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10.08.2012

09:07 Uhr

Medienbericht

IBM hat Interesse an Blackberry-Sparte

Beim Blackberry-Anbieter Research in Motion (RIM) könnte ein Ausverkauf bevorstehen. IBM soll sich für den wohl wertvollsten Geschäftsbereich interessieren: Den E-Mail-Dienst, den noch viele Unternehmen nutzen.

Blackberrys 9900: IBM ist offenbar am Firmengeschäft von RIM interessiert. Reuters

Blackberrys 9900: IBM ist offenbar am Firmengeschäft von RIM interessiert.

New YorkDer Computerriese IBM hat laut einem Medienbericht Interesse an einem Filetstück des kriselnden Blackberry-Anbieters RIM. IBM habe informell wegen einer Übernahme des Firmengeschäfts von Research in Motion (RIM) vorgefühlt, berichtete die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag.

Der Bereich betreibt vor allem den von vielen Unternehmen genutzten E-Mail-Dienst von Blackberry. Interessenten für RIM als Ganzes oder die Handy-Produktion gebe es hingegen nicht, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Der Niedergang von Research in Motion

Ein Schatten seiner selbst

Vier Jahre sind eine Ewigkeit in der schnelllebigen Welt der Kommunikation. Im April 2008 bewegte sich der Blackberry-Hersteller auf einer scheinbar unaufhaltbaren Erfolgswelle. Im Bereich Innovation gebe man sich bei RIM "nur mit dem Besten zufrieden", verkündete der damalige RIM-Chef Mike Lazaridis.

Wichtige Trends verschlafen

Doch vier Jahre später muss der jetzige Konzernchef Thorsten Heins gestehen: "Ich bin der Erste, der zugibt, dass RIM wichtige Trends in der Smartphone-Industrie verpasst hat." RIM hat den Trend zu berührungsempfindlichen Bildschirmen verpasst. Außerdem vernachlässigte RIM die zentrale Rolle des Internets auch für Smartphones.

Die Gründer

RIM ist Kanadas bekanntestes Unternehmen. Erfolgsgarant war fast 20 Jahre lang das Duo Mike Lazaridis und Jim Balsillie. Unter ihrer Führung war RIM von einer kleinen Technologiefirma zu einem globalen Akteur aufgestiegen. Der in Istanbul als Sohn griechischer Eltern geborene Mike Lazaridis war der Technikfreak, der 1984 mit seinem Studienkollegen Douglas Fregin RIM als ein Dienstleistungsunternehmen gegründet hatte, das sich auf die drahtlose Datenübermittlung konzentrierte.

Wie es zum Namen „Schwarzbeere“ kam

1992 schloss sich Jim Balsillie, der in Toronto und Harvard Wirtschaft und "Business Administration" studiert hatte, RIM an. Er steckte 250 000 Dollar in das Unternehmen, das 1997 an die Börse ging und ein Jahr später die erste "Schwarzbeere" (Blackberry) als Handcomputer auf den Markt brachte.

Die Innovation

Um E-Mails zu empfangen, musste man nicht mehr am Computer sitzen oder seinen Laptop hochfahren. E-Mails werden mit einer Push-Technologie auf den Blackberry weitergeleitet. 2004 war ein "Markstein", als die Zahl der Kunden eine Million erreichte. 2008 waren es bereits 14 Millionen, heute sind es 78 Millionen Abonnenten.

Mythos verflogen

Der Blackberry war Kult. Aber dieser Mythos ist verflogen. Anfang des Jahres mussten Lazaridis und Balsillie ihre Posten räumen. Der frühere Siemens-Manager Thorsten Heins übernahm - und ist seitdem vor allem der Überbringer schlechter Nachrichten. Zuletzt meldete der Konzern einen Quartalsverlust von 518 Millionen Dollar.

Verzögerte Wende

Der Umsatz war im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar eingebrochen. Die Aktie - einst 150 Dollar wert - liegt derzeit bei sieben Dollar. Rund 5000 der weltweit etwa 16.000 Mitarbeiter müssen gehen. Und noch schockierender für die Investoren: Das Betriebssystem Blackberry 10, mit dem die Wende gelingen sollte, wird nicht im Herbst, sondern erst Anfang 2013 auf den Markt kommen. Der Grund: technische Probleme.

RIM befindet sich gerade in einer harten Durststrecke. Geräte mit dem nächsten Betriebssystem Blackberry 10 kommen nicht vor kommendem Jahr auf den Markt. Die aktuellen Modelle können nicht mit Apples iPhone und Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android mithalten. Im vergangenen Quartal sank der Anteil von RIM am Smartphone-Markt nach Berechnungen des Marktforschers IDC auf 4,8 Prozent - vor einem Jahr waren es noch 11,5 Prozent.

Der aus Deutschland stammende RIM-Chef Thorsten Heins hatte angekündigt, alle Optionen für das Unternehmen zu prüfen. Darunter sind auch ein Verkauf oder die Vergabe von Blackberry-Lizenzen an andere Unternehmen. Diese Woche war über ein mögliches Interesse von Samsung spekuliert worden, der weltgrößte Smartphone-Hersteller wies das jedoch zurück.

Blackberry-Chef: „Ich habe schon mal besser geschlafen“

Blackberry-Chef

„Ich habe schon mal besser geschlafen“

Der Blackberry-Hersteller steht vor dem Umbruch. RIM-Chef Thorsten Heins erklärt im Interview, wie die Mitarbeiter mit den Veränderungen umgehen, wie die Kehrtwende aussieht und warum Qualität über Schnelligkeit geht.

IBM hatte in den vergangenen Jahren den Schwerpunkt immer mehr vom Computergeschäft hin zu Unternehmensdienstleistungen verlagert. Dazu würden die E-Mail-Server von Blackberry gut passen. Unklar ist allerdings, wie wertvoll der verbleibende Rest von RIM wäre. Das Unternehmen hat unter anderem mit dem Blackberry-Messenger BBM auch Verbraucher als Kunden und bietet auch Handys im Niedrigpreis-Bereich an.

RIM hatte zu lange auf seine klassischen E-Mail-Handys mit großer Tastatur und kleinem Bildschirm gesetzt und wurde von iPhone und Android überrollt. Heins hofft auf die Rettung durch das nächste Betriebssystem und senkt in der Zwischenzeit die Kosten. So wird fast ein Drittel der Arbeitsplätze abgebaut. Der Start der ersten Geräte mit Blackberry 10 musste aber erst vor kurzem von Ende dieses Jahres auf Anfang 2013 verschoben werden.

Blackberrys Jagd auf das iPad

Video: Blackberrys Jagd auf das iPad

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Von

dpa

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