur Verfügung.“

Was ist passiert? Im Machtkampf um Vivendi hat Aufsichtsratschef Jean-René Fourtou den Bertelsmann-Chef als CEO ins Gespräch gebracht und an die Wirtschaftspresse in Paris durchsickern lassen. Fourtou wollte damit seinen Gegenspieler und Vivendi-Großaktionär Vincent Bolloré verhindern. Der Franzose, mit knapp fünf Prozent größter Einzelaktionär, wollte selbst vergeblich Vorstandschef des Schwergewichts der französischen Wirtschaft werden. Mittlerweile ist die Sache ad acta gelegt. Vivendi wird in zwei unabhängige Gesellschaften – nämlich Telekommunikation und Medien – aufgeteilt werden, um den Wert an der Börse zu steigern. Bolloré wird nicht neuer CEO, genauso wenig wie Rabe, der von Fourtou nicht durchzusetzen war.

Für Rabe, den in Luxemburg geborenen Sohn eines EU-Beamten, ist die Affäre allerdings ein Desaster. Er bleibt beschädigt auf den Schlachtfeld des Pariser Machtkampfes liegen. Bei der Familie Mohn, allen voran bei Liz Mohn, wächst seit der Affäre das Misstrauen gegenüber ihrem obersten Angestellten. „Es ist bereits zum dritten Mal, dass Rabe sich ins Spiel für einen neuen Job bringt. Das ist es doch logisch, dass die Familie misstrauisch wird“, sagt mir ein Bertelsmann-Insider, der mit Rabe zusammenarbeitet.

Der 48-Jährige, der seit Januar 2012 Europas größten Medienkonzern durch nicht einfache Zeit navigiert, wollte bereits CEO von Pro Sieben Sat 1 werden. Außerdem wurde er öffentlich für den Spitzenposten bei Haniel genannt. Das war noch zu Zeiten als er Finanzvorstand in Gütersloh war.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

23.09.2013, 16:59 Uhr

Man hört, Bertelsmann habe einen exzellenten Nachwuchspool. Nach 15 Jahren mit Middelhoff, Ostrowski und dem Übergangs-Thielen kann das wohl kaum stimmen. Da kam immer nur Drittklassiges oder Wankelmütiges oder beides.

jodan

23.09.2013, 17:48 Uhr

Diese "Drittklassigkeit" passt allerdings zu der auf dem TV-Gebiet verfolgten Politik. Was RTL, oder wie es heißt, der DEPPENKANAL, zu bieten hat, wäre mit Drittklassigkeit noch charmant untertrieben. Wie kann sich ein hoch angesehener Medien-Konzern wie der traditionreiche Bertelsmann Konzern, der in seinen anderen Geschäftsfeldern sich der Qualität verpflichtet fühlt, einen solchen Sender für Schwachsinnige antun???? Da paßt doch einiges nicht zusammen, Frau Liz Mohn!!!Oder

DerGraf

23.09.2013, 22:52 Uhr

Es ist wie immer bei Bertelsmann - es werden nur die kleinen Räder gedreht weil die Arme für die großen einfach zu kurz sind. Der Gemischtwarenladen Bertelsmann aus der ostwestfälischen Provinz wird doch international im Konzert der Großen gar nicht mehr wahrgenommen. Da nützt auch die Adresse der Repräsentanz in Berlin "Unter den Linden 1" nichts. Die goldenen Zeiten des Verlages um den Konzernlenker Reinhard Mohn sind lange vorbei. Und wenn man dann noch mittelklassige Manager wie die graue Maus Rabe, der nach seinem Aufstieg in den Bertelsmann Olymp nur durch große Worte statt großer Taten glänzt, an`s Ruder lässt wird sich das wohl auch nicht ändern. Deswegen ist es kein Wunder das dieser mit anderen Posten liebäugelt weil es für ihn nur nach oben gehen kann. Wer heute noch bei Bertelsmann als Marionette unter der Fuchtel der Alleinherrscherin Liz Mohn wirkt wird doch in internationalen Kreisen nur noch belächelt und bemitleidet. Da ging der Schuß des "roten Mohn" nach hinten los das jeder "Bertelsmann" sein eigener Unternehmer im Unternehmen sein sollte. Was man seit den Tagen eines Thomas Middelhoff, der zwar auch keine großen Taten vollbracht hat aber dafür die internationale Klaviatur perfekt beherrschte, beobachten kann ist das dieses Unternehmertum, gepaart mit Arroganz und Selbstüberschätzung bis in die Niederungen des Konzerns, zu Größenwahnsinn führen kann. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Reinhard Mohn hat nach dem Krieg als junger Mensch einen am Boden liegenden Konzern nicht nur mit seinen Visionen sondern auch mit Taten groß gemacht. Sein Sohn Christof, der nach dem Disaster mit Lycos genau weiß wie es sich anfühlt am Boden zu liegen, sollte in seine Fußstapfen treten und es seinem Vater gleichtun. An dieser Aufgabe könnte nicht nur Christof Mohn wachsen sondern auch wieder der Konzern.

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