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12.05.2013

13:42 Uhr

Medienbericht

„Bild“ steht vor Stellenabbau

Der Axel-Springer-Verlag will bei seinem Flaggschiffprodukt bis zu 200 Arbeitsplätze abbauen. Unter anderem sollen Redaktionen zusammen geführt werden. Laut dem Unternehmen seien noch keine Entscheidungen gefallen.

Titelblatt der Bild-Zeitung von Samstag.

Titelblatt der Bild-Zeitung von Samstag.

BerlinAxel Springer zieht einem Medienbericht zufolge Konsequenzen aus der Flaute auf dem Printmarkt und plant massive Einsparungen sowie einen Stellenabbau bei der "Bild"-Zeitung. Es gehe um 20 Millionen Euro, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen dem Magazin "Spiegel". Demnach könnten bei der "Bild"-Gruppe 170 bis 200 Arbeitsplätze gestrichen werden. Zugleich würden strukturelle Änderungen geprüft. In der Diskussion sei, den Lokalteil der Berliner "Bild" zusammen mit der "B.Z." zu erstellen oder die "B.Z" mit der "Bild Berlin-Brandenburg" zusammenzuführen. Mit Redaktionsgemeinschaften kennt sich Springer aus - dies gibt es bereits bei der "Welt"-Gruppe, dem "Hamburger Abendblatt" und der "Berliner Morgenpost".

Ein Springer-Sprecher nannte die Zahlen zu Sparplänen und Personalabbau falsch und ohnehin zu hoch. Zugleich bestätigte er, dass Stellenstreichungen in verschiedenen Szenarien geprüft würden und es noch keine Entscheidungen dazu gebe. Er betonte, dass infolge der Digitalisierung in anderen Bereichen Stellen geschaffen würden. Für den "Welt"-Onlineauftritt hatte Springer zuletzt ein Bezahlmodell eingeführt. Dies ist auch für die "Bild" vorgesehen. Zudem wird Springer ab der Fußball-Bundesligasaison 2013/14 die Höhepunkte der jeweiligen Spieltage digital anbieten. Die Zusammenfassung soll kostenpflichtig sein.

Die Geschichte der Bild-Zeitung

Der Vater der Bild-Zeitung

Axel Springer hatte ein großes Ziel: Er wollte "das größte Zeitungshaus Europas" schaffen - und es gelang ihm. Streitbar war der Verleger der Bild-Zeitung immer, aber besonders Ende der 60er-Jahre. Der Historiker Tim von Armin hat Springers Leben in seiner Biografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag) festgehalten. Es folgt der spannende Teil über die Einführung der Bild-Zeitung.

Die Vorbilder

Inspiriert wurde Axel Springer von der Hamburger Morgenpost und dem britischen Daily Mirror. Beide zielten auf die Psyche des Ins-Büro-Fahrenden, wie Springer es ausdrückte. Damals war es ungewöhnlich, dass Tageszeitungen auf dem Weg zur ARbeit erworben wurden.

Die Idee

Axel Springer persönlich war die treibende Kraft der Bild-Zeitung. Viele Details der Gründungsphase sind nur spärlich überliefert. Die Idee war von Beginn an eine am Morgen erscheinende, niedrigpreisige Boulevardzeitung. Vorbilder gab es nicht nur im Ausland ...

Die Preis-Strategie

Die Bild-Zeitung sollte der Preisführer unter den deutschen Zeitungen und schon für zehn Pfennig zuhaben sein. Das entspricht dem Bestreben, die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu erfüllen. Hier sah Springer ein enormes Absatzpotenzial.

Wie es zu nackten Frauen kam

Natürlich gab es das Seite-1-Mädchen (übrigens jüngst in den Innenteil verbannt) damals noch nicht. Aber klar war von Beginn an, dass der Name "Bild"-Zeitung kein Zufall war. Springer war fasziniert von der fortschrittlichen anglo-amerikanischen Presse und der konsequenten Betonung visueller Effekte.

Das Logo

Die vier dicken Buchstaben gibt es noch heute. Entworfen hat das Logo der Werbegrafiker Günther T. Schultz, ein langjähriger Freund Springers. Über den vier Lettern stand "10 Pfg" und darunter Zeitung".

Die Seite Eins

Die erste Seite 1 der Bild-Zeitung sah völlig anders aus als heute. Sie bestand ausschließlich aus Fotos und Unterzeilen. Plus natürlich die dicke Überschrift. Die Fotos waren schwarz-weiß und entsprechend groß. So sollte die Wirkung der Bilder voll zur Geltung kommen.

Kritik daran gab es im Verlagshaus durchaus. Doch Springer setzte sich durch gegenüber der Meinung, dass eine Seite 1 nicht nur aus Bildern bestehen könne.

Die Einführung der Bild-Zeitung

Die Druckkosten-Kalkulation gab es im Oktober 1951. Es folgten viele Gespräche mit führenden Verlagsvertretern. Die erste Ausgabe hielten Leser am 24. Juni 1952. Die erste Auflage lag bei 500.000 Exemplaren. Sie wurden kostenlos in Hamburg verteilt.

Springer nutzt die kurz darauf beginnenden Olympischen Spiele in Helsinki, da gerade zu dieser Zeit das Informationsbedürfnis der Leser besonders hoch war.

Erhebliche Startschwierigkeiten

Ein Erfolgsmodell von Beginn an war die Bild nun wahrlich nicht. Trotz der vielen Bilder auf der Seite 1 und den boulevardesken Inhalten inklusive der Sinnsprüche und der berühmten Kolumne "Hans im Glück" war das Interesse am ersten Verkaufstag (25. Juni 1952) gering. Bis Ende 1952 lag die durchschnittliche verkaufte Auflage bei 165.000 Exemplaren und es war keine Besserung in Sicht.

Die Wende

Axel Springer hielt aber an seinem Vorhaben fest - ließ aber mit sich reden. Umfang und Bedeutung der Textelemente wurden erhöht. Im Januar 1953 sagte Springer: "Wir müssen mehr Text machen." Es folgte ein experimenteller Prozess. (Wenig) Sex und (viel) Crime machten den wesentlichen Teil aus. Bis 1958 wuchs die Zahl der Redakteure von einer Handvoll auf über 100.

Der Durchbruch

Der Erfolg setzte nach rund einem Jahr ein. Neben der redaktionellen Umgestaltung halfen auch Verbesserungen beim Vertrieb. Im September 1953 wurden erstmals über eine Million Exemplare verkauft. Ein Jahr später war die Bild Europas größte Tageszeitung.

Springers Rückzug

Nach dem Durchbruch der Bild zog sich Axel Springer aus dem redaktionellen Tagesgeschäft zurück. Prägende Chefredakteure werden in den kommenden Jahren Rudolf Michael, Peter Boenisch und Günter Prinz.

Indirekt deuten die Äußerungen des Springer-Sprechers auf einen Richtungswechsel hin. Im März hatte Springer-Chef Mathias Döpfner noch betont: "Es gibt kein Stellenabbau-Programm." Für die Finanzierung von Strukturanpassungen im Gesamtkonzern haben die Berliner laut "Spiegel" fürs laufende Jahr 50 Millionen Euro zurückgestellt.

Springer verlagert angesichts rückläufiger Printauflagen und damit sinkender Anzeigenerlöse sein Geschäftsmodell immer stärker ins Netz. Allein die Auflage der langjährigen Springer-Kassenschlager "Bild" und "BZ" brach im ersten Quartal um acht Prozent ein. "Der Jahresauftakt im Printgeschäft war nicht einfach", gab Döpfner bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Dienstag zu. Derzeit beschäftigt Springer rund 14.600 Mitarbeiter, wie viel für die "Bild"-Zeitung arbeiten, gibt der Konzern nicht bekannt.

Von

rtr

Kommentare (4)

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RumpelstilzchenA

12.05.2013, 14:16 Uhr

Springer entlässt und schreit anschließend Fachkräftemangel!

MAXWELLgruesst

12.05.2013, 15:23 Uhr

der anfang vom ende.

die zahlen seit ein paar jahren die dividende aus darlehen und halten sich mit wilden aktivazuschreibungsorgien in der bonizone,siehe schlapp 1 5oo millionen IMMATERIELLE WERTE,die die bilanz beflügeln ,ansonsten ein hoffnungsfriedhof und die CASH COWS werden durch unfähigkeit und mätzchen der spitzenkräfte und der begegnung mit der alltagswirklichkeit CLASH COWS

matze döpfner in die produktion,da kann er am wenigsten falsch machen.am besten ins reinigungsgeschwader,da kann er den islamismus weiterhin in schach halten

hindukuschistweitweg

12.05.2013, 16:06 Uhr

Die 50 Mio. Rückstellungen für Strukturanpassungen wurden auf der hauptversammlung im April in Berlin verkündet. Dort wurden auch Sozialpläne angekündigt. Da die BILD-Gruppe der einzige Printladen ist, der Geld verdient, ist es auch der einzige, wo es etwas zu sparen gibt. Bei der chronisch defizitären Welt-Gruppe dürfte nicht mehr viel zu holen sein.

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