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17.01.2007

21:37 Uhr

Medienbranche

Kloiber peilt Österreichs Privatsender ATV an

VonHans-Peter Siebenhaar und Oliver Stock

Die Tele München Gruppe (RTL 2, Tele 5, Cinemaxx) des Münchner Medienunternehmers Herbert Kloiber prüft die Übernahme des österreichischen Privatfernsehsenders ATV. „Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Doch wir haben ein Vorkaufsrecht“, sagte Kloiber dem Handelsblatt.

Herbert Kloiber bei der Emmy-Verleihung im Jahr 2004. Foto: ap

Herbert Kloiber bei der Emmy-Verleihung im Jahr 2004. Foto: ap

MÜNCHEN. Der Filmhändler wird sich am Donnerstag mit John Snow treffen, dem Chef des US-Finanzinvestors Cerberus. Cerberus hat im Dezember den Zuschlag für die österreichische Gewerkschaftsbank Bawag erhalten, die bislang bei dem Fernsehsender mit knapp 43 Prozent zweitgrößter Aktionär ist. Kloiber hält als größter Gesellschafter nach eigenen Angaben rund 54 Prozent des größten Privatsenders in Österreich. ATV wollte eine mögliche Veränderung der Beteiligungsverhältnisse nicht kommentieren. Das sei eine Sache zwischen Herrn Kloiber und Herrn Snow, sagt ein Sprecher.

Ob Kloiber den Wiener Sender komplett übernimmt oder die Anteile an einen ihm genehmen Gesellschafter gehen, ist offen. „Ein neuer Gesellschafter braucht allerdings unsere Zustimmung“, sagt der Filmhändler. Ein Partner aus dem Finanzsektor sei durchaus denkbar. „Ideale Minderheitsgesellschafter wären auch ein Private-Equity-Unternehmen oder eine Bank“, sagte Kloiber.

Den Wert des Senders, der in der Branche gerne als österreichische Variante von RTL bezeichnet wird, schätzen Branchenkenner auf 150 bis 200 Mill. Euro. Das Erreichen der Gewinnzone rückt allmählich in greifbare Nähe. „Der Break-Even ist in 18 Monaten in Sicht. Unsere Werbeeinnahmen sind im vergangenen Jahr um 66 Prozent auf 50 Mill. Euro netto gestiegen“, berichtete Kloiber.

Bisher hieß es, ATV müsse sein Ziel, vom Jahr 2008 an keine roten zahlen mehr zu schreiben um mindestens zwölf Monate nach hinten verschieben. Schuld daran dürfte auch ein verlorener Streit um Fußball-Übertragungsrechte sein, die letztlich beim ORF gelandet sind.

Wann Cerberus den Minderheitsanteil verkaufen kann, ist noch nicht klar. „Frühestens in April gibt es eine Unterzeichnung der Verträge“, sagt Kloiber. Der einstige Gegenspieler des Münchener Medienmoguls Leo Kirch hat ATV nun fest im Griff.

Der ehemalige US-Finanzminister Snow hat in Wien bereits die Devise ausgegeben, dass sich die Bawag von Beteiligungen, die nicht zu ihrem Kerngeschäft zählen, trennen soll. Der Sender, der seit dreieinhalb Jahren Verluste schreibt, ist der größte Posten, den die Bawag loswerden will. Auch Minderheitsbesitzer wie die österreichische Erste Bank sind, insbesondere wenn sich die Bawag von ATV trennt, zum Verkauf bereit, wie eine Sprecherin der Ersten Bank bestätigte. Die Erste Bank hält aber nur einen kleinen Anteil im Promillebereich.

Um gegenüber deutschen Sendern und dem österreichischen Staatsfernsehen ORF eigenes Profil zu gewinnen, setzt der Sender auch auf Eigenproduktionen, wozu zum Beispiel die Doku-Soap „Die Lugners“ gehört. Mit einzelnen Produktionen erreicht ATV Marktanteile von bis zu 13 Prozent in der Zielgruppe der unter 50jährigen. Im Durchschnitt liegt ATV in Österreich im Vergleich zu anderen werbefinanzierten Sendern vor Kabel 1 und RTL 2 aber hinter Pro Sieben, RTL, Sat 1 und Vox. Rechtehändler Kloiber, selbst gebürtiger Wiener, versorgt ATV mit gehaltvollerer Filmkost, wie „Chocolat", „Schindlers Liste" und „Die wunderbare Welt der Amélie" im Hauptabendprogramm.

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